Tannenbaumverkauf der Offenbach-Post

Immergrüne Tradition ist der Renner

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Der Weihnachtsbaum-Verkauf unserer Zeitung feiert ein kleines Jubiläum: Seit zehn Jahren schafft Franz Kern frisch geschlagene Bäume für unsere Leser nach Offenbach. Die danken’s stets mit starker Nachfrage.

Offenbach -  Ein Wiedersehen ist eigentlich programmiert beim schon traditionellen Weihnachtsbaum-Verkauf unserer Zeitung - egal, an welchem Standort. „Mensch, jedes Jahr dieselben Gesichter. . . “, wird hessisch herb, aber freundschaftlich gegrüßt. Von Martin Kuhn

Aber nicht zu viel babbeln. Schließlich ist das am Samstagmorgen eine ernst Angelegenheit. Das weihnachtliche Grün für die heimischen vier Wände will gut ausgewählt sein. Franz Korn ist mit seiner Familie frühzeitig aufgebrochen. „Um 7 Uhr ging’s los“, sagt er. Da war er doch sicher ab 5 Uhr im Wald, um frisch gefälltes Grün im Spessart zu schlagen? Da muss er doch mal grinsen: „Das geht nicht. Aber am Freitag und Donnerstag haben wir die letzten aus dem Wald geholt. In der Summe sind es 370 Bäume, die Korn mit seinem Team abgeladen hat auf dem Betriebsgelände von „Auto Emotion“: Nobilistannen. Nordmanntannen, Blautannen und Rotfichten.

Puh. Da fällt die Wahl sichtlich schwer. Aus dem Stadtteil haben sich Angelika und Bruno Persichilli auf den Weg gemacht. „Zum ersten Mal“ sind sie bei unserem Baum-Verkauf, ökologische Gesichtspunkte geben den Ausschlag. „Der Baum sollte ungespritzt und aus der Region sein“, listet die Rumpenheimerin auf, was ihnen wichtig ist. Durch den Bericht in ihrer Heimatzeitung sind sie aufmerksam geworden – und am Samstag fündig. So soll es sein!

Das Ehepaar ist schnell durch. Andere brauchen da etwas länger. Einer hält den Baum, der Partner, respektive der Familienrat beäugt das gewählte Objekt der Begierde kritisch. „Das ist die falsche Sorte“, heißt es da schon mal. Moment mal: Baum ist doch Baum, oder? „Nein, der ist nicht grün genug. Der muss dunkler sein.“ Aha. Der nächste bitte. „Falsche Sorte. Der piekst dich doch zu sehr.“ „Männer...“, heißt es da nur lakonisch. Tja, irgendwie ist es bei jeder Familie das gleiche. Da dürfte es der junge Offenbacher, der den passenden Baumschmuck für die gemeinsame Wohnung mit der Freundin sucht, doch sicher entspannter haben. „Sie ist da schon sehr wählerisch“, gibt er zu - und geht wieder auf die Pirsch nach einem noch schöneren Baum. Na ja, wenigstens hat er eine Vorgabe erfüllt: Das Gewächs hat eher Bonsai-Format...

Auch bei unseren treuen Lesern (Abonnenten erhalten fünf Euro Rabatt!) ist schnell ein Trend zu erkennen: Die meisten kaufen eine Nordmanntanne – wie gut 75 Prozent aller Deutschen, übrigens. Ihre Vorteile: Sie hält sich lange, die Nadeln stechen nicht. Nachteil: Sie schmälert den Geldbeutel am meisten . Die Blaufichte dagegen ist mittelgut haltbar. Ihre starken Äste eignen sich besonders für schweren Weihnachtsschmuck. Ein weiteres Plus: Die Nadeln duften herrlich – stechen nur leider. „Das ist egal; das erinnert mich aber an meine Kindheit“, erklärt eine Käuferin ihre Wahl, die nicht alle nachvollziehen können. Und dann hat der Gatte auch noch die Handschuhe vergessen. „Da muss er durch!“

Bilder: Tannenbaum-Verkauf der Offenbach-Post

Kurz nach 10 Uhr hat sich bereits eine kleine Schlange gebildet am Trichter. Zuvor muss das gewählte Exemplar an die Messlatte. „Ein Meter siebzig, wie die schöne Dame mit der Mütze...“ Da muss auch Gisela Steigerwald-Korn grinsen. Sie ist im wahrsten Sinn „Frau für alles“: Beraten, Messen, Einnetzen, Kassieren. Sie ist zudem für den einen oder anderen Schnappschuss zu haben.

Und nach dem Kauf geht’s erst einmal zur Stärkung. Gefragt sind Bauernbratwurst in knackigen Brötchen oder herzhafte Hausmacher Wurst aufs Brot. Der Chef des gegenüber liegenden Getränkemarkts hat ebenfalls noch einen langen Tag vor sich – er nimmt beides. Alternativ genießen bei feucht-kaltern Witterung einige lieber ein Heißgetränk nach Wahl. Auswahl gibt es genügend, etwa einen heißen Apfelwein mit Geschmacksintensivierung. Auch lecker.

So, jetzt aber das Teil ordentlich verstaut. Schlau: Der 17-jährige Führerschein-Neuling übt sich nicht allein im begleiteten Fahren, sondern auch im begleiteten Tragen. Und uns alten Offenbachern ist für Kurt Vetter, ehemals Werbeleiter der Sparkasse, kein Weg zu weit. Den Baum geschnappt, zum Auto getragen, Rückbank umgelegt, rein damit. „Das vergesse ich Ihnen nicht“, sagt der gut 80-jährige. „Und wenn’s mit dem Schmücken nicht so richtig klappt, ruf’ ich Sie an“, ulkt er hinterher...

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