Vielfalt als Auftaktmotto

23. Interkulturelle Wochen in Offenbach eröffnet

Ungewöhnlicher Auftakt: Unter freiem Himmel im Hafen 2 wurden am Mittwoch die 23. Interkulturellen Wochen eröffnet.
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Ungewöhnlicher Auftakt: Unter freiem Himmel im Hafen 2 wurden am Mittwoch die 23. Interkulturellen Wochen eröffnet.

Begegnungen und Kontakte für gegenseitiges Verständnis und den Abbau von Vorurteilen: Die diesjährigen Interkulturellen Wochen in Offenbach sind angelaufen.

Offenbach – Zum bereits 23. Mal treten zahlreiche Organisationen und Initiativen mit einer vielfältigen Veranstaltungsreihe für bessere politische und rechtliche Rahmenbedingungen des Zusammenlebens von Deutschen und Zugewanderten ein. Am Mittwoch wurde die Reihe mit einem Empfang der Stadt eröffnet – unter freiem Himmel direkt am Ufer des Mains auf dem Veranstaltungsareal des Kulturzentrums Hafen 2.

„Zusammen leben, zusammen wachsen“, stellte Stadträtin Sabine Groß das diesjährige Motto der Interkulturellen Wochen in ihrer Begrüßung vor. Groß stellte fest, dass bei den Vorgesprächen die Prägung des zurückliegenden Jahres durch rassistische und rechtsextremistische Drohgebärden und Gewalttaten zu einer schnellen Übereinkunft des diesjährigen Themenschwerpunkts Rechtsextremismus geführt habe. „Rechtsextremismus sowie alles Formen des Extremismus sind und müssen eine Randerscheinung in unserem Zusammenleben bleiben“, so Groß, „die Tatsache, dass es diese Vorfälle gibt, darf uns nicht daran hindern zusammen zu leben, die Stadt gemeinsam zu gestalten, dabei miteinander über verschiedene Ideen zu streiten, aneinander zu wachsen und zusammen zu kommen. Angst darf uns vor allem nicht daran hindern, aufzustehen und laut und deutlich für eine tolerante und weltoffene Stadt einzustehen.“ Die Interkulturellen Wochen seien ein Anlass, die Vielfalt in Offenbach abzubilden - schließlich lebten in keiner anderen Stadt in Deutschland so viele Nationen zusammen:

„Auch in dieser Hinsicht ist Offenbach eine Stadt, die dem ganzen Land als Vorbild dienen kann, um Vielfalt in einer liberalen Demokratie nicht nur als unvermeidlich, sondern als selbstverständlich zu begreifen.“

Nach Sabine Groß betrat Gastredner Reiner Becker die Bühne: Der Extremismusforscher leitet seit 2015 das vom Land Hessen eingerichtete und geförderte Demokratiezentrum in Marburg. Becker referierte über „bedrohte Räume und demokratisches Handeln in polarisierten Zeiten“: Spätestens seit 2015 sei nicht nur ein Wachstum der Extremränder zu beobachten, „auch die sogenannte Mitte radikalisiert sich“, rechtspopulistisches Gedankengut offenbare sich als eine „verlockende Therapie in der Mitte der Gesellschaft“. Für diese Belastungsprobe der Demokratie gäbe es vielerlei Gründe: Rassismus sei ein wesentlicher Bestandteil, aber auch der Vertrauensverlust in die Politik. Die „neue Rechte“ sei an sich nicht „neu“, gewinne aber seit einigen Jahren eine neue Wahrnehmung: „Die Gedanken von damals sind heute Programm“, sagte Becker und führte als Beispiel Vorurteile an, die sich heute in Verrohung, Hassrede und Fake-News immer stärker manifestierten. Für die Bewältigung setzt Becker auf Dialog, einen „Austausch mit wechselseitiger Anerkennung“. Das sei eine „knallharte politische Aufgabe“ - bisher stünde die Sprachlosigkeit in der Echokammer dem Dialog zu sehr entgegen.

Einen künstlerischen Rahmen erhielt die Auftaktveranstaltung der Interkulturellen Worten durch die Auftritte des Duos „Session NC“, bei der Nana Ampadu seine stimmgewaltige Partnerin Chaymaa Rafoud auf dem Keyboard begleitete. Der Offenbacher Poetry Slammer Samuel Kramer erntete mit seiner extra für den Anlass verfassten „poetischen Diashow“ „Exotherm“ und dem Text „Farben“ ebenfalls viel Zuspruch.

Analog wie digital steht bei den Interkulturellen Wochen bis zum 29. September so einiges auf dem Plan: Bereits am heutigen Freitag wird es einen ökumenischen Gottesdienst in St. Josef geben, am Samstag stellt sich die Initiative der Reihe mit einer Aktion auf dem Aliceplatz vor, es gibt eine Märchenlesung im Hof der Seniorenwohnanlage AWO sowie ein Fest zum Weltkindertag am 19. September im Büsingpark. Neben diesen und anderen Vorträgen, Ausstellungen, Konzerten und Workshops gibt es auch ein Online-Angebot, für das extra ein YouTube-Kanal eingerichtet wurde, der über die städtische Internetseite www.offenbach.de leicht gefunden werden kann. Hier werden unter anderem ein Begrüßungsvideo und Konzerte zu sehen sein.

Infos im Internet unter t1p.de/n8qr

Von Jan Schuba

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