Kleine Geste, große Freude

Tafel organisiert Weihnachtsmarkt für bedürftige Kinder

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Der Kinderweihnachtsmarkt, den die Offenbacher Tafel seit sieben Jahren ausrichtet, findet großen Anklang in der Bevölkerung.

Offenbach - Seit sieben Jahren organisiert die Offenbacher Tafel einen Weihnachtsmarkt für bedürftige Kinder. Dass er am vergangenen Wochenende tatsächlich stattgefunden hat, grenzt an ein kleines Wunder: Denn fast hätten die Veranstalter nicht genügend Geschenke zusammenbekommen. Von David Heisig

Stolz stellt sich Annika neben einen Weihnachtsengel und lässt sich mit ihm fotografieren. Das Bild wird gleich an Ort und Stelle ausgedruckt und in einen Bilderrahmen gesetzt. Den hat das Mädchen vorher bemalt und verziert. Sie ist froh, ein Weihnachtsgeschenk für ihren Opa zu haben. Seit sieben Jahren richtet die Offenbacher Tafel einen Weihnachtsmarkt für bedürftige Kinder aus.

Ursprünglich sei der Weihnachtsmarkt nur für die „Tafelkinder“ gewesen, so Christine Sparr, Leiterin der Tafel Offenbach. Einen Schein als Nachweis für die Bedürftigkeit verlangt die gemeinnützige Organisation jedoch nicht: Jedes Kind sei willkommen. Denn in vielen Familien fehle gerade vor Weihnachten das Geld für die Extraportion Geschenkeglück. Zwischen den Zelten auf dem Mathildenplatz stehen schön dekorierte Weihnachtsbäume. Viele Kinder und Eltern schieben sich zwischen Schminkstand, Würstchenzelt und Suppenkanone hindurch. Essen und Trinken gibt es gegen Spende. Jeder gibt, was er kann. 50 Cent, 2 Euro, alles ist erlaubt. Ein Herr spendet 10 Euro. „Das hier finde ich gut“, meint er.

Wie Annika können die Kinder an vielen Ständen Geschenke für Mama, Papa oder die Großeltern basteln. Besonders gern basteln die Kinder dieses Jahr Zauberstäbe, Schatullen und kleine Wichtel. Den Kinderweihnachtsmarkt möglich machen Menschen wie Rainer Weihe. Der Unternehmensberater habe ein erfolgreiches Jahr hinter sich und wolle zur Weihnachtszeit etwas zurückgeben, erzählt er. Deshalb hilft der Firmenchef mit seinem Team statt einem „gemeinsamen Bowlingabend“ auf dem Kinderweihnachtsmarkt. Auch Veranstaltungstechniker Klaus Kohlweyer verzichtet mit seinen Angestellten auf die Weihnachtsfeier. Stattdessen hat er Geschenke für die Kinder organisiert. Eine große Herausforderung. „Mit 50 Paketen brauchst du gar nicht anzufangen“ sagt er. Kohlweyer ist laut Sparr eine der treibenden Kräfte hinter den Kulissen.

Tatsächlich ist die Nachfrage nach Geschenken für bedürftige Kinder gestiegen. Christiane Sparr vermutet, man übertreffe dieses Jahr wahrscheinlich den Rekord von 623 Kinderwünschen vom vergangenen Jahr. Das macht die Leiterin der Offenbacher Tafel traurig. Auch wenn die Nachfrage immer weiter steige, habe der Kinderweihnachtsmarkt dieses Jahr beinahe nicht stattfinden können, berichtet sie. Zwei große Spender seien abgesprungen. Dennoch habe man schließlich 750 Geschenke zusammenbekommen; auch dank der ehrenamtlichen Helfer wie Kohlweyer und Weihe.

Die hübsch verpackten Legosteine, Gesellschaftsspiele und Barbiepuppen wurden bis zur großen Bescherung am Sonntag im nahen Stadtteilbüro des Mathildenviertels gelagert. Zuvor wurden die Geschenke nach Altersgruppen sortiert, verschenkt wird per Losverfahren.

Als es soweit ist, strahlen die vielen Kinderaugen, während die Glücklichen ihre Geschenke auspacken und sich mancher Wunsch erfüllt. Ein kleiner Junge schließt begeistert einen Teddybär in seine Arme. Und was wünscht sich Organisatorin Sparr für ihren Markt? „Eine Eisbahn, damit die Kinder mal Schlittschuhlaufen können“, sagt sie nach kurzem Überlegen und lacht. Die Zahl der Menschen, die sich bei der Offenbacher Tafel mit Essen versorgen, ist in den vergangenen vier Jahren stark gestiegen. Aktuell werden mehr als 600 Haushalte mit gespendeten Lebensmitteln versorgt.

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