Advent in Bieber

Trotz schlechten Wetters Waldweihnacht wieder ein Erlebnis

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Stimmungsvoll erhellten Fackeln den Weg von der Lokomotive zur Obermühle. Ihren Abschluss fand die Waldweihnacht an der Gaststätte Siebeneichen.

Bieber - Zur Waldweihnacht hatten Wanderabteilung der DJK Blau-Weiß, Familienkreis der katholischen Pfarrgemeinde St. Nikolaus sowie nicht zuletzt die Interessengemeinschaft Bieberer Fastnacht (IGBiF) zum siebten Mal eingeladen. Von Stefan Mangold 

Ihr Smartphone zeige an, dass es nicht regne, wundert sich Claudia Enders. Denn die digitale Erkenntnis divergiert mit der Realität. Und Nobert Faller fürchtet, an der Waldweihnacht nähmen unter den Umständen nicht allzu viele teil. Da soll sich der Mann irren. Zudem schwenkt das Wetter nach ein paar Minuten auf die Vorgabe ein. Die drei Veranstalter sind personell schwer zu trennen: Nicht nur Faller, Wanderwart bei der DJK, engagiert sich auch bei den anderen beiden. Der gläubige Katholik erzählt von einem Besuch vor ein paar Jahren in Hindelang im Oberallgäu. Dort spielt der zuletzt im Ort getaufte Säugling die erste Rolle seines Lebens – als Jesuskind, das die Einheimischen bei einer Fackelprozession zu einer Krippe tragen.

Auch am späten Sonntagnachmittag sind viele Kinder dabei, als sich der Fackelzug an der Kleingartenanlage Erlensteg bei der Lokomotive in Gang setzt, um nach einer Viertelstunde auf freiem Feld in der Nähe vom Gasthaus Obermühle zu stoppen. Dort steht ein mobiler Stall, den Faller und ein paar Helfer jedes Jahr auf- und abbauen. In Hindelang liegt das Kind am Ende in der Krippe. In Bieber bleibt die indes leer: „Schließlich haben wir noch nicht Weihnachten...“ Aber einen nicht enden wollenden Fackelzug, wie es in der Finsternis scheint. Fallers Furcht, es nähmen nur ein paar Dutzend Bieberer teil, stellt sich als unbegründet heraus. Peter Noll schätzt: „400 dürften es sein, 500 wäre gelogen.“

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Falls ja, dann aber knapp. Die 120 Fackeln zum Preis von drei Euro pro Stück sind jedenfalls ganz schnell ausverkauft. Vom Überschuss bezahlen die Veranstalter das Bläserquartett vom Bieberer Musikverein Eintracht, das Klassiker wie „Stille Nacht“ und „Ihr Kinderlein kommet“ intoniert. Faller erzählt, eigentlich habe er in seiner Ansprache auf die Flüchtlinge eingehen wollen. Er habe indes darauf verzichtet, „weil es in der öffentlichen Diskussion zwischen Gutmensch und Rassist keine Zwischentöne gibt“. Faller streift das Thema jedoch am Rand: „Mit Waffengewalt und Terror versuchten Fanatisierte ihre Glaubensbotschaft zu verbreiten. Millionen von Menschen sind deshalb auf der Flucht.“

Cornelia Reichenbach ärgert sich, dass ein Vertreter der AfD die Menschenansammlung nutzt, um Flugblätter zu verteilen. Sie liest einen Text vor, der von einem schlampigen Zeitgenossen handelt, der Besuch von Gott erwartet und deshalb fleißig feudelt. Ihm hilft ein freundlicher Mann, der sich am Ende als Gott vorstellt. Vom Gottvertrauen trägt Christiane Gebhard vor, von den Hirten, die frei von Skepsis reagieren. Als der Engel ihnen von Jesu Geburt erzählt, machen sie sich spontan auf den Weg. „Und keiner rief: He, Moment mal, zuerst die Beweise!“

Zu diesem Thema passt auch die Frage, die das Gedicht von Barbara Cratzius aufwirft, gelesen von Dirkje Noll, das eine gewisse Enttäuschung ausdrückt: „Wo gibt es heute noch Weise, die auf der Reise sind, die keine Mühsal scheuen auf ihrem Weg zum Kind?“ Die Antwort ließ sich hinterher auf der Terrasse des DJK-Vereinsheims Siebeneichen beim Glühwein trefflich diskutieren.

Waldweihnacht in Bieber

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