Bäume von Hitze und Trockenheit geschwächt

2015 hat dem Stadtwald zugesetzt

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Symbolbild

Offenbach - Für die Natur in Offenbach war der Jahrhundertsommer eine Katastrophe. Viele Bäume sind gezeichnet von der langen Dürre. Das gesamte Ausmaß der Trockenheit wird sich aber erst noch zeigen, mahnt Christian Münch, Leiter des hiesigen Forstamts. Von Sarah Neder

An den Sommer zu denken fällt in grauer Dezembersuppe schwer, aber es gab einen. Einen erbarmungslosen. Lang andauernde Hitze, Trockenheit über Monate. Während sich unsereins ins Warme, Kühle, Feuchte flüchten konnte, verdampften sämtliche Wasserreserven der Pflanzen und Bäume. „Dieses Jahr war eine absolute Ausnahme“, sagt Christian Münch, Leiter des Forstamts in Langen. „Birken haben ihr Laub schon Mitte Juni abgeworfen.“ Das sei die Ultima Ratio eines Baumes, bevor er vertrockne. Zwar habe es 2015 nicht weniger Regen als in anderen Jahren gegeben, doch er war schlecht verteilt. „Im Frühjahr gab es sintflutartige Niederschläge“, erinnert sich Münch. Das Wetter sei ab März in völlige Trockenheit umgeschlagen, die bis September dauerte.

Geschwächte Bäume wie Birken und Buchen seien anfälliger für Pilz- oder Insektenbefall. Die Austrocknung verursacht eine Art Immunsystemschwäche. Manche Bäume erholten sich nie mehr von den sogenannten Absterbeerscheinungen, andere können sich bis zum Frühjahr regenerieren. „Die Auswirkungen werden wir erst in der nächsten Vegetationsperiode sehen“, spricht Münch aus Erfahrung. Bei der Präsentation des Waldwirtschaftsplanes 2016 im Umweltausschuss der Offenbacher Stadtverordnetenversammlung schildert er die Folgen der Dürre. Aufgrund der dramatischen Situation forderten die Grünen, mehr für die Erhaltung des Walds und gegen den Klimawandel zu unternehmen.

Der Stadtwald nimmt etwa 30 Prozent der Fläche Offenbachs ein. Wiederum 30 Prozent des Baumbestands sind Buchen, die stark unter Hitze und Trockenheit leiden, weiß der Forstamtschef Münch. Der grüne Stadtverordnete Edmund Flößer-Zilz erinnert daran, dass das ein Verlust nicht nur für den Nutzwert des Rohstoffs Holz, sondern auch für Klimaschutzfunktionen wie die allgemeine Kühlung wichtig ist, die der Stadtwald erbringt. Um ihn besser auf solche Temperaturextreme vorzubereiten, sollen in Zukunft hitzeresistentere Arten wie Kiefern und Eichen gepflanzt werden. Ein solcher Umbau verändert das gesamte Ökosystem Wald mit seiner Flora und Fauna. Auf das Forstamt kommen damit in den kommenden Jahren Aufgaben zu, die über die übliche Durchforstung hinausgehen.

Baumhausunterkünfte in Deutschland

Bewässern kann man den Wald nicht. „Wir können nur prophylaktisch auf das Phänomen Einfluss nehmen“, schildert Münch. Und hoffen, dass im nächsten Sommer mehr Regen fällt. „Schlimm wäre es, wenn wir 2016 noch so ein Dürrejahr hätten“, warnt der Amtsleiter. Denn so würden die ohnehin schon schwachen Pflanzen noch schwächer.

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