Bongos für Bildung und Brunnen

Altlagerer von St. Markus führen Adventsfeier für „Thiogo“ fort

Die „Artis“ aus der Nachbarschaft trommelten beim Adventsfest für „Thiogo“ auf dem Grillplatz. Foto: M
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Die „Artis“ aus der Nachbarschaft trommelten beim Adventsfest für „Thiogo“ auf dem Grillplatz.

Percussion statt Parforce, Schlagwerk statt Jagdhorn erfüllten den Festplatz im Naherholungsgebiet Steinbrüche. Der Ort ist derselbe, auch das Fest ist geblieben, allein die Gastgeber haben gewechselt.

Mühlheim –  Altlagerer, einstige Gruppenleiter der katholischen Jugend St. Markus, übernahmen die Rolle der Jagdhornbläser aus Lämmerspiel und führten so einen lieb gewonnenen Termin am dritten Advent fort.

Die Signalgeber in den grünen Uniformen, Familienmitglieder, Freunde und Gönner bereiteten heiße Wurst, Suppe und Kuchen, Kaffee, Tee und Glühwein zu. Die Leckereien gab’s kostenfrei, die Musiker baten aber um Spenden, mit denen sie alljährlich ein soziales Projekt unterstützten, zuletzt den Freundeskreis „Thiogo“.

Der Verein fördert den Aufbau der Infrastruktur und einer Schule in Nouna im Westen von Burkina Faso. Thorsten Ehmann wirkte dort zwischen 1995 und 1997 als Entwicklungshelfer und blieb den Menschen in einem der ärmsten Länder Afrikas treu. Der Mühlheimer Ingenieur für Landschaftsökologie kehrte regelmäßig nach Nouna zurück, wo die Deutsche Rosemarie Kempers ein Alphabetisierungsprogramm gestartet hatte.

Nach dem Tod der Entwicklungshelferin führt nun Ehmann mit dem Verein die Aktivitäten fort. „Thiogo thiogo“ bedeutet in der Landessprache Dioula etwa, „wir tun, was wir können“. Unter diesem Motto gründete Ehmann im April 2012 die Gemeinschaft in Mühlheim und gewann Bürgermeister Daniel Tybussek als Vorsitzenden. Er wies bei der Feier auf die vielfältigen Erfolge bei den Partnern in der Sahelzone hin. Die Förderer aus der Mühlenstadt übernehmen das Schulgeld und zahlen Unterrichtsmaterial, um Kindern und Jugendlichen Chancen zu eröffnen, Bildung zu erfahren und einen Beruf zu erlernen. „Der hohe Zulauf aus den benachbarten Dörfern macht Investitionen in Ausstattung und Lehrmittel nötig“, erläutert Initiator Ehmann. „Diese Sachen sind in Burkina Faso sehr teuer.“

Daneben hat der Verein einige zum Teil seit Jahren defekte Brunnen für Trinkwasser instand gesetzt. Dazu bildet ein erfahrener burkinischer Techniker junge Männer zu Brunnenwarten aus: Neben ihrem „Diplom“ erhalten sie eine Grundausstattung an notwendigem Spezialwerkzeug, damit sie kleinere Pannen vor Ort beheben können. Zum Konzept dieser „Hilfe zur Selbsthilfe“ gehöre auch, dass die Bewohner einen minimalen Beitrag für das saubere Wasser zahlen, damit auch größere Reparaturen finanziert werden können, schildert Ehmann. Seit 2009 setzte die Gruppe mehr als 300 Tiefbrunnen in Gang. Derzeit leidet die Gegend jedoch unter Anschlägen von Terroristen aus dem angrenzenden Mali. Der Projektleiter reist daher nur für wenige Tage nach Nouna.

Er dankte den Altlagerern als Gastgebern und den Sponsoren, Metzgerei Müller, Ferdinands Bäckerei, Landkelterei Dietesheim, Firma Wesemann, allen Kuchenspenderinnen, Helge Kuhlmann für die Beschallung und den Musikern der Artificial Family.

VON MICHAEL PROCHNOW

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