2,59 Euro für drei Essen

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In den Vorbereitungen für ihre Solidaritätsaktion „1 Millionen Sterne – damit Kinder leben“ steckt die Caritas. Von links: Direktorin Monika Stauder-Winter, Frank Mach vom Caritashaus St. Josef, Christa Gehring von der Außenstelle Dreieich und Karl Mayer vom Caritaszentrum Rüsselsheim.

Offenbach - Bis zu seinem 14. Lebensjahr stehen dem Kind eines Hartz IV-Empfängers 211 Euro im Monat zu. Was umgerechnet auf den Tag bedeutet: 2,59 Euro müssen für drei Essen reichen, legt man für den Posten Nahrung 77,71 Euro zu Grunde. Von Stefan Mangold

Ein Betrag von 9,42 Euro bleibt dann monatlich, um mit dem Bus oder der S-Bahn zur Schule und wieder zurück zu kommen. Was nicht einfach oder auch gar nicht umzusetzen ist, wenn man sich bewusst macht, dass beispielsweise eine Monatskarte für Schüler mindestens 56,90 Euro kostet.

Von 2,59 Euro Essensgeld ließe sich zwar durchaus ein Gefühl der Sättigung erzielen, „für Nudeln mit Zucker als Sauce reicht‘s. Doch ausgewogene Ernährung ist dafür nicht zu bekommen“, stellt Monika Stauder-Winter fest. Die Direktorin des Caritasverbandes Offenbach hat es genau durchgerechnet und auch den aktuellen Sozialbericht verinnerlicht: Fast 35 Prozent der Offenbacher Kinder beziehen Sozialleistungen. Auch deshalb bietet die Caritas in Offenbach kostenloses Mittagessen an.

Und: Die hessischen Caritasverbände der Diözese Mainz planen für den 13. November eine Aktion mit dem Titel „1 Millionen Sterne – damit Kinder leben“. Ein Ziel der Aktion, der Kardinal Karl Lehman als Schirmherr vorsteht, sei „ein Signal für solidarisches Handeln“ zu setzen, erläutert Christa Gehring von der Außenstelle Dreieich.

Unterstützung nicht nur mit Essen

Natürlich geht es auch darum, durch den Verkauf von großformatigen Streichholzbriefen zur Sterne-Aktion Spenden zu sammeln. Drei Euro Spende sind Minimum. Der Erlös komme zum einen de den eigenen Initiativen gegen Armut in der Region zu Gute, zum anderen einem Projekt in Fortaleza, einer Millionenstadt in Brasilien. Tausende Kinder lebten dort vom Müllsammeln. Wichtig sei, ihnen einen Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung zu verschaffen.

In Offenbach unterstützt die Caritas hilfsbedürftige Menschen nicht nur mit Essen, sondern auch mit Kleidern und sonstigen für den Alltag notwendigen Dinge. So bat Frank Mach vom Haus St. Josef einmal um die Abgabe ausrangierter Schulranzen. „Hinterher verteilten wir dutzende an Bedürftige.“ Doch nicht jede betroffene Familie sei in der Lage, sich über entsprechende Hilfsangebote zu informieren.

Wahrnehmung ist gefragt. Am 13. November organisiert die Caritas deshalb einen Lichterzug von der St. Paulskirche über die Frankfurter Straße bis zum Stadthof am Rathaus. Dort soll ein Lichtermeer aus ebenfalls von den Streichholz-Spenden finanzierten Kerzen wogen. „Wir hoffen auf möglichst viele Teilnehmer“ erklärt Stauder-Winter. Am Rathaus spielt auf einer Bühne eine Band und sowohl betroffene Kinder als auch Offenbacher Politiker und Verwalter wie Oberbürgermeister Horst Schneider und die Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Birgit Simon wollen sich äußern.

Forderung: Kostenlose Nachhilfe für arme Kinder

Aktionen wie diese stehen nie für sich selbst,“ erklärt Karl Mayer vom Zentrum der Caritas in Rüsselsheim. Stets gehe es darum, „die Öffentlichkeit und die Politik für die Belange der Armen“ zu sensibilisieren.

Die Streichholzbriefchen zur Aktion „1 Millionen Sterne – damit Kinder leben“ gibt es in beiden Offenbacher Caritas-Domizilen (Platz der Deutschen Einheit 7 und Kaiserstraße 69). Geöffnet ist täglich ab 8.30 Uhr.

Seit Beginn der achtziger Jahre hätte sich das Dogma festgesetzt, das „der Markt alles regelt.“ Dieser Glaube sei zwar längst am Schwinden. Die weiter bestehenden Sozialhilfesätze aber könnten nur die verteidigen, „die nicht damit rechnen, jemals betroffen zu sein.“ Deshalb trete die Caritas dafür ein, nicht nur die Sätze für Kinder anzuheben und individuell anzupassen, sondern auch günstige Mahlzeiten in Schulen anzubieten. Außerdem müsse es für arme Kinder kostenlose Nachhilfe und kostenfreie Fahrten mit dem Nahverkehr zum Unterricht geben. „Es darf nicht sein, dass Bildungsstand und Zukunftschance fast ausschließlich von der Herkunft abhängen.“

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