Stadt richtet Adventsmarkt alleine aus und hofft auf Akzeptanz:

Mehr Idylle und weniger Kommerz

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Richtig schön und stimmungsvoll wird es freilich erst, wenn es dämmert: Wie der Nachwuchs zeigt, gehört Zuckerwatte zu jedem Adventsmarkt wie Lebkuchenherzen und gebrannte Mandeln.

Ober-Roden -   Kein symbolischer Knopfdruck, um die große Tanne auf dem Marktplatz ins Leuchten zu bringen, und keine Kerzen auf dem Marktbrunnen – dafür ein buntes Treiben rund um den Rodgaudom – alles wird anders. Von Christine Ziesecke 

Seit Jahrhunderten schon Tradition, aber immer mal wieder im neuen Gewand, das ist die Adventszeit weltweit ebenso wie der Adventsmarkt in Ober-Roden – dies stellte Bürgermeister Roland Kern bei der Eröffnung des Marktgeschehens an den Anfang. Umrahmt von Musik des Jugendorchesters des Musikvereins 03, beschrieb Kern damit auch die neue Variante des Adventtreibens, diesmal nach diversem Hin und Her erstmalig allein von der Stadt ausgerichtet, aber mit starker Unterstützung vor allem auch räumlicher Art durch die katholische Pfarrgemeinde. Deren Pfarrer Elmar Jung konnte sich als Überraschung denn auch gleich über einen 800-Euro-Scheck des Vereinsrings freuen, der seine Überschüsse des vergangenen Jahres dem Indien-Hilfswerk Hand-in-Hand zur Verfügung stellt.

Symbolische Schecks gab es auch wieder von „Menschen vor Ort“ MvO, welche die Erlöse ihres Ortskernfestes zu gleichen Teilen karitativen Einrichtungen in Rödermark überreichten: Über jeweils 500 Euro konnten sich die psychosoziale Einrichtung „Die Brücke“, das Artemed Pflegestift an der Rodau sowie die Palliativgruppe der Johanniter Unfallhilfe freuen.

Die KiR-Künstlerin Elfi Köhl und ihre naturnahe Adventsfrau im Dinjerhof.

Adventsmarkt zwischen Heitkämperstraße und Pfarrgasse, dem Kirchgarten, dem Forum St. Nazarius, dem Schwesternhaus und vor allem dem Dinjerhof – das erinnerte etwas ältere Marktbesucher sicher an den jahrelang gestalteten ökumenischen „Anderen Advent“, der im Gegensatz zum lärmigen und trubeligen Treiben auf der Frankfurter Straße Ruhe und innere Wärme bieten wollte. Ein wenig davon hat sich ins neue Marktgeschehen gerettet – auch wenn es viel Glühwein und mancherlei andere Genüsse gab, so beherrschten doch Vereine und Kindergärten, Kunsthandwerker und auch kirchliche Gemeindegruppen die kleine Marktzeile. Früher war zwar – frei nach Loriot – „mehr Advent“, wie man beim Blick auf die völlig ungeschmückte Bühne feststellen musste, aber Organisationschef Gregor Wade vom städtischen Fachbereich Kultur und Vereine gab sich hoffnungsvoll: „Wir sind neu auf diesem Gebiet und lernen ja noch!“ Dafür glänzten „Die Goldische“ – Fastnachtsdamen der TG – weithin im Kirchgarten zwischen KiR-Kunst und AfA-Küche. Eine Attraktion: Das wärmende Feuer im Hof des Forums, in dem sich die Kolpingsfamilie mit Speis und Trank und Aktionen ausgebreitet hatte. Absoluter Hingucker dabei: die von der Familie von Jürgen Schott aus Urlaubsmitbringseln handbearbeiteten Kunstwerke aus Treibholz.

Idylle pur herrschte wieder im Dinjerhof, der schon von Weitem mit künftigen Christbäumen jeder Art einlud, die auch gleich noch im Tüncher-Hof zurechtgesägt (und auf Wunsch ausgefahren) wurden. Kunstgewerbe und Handwerk von der kunstvollen Adventsfrau aus Kreativität und Tannengrün bis zur handgemachten Seife in Stall und Scheune, dazwischen Kaffee und Kuchen, Bratwurst und Punsch – in diesem Ambiente stimmt alles.

Adventsmarkt im Herzen von Ober-Roden: Fotos

Für die angrenzenden Einzelhändler, von denen einige am Sonntag ihre Türen öffneten und mit Adventsangeboten lockten, ist die Verlagerung in die Gassen weg von der Hauptstraße sicher zweischneidig: Die Behinderungen durch Straßensperren etwa nehmen ab, doch die Verweildauer vor den festlich geschmückten Schaufenstern damit auch. Sie müssen nun noch stärker mit ihrem Angebot punkten.

Für kleine Kinder immer ein Vergnügen: das Karussell.

„Stocksauer“ zeigte sich dagegen Manfred Rädlein, der Vorsitzende des den früheren Weihnachtsmarkt lange Jahre ausrichtenden Gewerbevereins Rödermark: Er freut sich zwar, dass sich der Markt nun auf seine eigentliche Bestimmung konzentriert und so hoffentlich auch viel Anerkennung finden wird. Dennoch vermisste er in den kurzen Reden zur Eröffnung jegliche Würdigung oder wenigstens einen Hinweis auf den jahrzehntelangen Organisator Gewerbeverein, der dies aus Personalnot nun nicht mehr leisten kann. Am eigenen Stand verkaufte der Verein der Rödermärker Handeltreibenden am Wochenende Glühwein und Notfalldosen – zugunsten einer sozialen Einrichtung in Rödermark.

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