Weitere Impfstation im Dezember

Offenbach wird von Impfwilligen überrannt: Wut über 200-Meter-Schlange

Die Schlange vor der Impfstation war etwa 200 Meter lang
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Die Schlange vor der Impfstation war etwa 200 Meter lang

Viele Menschen in Offenbach sind wütend, weil sie stundenlang vor der Corona-Impfstation anstehen müssen. Manche müssen unverrichteter Dinge wieder gehen.

Offenbach – Obwohl die Stadt schon eine Ausweitung des Impfangebots in Offenbach angekündigt hat, reißt die Wut von Impfwilligen nicht ab. Immer mehr verärgerte Leser wenden sich an unsere Redaktion. Der Grund: Sie mussten stundenlang vor der Impfstation im Bernardbau anstehen. Viele wurden dann trotzdem ohne den erhofften Piks wieder nach Hause geschickt.

„Die Stadt gibt mit der Bekanntgabe von Öffnungszeiten für die Impfstation ein Versprechen, das mit der vorzeitigen Schließung gebrochen wird“, ärgert sich Leser Friedrich Dodt. Jeder Laden lasse Kunden bis zum Ladenschluss ein und bediene auch nach der Schließung noch alle, die sich bis dahin im Laden befänden, argumentiert er und fügt hinzu:. „Niemand darf sich über die Verärgerung eines Bürgers wundern, den er mit einem gebrochenen Versprechen veralbert hat.“

Neue Impfstation wohl im Rathaus in Offenbach

Es sind solche Argumente, die den Verwaltungsstab der Stadt offenbar dazu gebracht haben, quasi im Handumdrehen eine weitere Impfstation aus dem Hut zu zaubern. Wie berichtet, sickerten am Dienstagabend entsprechende Pläne aus der Stabssitzung durch. Jetzt ist klar: Die Impfstation wird aller Voraussicht nach im Rathaus unterkommen. Zwar würden noch weitere Räumlichkeiten überprüft, aber alles spreche zurzeit für das Rathaus, war aus der Verwaltung zu hören. Der Vorteil: „Die Räumlichkeiten stehen im Moment zur Verfügung, wir brauchen nichts anzumieten“, heißt es weiter.

„Impfen ist der Schlüssel für alles“, begründet Oberbürgermeister Felix Schwenke den schnellen Vorstoß seiner Mannschaft. Die Virologen hätten zwar davor gewarnt, die Impfzentren zu schließen. Dennoch sei die Weisung aus der Politik gekommen – um Steuergeld zu sparen. Heute, nur wenige Wochen später, sei man wieder in einer Situation, in der die Stadt von Impfwilligen überrannt werde.

Corona-Impfung in Offenbach: „Wir planen mit einer Öffnung am 6. Dezember“

Viel Zeit bleibt dem Corona-Stab jedenfalls nicht mehr, um die zusätzliche Impfstation aus dem Boden zu stampfen. Bürgermeisterin und Gesundheitsdezernentin Sabine Groß: „Wir planen mit einer Öffnung in der ersten Dezemberhälfte.“ Allerdings sei noch nicht klar, ob bis dahin überhaupt genug Personal zu finden sei, um den Betrieb zu gewährleisten. Die Öffnungszeiten stehen trotzdem schon fest. In der Station soll an sieben Tagen pro Woche jeweils von 7 bis 21 Uhr geimpft werden. Und zwar mit Terminvergabe. Im Bernardbau gibt es die Spritze dagegen weiterhin ohne Termin.

Zusätzlich zu dem Angebot habe auch die Kassenärztliche Vereinigung signalisiert, dass sie ihre Impfbusse der Stadt zur Verfügung stellen werde, kündigt Groß an.

Gute Nachrichten gibt es auch aus den Pflegeheimen. Die Betreiber haben laut Groß gemeldet, dass die Auffrischimpfungen für Bewohner durch die Hausärzte gewährleistet seien.

Corona-Testoffensive in Offenbacher Kitas, Impfungen an Schulen

Unterdessen soll auch die Testoffensive an den Kindertagesstätten wieder in Fahrt kommen. Nachdem die sogenannten Lollitests vor den Herbstferien wegen Ungenauigkeit und mangelnder Testbereitschaft der Eltern abgeschafft worden waren, startet die Stadt nun einen erneuten Vorstoß. Insgesamt 60 000 Lollitests seien bereits bestellt, berichtet Groß. Die Kosten dafür belaufen sich auf 120 000 Euro, die Hälfte davon übernimmt das Land. Der Unterschied zur bisherigen Strategie: Die Eltern sollen die Tests selbst zuhause vornehmen und die Ergebnisse mitteilen. Die Stadt verspricht sich davon eine größere Testbereitschaft.

Auch an den Schulen der Stadt soll derweil die Impfkampagne vorangetrieben werden. Laut Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß gibt es bereits Impftermine an weiterführenden Schulen. Und auch an Grundschulen soll es bald ein Impfangebot geben. „Da warten wir aber natürlich auf die Empfehlung der Ständigen Impfkommission“, stellt Weiß klar. Zudem wolle man dafür sorgen, dass bei den Kleinsten beim Impftermin auch die Eltern anwesend sind.

Corona in Offenbach: Dynamik der Welle nimmt ab

Die Coronasituation in Offenbach scheint sich etwas zu verbessern. Doch für ein Aufatmen ist es noch zu früh. „Die Pandemie ist noch nicht vorbei und die Welle ist auch noch nicht gebrochen“, stellt Oberbürgermeister (OB) Felix Schwenke klar. „Dennoch gibt es gute Nachrichten aus dem Gesundheitsamt. Dort haben es die Statistiker von Gesundheitsamtsleiter Dr. Bernhard Bornhofen zu Papier gebracht: Die Dynamik der Infektionswelle in Offenbach nimmt stetig ab. Und das schon seit längerer Zeit. „Während sich deutschlandweit die Infektionszahlen zurzeit alle 12 Tage verdoppeln, liegt in Offenbach diese Zahl etwa bei 25 Tagen“, sagt Schwenke.

Zudem deute der Trend auf eine weitere Verlängerung der Verdopplung hin. Das bedeutet, dass die Zahlen zwar weiterhin steigen, aber eben immer langsamer. Bei den Inzidenzen von Kindern und Jugendlichen weist die Kurve gar steil nach unten. Zumindest in der Gruppe der bis 6- bis 14-Jährigen. Dagegen steigt die Kurve bei den 15 bis 20-Jährigen und den unter 6-Jährigen etwas an. Mann müsse sich immer im Klaren sein, dass die Dynamik der Welle auch wieder kippen könne, mahnt Schwenke. „Für Gejubel ist es deshalb noch zu früh.“ Aber es seien gute Anzeichen. (Christian Reinartz)

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