Weihnachtsessen der Teestube

Schlemmen im Stadion

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Rind, Hähnchen, Rotbarsch und feine Beilagen – die Teestube versorgte am Bieberer Berg rund 110 Gäste beim traditionellen Weihnachtsessen. Gespendet hatten das Buffet wie in den vergangenen Jahren die Schwesterrestaurants Morleos sowie Tafelspitz und Söhne am Wilhelmsplatz.

Offenbach - Speisen mit bester Sicht auf das Spielfeld im Stadion am Bieberer Berg: Das konnten Wohnungslose bei der Weihnachtsfeier der Teestube an Heiligabend. Traditionell kam nicht nur leckeres Essen auf den Tisch, es wurde auch Andacht gefeiert und beschert. Von Julia Radgen

Es ist bereits feste Weihnachtstradition: Seit über 20 Jahren organisiert die Teestube des Diakonischen Werks Offenbach-Dreieich-Rodgau am 24. Dezember ein Essen für Bedürftige. In diesem Jahr wurde zum dritten Mal in der VIP-Lounge des Kickers-Stadions gespeist, durch deren Fenster man auf die roten Stadionsitze und den grünen Rasen blicken kann. 110 Personen nahmen das Angebot an und ab 10 Uhr an den festlich hergerichteten Tischen Platz. Eingeladen dazu sind alle, die sich ein Festessen zu Weihnachten nicht leisten oder zubereiten können – und nicht alleine sein wollen. Die Teestube an der Gerberstraße ist vor allem Anlaufstelle für Menschen ohne festen Wohnsitz, wo sie duschen, Kleidung waschen und sich verpflegen können. Zudem bietet sie Hilfe bei bürokratischen Problemen und Freizeitangebote.

Das alljährlich organisierte Weihnachtsessen ist ein Höhepunkt. In den Räumen der Teestube, wo die Veranstaltung bis 2012 stattfand, lagen vorab Anmeldelisten aus. „Zum Weihnachtsessen kommen viele bekannte Gesichter“, sagt Teestuben-Leiter Robert Brendel. Aber auch bei ehemaligen Nutzern und anderen Gäste sei das Essen in geselliger Runde beliebt. Um die Stadion-Lounge in einen festlichen Speisesaal zu verwandeln, haben Teestuben-Mitarbeiter und andere Helfer viel vorbereitet. Die Diakonie veranstaltet das Weihnachtsessen gemeinsam mit der Stadtwerke-Offenbach-Holding (SOH), der Stadiongesellschaft Bieberer Berg (SBB), dem städtischen Lions-Club und den Restaurants von Giuseppe Morleo.

Jeder Partner unterstützt die Aktion auf seine Art. So stellen SBB und SOH kostenlos die VIP-Lounge zur Verfügung. „Das Stadion verleiht dem Essen einen ganz besonderen Rahmen“, schwärmt Brendel. Viele Besucher sind Kickers-Fans – und schon deshalb ist der Ausrichtungsort für sie ganz besonders. Das Essen spendieren seit Jahren die Restaurants von Giuseppe Morleo. Im Morleos sowie im Tafelspitz und Söhne am Wilhelmsplatz wurde es für den guten Zweck gekocht und dann zum Bieberer Berg gebracht. Die Gäste der Teestube konnten so Rindfleisch, Hähnchenschkeule und Rotbarschfilet mit Klößen, Rotkohl, Reis und Salat genießen. Die Essenausgabe und das Aufräumen übernehmen Mitglieder des Lions-Clubs. Sogar eine Andacht wird bei der Feier gehalten. Der kurze Gottesdienst von Pfarrerin Ulrike Schweiger von der Diakoniekirche verleiht der Traditionveranstaltung festlichen Charakter.

Fotoaktion: Weihnachtsbilder unserer Leser

Fester Programmpunkt beim verfrühten Heiligabend der Teestube ist das Verteilen der Geschenke. Die Päckchen steuert schon seit fünfzehn Jahren die Kirchengemeinde Götzenhain zum Offenbacher Fest bei. Rund 150 von Bürgern gespendete Geschenke kamen dabei zusammen. „Damit jeder Gast auch sicher etwas bekommt“, sagt Hannelore Finkel. Die Dreieicherin, die sich im Ausschuss für Diakonie und Soziales der Gemeinde engagiert, organisiert seit jeher die Geschenkesammlung für die Weihnachtfeier der Teestube. „Wir bekommen viel Freude und Dankbarkeit zurück“, freut sich Finkel. Die Spendenbereitschaft ist nach wie vor groß. „Da stand bei mir zeitweise die ganze Diele voll mit Geschenken.“

Den liebevoll verpackten, mit Schleifen und Tannenzweigen verzierten Päckchen und Tüten entnehmen die Teestuben-Gäste Handschuhe, Mützen, Schals und Kleidung. Auch Duschgel, Plätzchen oder Dosenwurst wurden ausgepackt. „Alles, womit man jemandem eine Freude machen kann“, sagt Finkel. Die Geschenken sind geschlechterspezifisch markiert; was nicht gefällt, wird untereinander getauscht. Bis 14 Uhr dauert das Festessen, dann leert sich die Stadion-Lounge, es wird noch aufgeräumt. Danach feiern die meisten Helfer ein weiteres Mal Heiligabend – diesmal im eigenen Wohnzimmer.

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