Christbaumverkäufer Keller bei

Hoffentlich kommt der Abholer

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Christbaumverkäufer Günther Keller (links) mit Maria und Heinz Richter. Sie haben das richtige Bäumchen für ihr Heim in Messel gefunden. Das Paar hat 35 Jahre in Nieder-Roden gelebt und kam auf dem Weg zurück vom Friedhof an der Verkaufsfläche vorbei.

Nieder-Roden - Ob groß oder klein, kerzengerade oder rundlich, mit Wurzeln oder ohne: Ein Christbaum gehört für viele zum Weihnachtsfest dazu. Günther Keller verkauft die Bäume nahe dem Reiber-Kreisel in Nieder-Roden und weiß, worauf es beim Aussuchen ankommt. Von Simone Weil 

Die guten Stücke werden genau unter die Lupe genommen und extrem wählerisch ausgesucht, damit es daheim keinen Ärger gibt. Deswegen kommen viele Paare auch gemeinsam, um das richtige Bäumchen zu finden. „Bei den Männern soll es schnell gehen, die wollen fertig werden“, hat Keller oft beobachtet. Die Frauen dagegen suchen einen idealen Baum. Das weiß der Verkäufer von der eigenen Gattin. Ute Keller hat schon signalisiert: „So etwas Zerrupftes, wie den dahinten will ich nicht.“

Doch nun stehen Mutter und Tochter vor ihm, um den passenden Christbaum auszusuchen: „Sonst bin ich mit Papa unterwegs, doch das hat nicht geklappt“, erzählt Katrin Schnur. Was sie sucht? Klare Sache: „Einen tollen Baum.“ Das weiß die junge Frau ganz genau. Und: In der Regel muss Günther Keller mehrere Tannen auspacken, bis der richtige Baum gefunden ist. „Ich weiß ja selbst nicht, was in der Wundertüte drin ist“, sagt er. „Den erstbesten nehmen wir nicht“, ist sich die Kundin mit ihrer Mutter Martina Schnur einig. Groß und ausladend soll er sein, den holt der Papa dann am nächsten Tag ab. Und tatsächlich scheinen die Damen ein geeignetes Exemplar gefunden zu haben und ziehen zufrieden ab.

Inzwischen inspizieren mehrere Paare die Ware, fragen nach Preisen, scheinen aber nicht das Richtige gefunden zu haben und gehen unverrichteter Dinge weiter. Dafür haben andere Kunden ein passendes Bäumchen gefunden. „Es sollte nicht so groß sein“, verrät Maria Richter. „Wir haben jedes Jahr etwas anderes“, sagt ihr Gatte Heinz. Wie geschmückt wird? „Ich bin aus der Slowakei, da gehören Strohsterne dazu“, erzählt die Käuferin.

35 Jahre haben die Richters in einem Häuschen in Nieder-Roden gewohnt, doch nun leben sie in Messel. Auf dem Rückweg vom Friedhof kamen sie an der Verkaufsfläche vorbei, machten einen Abstecher und nehmen nun den passenden Baum mit nach Hause.

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Seit fünf Jahren verkauft Günther Keller Christbäume. „Etwa 300 bis 400 Stück werden es wohl sein“, schätzt er. Am Wochenende hat er Unterstützung von Freunden vom Arbeitskreis für Heimatkunde. Immerhin fließt ein bisschen was vom Erlös in die Kasse des Vereins, der das Heimatmuseum betreibt. „Mir macht das Gebabbel mit den Leuten Spaß und daheim bin ich aus dem Weg“, scherzt Keller. Noch bis Freitag, 23. Dezember, bietet er seine Ware an, täglich zwischen 10 und 17 Uhr. Wenn es arg zu kalt wird, hilft ein Schlückchen Glühwein, der auch der Kundschaft angeboten wird.

Ewig im Gedächtnis bleiben wird Keller wohl die Geschichte vom Christbaum, der noch abgeholt werden sollte: Die Ware war bezahlt und wartete nur noch auf den Transport. Doch bis zum letzten Tag kam niemand. Schließlich erfuhr der Tannenbaumverkäufer, dass sich das Paar tatsächlich in den Tagen vor Weihnachten ernsthaft gestritten und getrennt hatte. „Deswegen werde ich jetzt immer unruhig, wenn noch ein Baum abgeholt werden muss“, gesteht Keller.

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