Weihnachtskonzert des Musikvereins Nieder-Roden

Gewaltig, monumental und überragend

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Das Blechbläser-Sextett „Wonder Brass” sagte Jürgen K. Groh mit „Thank You for the Music” von Abba danke.

Nieder-Roden - Das Festkonzert des hundertjährigen Musikvereins Nieder-Roden im Bürgerhaus stand im Zeichen des Jubiläums. Und es geriet zur würdigen Verabschiedung des Konzertorchester-Dirigenten Jürgen K. Groh. Von Manfred Meyer 

Wenn alle Dirigenten, die aufhören, so verabschiedet werden wie Jürgen K. Groh am ersten Weihnachtsfeiertag im Bürgerhaus, dann wünscht man sich, dass häufig viel mehr Maestros gehen. Sie dürfen natürlich wiederkommen – in anderen Funktionen. Wie Groh, der auf seiner To-do-Liste für 2019 schon so viel stehen hat, dass ihm sein Publikum weit über Rodgau hinaus oft und auf vielfältige Weise wieder begegnen wird. Er geht der Musikszene also nicht verloren.

Unter der Leitung von Christian Ott bereitete der Nieder-Röder Nachwuchs mit vier Stücken plus Zugabe hörenswert den Boden für einen ganz großen Abend. Man muss als Rezensent mit Superlativen unbedingt überlegt und wohldosiert umgehen. Aber hier darf man sich jetzt mal beherzt bedienen.

Das Festkonzert 2018 wird nicht nur wegen der Verabschiedung eines der hier verdienstvollsten (Blas-)Musikszene-Protagonisten des zurückliegenden Vierteljahrhunderts in die Rodgauer Musikgeschichte eingehen, sondern auch und vor allem wegen seiner Interpretationsqualität. Wobei streng genommen die Trommler im zweiten Teil des phänomenalen Finales, Óscar Navarro González’ „Libertadores”, sowie die beiden Ständchen danach nicht dazu zählen. Das waren auch keine Zugaben, sondern tönende Abschiedsgeschenke. Allein die Besetzung besagter Drumline vor der Bühne darf man schon jetzt als historisch bezeichnen. Sie wird so wohl nicht mehr zusammenkommen.

Das Festkonzert 2018 des Musikvereins Nieder-Roden war ein Thomas-Doss-Festival. Es wurden vier Werke des Komponisten aus Österreich gespielt, jeweils zwei vom Konzertorchester und vom Jugendorchester. Bei „Storia Montana” kam beim Jugendorchester noch ein Geräuschemacher-Quintett (Foto) zum Einsatz.

Da stand – neben Henning Frey, Odette und Ricardo Rebmann – Grohs Sohn, Jan-Einar, der in Dresden Jazz-Schlagzeug studiert. Und neben Jens Joneleit, heute ein weithin bekannter Maler und Komponist, der zwischen Südhessen und Nordamerika pendelt, trommelte der frühere Vereinsvorsitzende Albert Gröger. Er brachte Joneleit einst die percussiven Grundlagen bei. Das famose Sextett war in „Libertadores”, Grohs letztem offiziellen Dirigat für den Musikverein Nieder-Roden, da im eindrucksvollen Einsatz, wo es um die Freiheitskämpfer Lateinamerikas geht. Groh: „Eine der besten Kompositionen für Bläsermusik, die ich je gehört habe.” Damit übertreibt der Rodgauer Kulturpreisträger nicht. Und ihre den Musikern alles abverlangende Umsetzung gelang am Montag auch genauso.

Ein gewaltiges, monumentales, überragendes Finale! Nicht schwächer davor die nicht minder hörenswerten Werke „Green Hills Fantasy” und „Terra Mystica” des Österreichers Thomas Doss, der vor wenigen Wochen mit den Nieder-Rödern im Bürgerhaus eine öffentliche Probe abgehalten hatte. Groh leitete die „Fantasy”, „Terra Mystica” seine Nachfolgerin Marleen Maria Martiny. Sie trat daneben im Konzert noch als Paukerin und Querflötistin in Erscheinung und entlockte dem Konzertorchester bei Doss einen sensationellen Schlussakkord. Und ausgerechnet der – despektierlich gesagt – „Lückenfüller” im hochwertigen Programm, Leroy Andersons „Sleigh Ride”, ebenfalls von Martiny geleitet, glückte derart optimal, dass man sich schwer täte, der so mitreißenden Darbietung den Spitzenplatz unter den Highlights des Abends abzusprechen.

Bilder: Adventsmarkt in Nieder-Roden

Nach González schließlich die nicht nur für den scheidenden Dirigenten Groh besonders emotionalen Momente. Stabübergabe an Marleen Martiny, Geschenke-Überreichung und Danksagung im Namen aller Vereinsmusiker durch den Saxofonisten Stefan Eyßen, Ernennung zum Ehrendirigenten durch Stefan Rebmann vom Vorstand. Und: Der berührender Abba-Song „Thank You for the Music” in einem Arrangement speziell für Jürgen K. Groh und ihm gewidmet. Dargebracht vom vereinseigenen Blechbläser-Sextett „Wonder Brass”.

Bevor der Vorhang endgültig fiel: „Time to Say Goodbye”, gesungen von Vokalistin Sabine Bussalb, die vor 25 Jahren bei Grohs Dirigenten-Anfängen als junge Saxofonistin dabei war. Stehende Ovation – die zweite an diesem denkwürdigen Abend.

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