Budenzauber am Brunnen

Weihnachtsmarkt in Langen weckt die Vorfreude auf das Fest

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Alle Jahre wieder: Der Vierröhrenbrunnen hat das Adventskleid angelegt, am Fuße der Stadtkirche wird’s besinnlich – nächste Woche noch mal.

An den ersten beiden Adventswochenenden ist die Altstadt wieder Zentrum der besinnlichen Zeit in Langen – zwischen 43 Ständen mit Glühwein, Feuerzangenbowle und weihnachtlichen Spezialitäten.

Langen - Aber nicht nur Kulinarisches gibt es auf dem Weihnachtsmarkt rund um Stadtkirche und Brunnen im Festgewand zu sehen. Glaskünstler Wolfgang Stroh aus Sprendlingen bietet seit 19 Jahren seine aufwendigen Tiffany-Lampen und -Fensterbilder an. „Etwa 15 Minuten brauche ich für eines der Glassegmente“, erzählt Stroh. „Früher habe ich das für Geburtstage gemacht, aber irgendwann wurde es nötig, einige zu verkaufen, um Platz für neue zu schaffen“, sagt er schmunzelnd.

Zu den vielen bekannten Ständen, die jedes Jahr wiederkommen, gesellen sich auch immer neue. Zum ersten Mal dabei ist dieses Jahr Reinhold Hechler aus Lichtenberg im Odenwald. Es bietet festliches Feingebäck an, möglichst aus nachhaltig angebauten und fair gehandelten Zutaten. „Wir gehen nur auf beschauliche, familiär geführte Weihnachtsmärkte, die kein großer Rummel sind. Deshalb gefällt es uns hier – und die Kulisse hat es uns gleich angetan.“

Auf der Organisationsebene steht jedoch demnächst ein Wechsel an. Nach 15 Jahren gibt der stellvertretende Vorsitzende des Verkehrs- und Verschönerungsvereins, Rainer Schüller, die Federführung bei der Planung ab. „Es wurde einfach mal Zeit für eine Verjüngung des Teams“, findet der 73-Jährige. Seinen Organisations-Job und den seiner Frau wird ab dem kommenden Jahr die Familie Muth übernehmen. Die Schüllers schauen auf eine erfolgreiche Zeit zurück. So kam ihnen etwa die Idee, zu der aufwendigen Dekoration des Vierröhrenbrunnens – „und zwar bei einem Urlaub in Meran, wo vergleichbare Kunstwerke aufgebaut werden“, verrät Schüller.

Weihnachtsmarkt in Langen: Ideen mit frischem Anstrich

Ob auch Familie Muth vorhat, dem Markt eigene Ideen und einen frischen Anstrich zu verleihen, werde sich zeigen. „Wir haben schon darüber nachgedacht, kleine Logen aufzubauen, in denen die Besucher auch mal für sich sein können“, verrät Sabine Muth. „Außerdem hat uns auf anderen Weihnachtsmärkten ein gemeinsames Singen von modernen Weihnachtsliedern besonders gefallen; das könnte man auch in Langen etablieren. Aber das sind bis jetzt nur grobe Gedankenspiele.“ Ihr Mann Christopher möchte auch nur vorsichtig von bewährten Konzepten abweichen. „Wir wollen erst mal versuchen, das Bestehende zu erhalten, das unter anderem dank der guten Vernetzung von Rainer Schüller so reibungslos funktioniert. Da treten wir in große Fußstapfen.“

Handgemachte Geschenke, viele davon mit der Langener Skyline verziert, haben Sabine Mayer, Ulrike Lohr und Lara Billion (von links) an ihrem Stand im Angebot.

Nicht alle möglichen Veränderungen sind innerhalb des VVV unumstritten. „Manche wollen Weihnachtsbäume aus Kunststoff aufstellen, weil es in Langen kaum mehr einfach zu fällende Tannenbäume in der richtigen Größe gibt. Aber da bin ich dagegen“, sagt Muth. Dieses Jahr hat sich für den prominenten Platz vor der Stadtkirche noch eine stolze Tanne aus Offenthal gefunden. Diese haben die Besitzer aus Angst vor einem ähnlich verheerenden Sturm wie Mitte August gestiftet.

Weihnachtsmarkt in Langen mit grünem Pfandsytem

Das grüne Gewissen der Verantwortlichen spiegelt sich im konsequenten Pfandsystem auf dem gesamten Gelände wider. Umweltschädliche Pappbecher wandern hier nicht über die Tresen. Es werde zwar immer schwerer, Kunsthandwerker zu finden, die ihre Stände auf dem Weihnachtsmarkt aufbauen wollen – „aus Bedenken wegen der Kaufwilligkeit der Besucher“, plaudert Schüller aus Ausstellers Nähkästchen. Den Fokus auf Kunsthandwerk wüssten die Besucher jedoch allemal zu schätzen.

Ein Stand, der Kerzenhalter aus Holz und Maulwurf-Gartenfiguren ausstellt, hat es Charlotte Sartorius besonders angetan. Sie ist aus dem Saarland angereist, um ihre Tochter zu besuchen, die die Liebe an den Sterzbach geführt hat. „Die Altstadt ist einfach malerisch. Wir sind bis jetzt einfach nur einmal um den Marktplatz geschlendert und von der gemütlichen Atmosphäre begeistert.“ Das Konzept überzeugt also nicht nur neue Standbetreiber wie Reinhold Hechler.

Ohne die passende musikalische Untermalung kein stimmungsvoller Weihnachtsmarkt. Für schöne Klänge verantwortlich sind am Samstagnachmittag unter anderem die Aktiven des Langener Orchestervereins.

Wer den Weihnachtsmarkt an diesem Wochenende verpasst hat – oder einfach noch mal will –, der hat am zweiten Adventswochenende ebenfalls die Gelegenheit, durch das Budendorf rund um Stadtkirche und Vierröhrenbrunnen zu flanieren. Geöffnet ist der Markt am Freitag, 6. Dezember, von 17 bis 21 Uhr, am Samstag, 7., von 15 bis 21 Uhr und letztmals am Sonntag, 8. Dezember, von 14 bis 20 Uhr.

VON PAUL DIELER

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