Sana-Klinikum

„Fast das Herz stehen geblieben“: Frau soll 283 Euro für sieben Minuten im Halteverbot zahlen

283 Euro für sieben Minuten im Halteverbot am Sana-Klinikum, weil sie ihre frisch operierte Mutter abholen wollte: Monika Fritsche hält die Rechnung hoch.
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283 Euro für sieben Minuten im Halteverbot am Sana-Klinikum, weil sie ihre frisch operierte Mutter abholen wollte: Monika Fritsche hält die Rechnung hoch.

Monika Fritzsche will ihre Mutter vom Krankenhaus in Offenbach abholen. Neben ihrem Auto wartet bereits der Abschleppwagen.

Offenbach – Es brauchte nur sieben Minuten, um ihre frisch am Bein operierte 83-jährige Mutter vom Sana-Klinik-Eingang bis zum Auto zu stützen. Sieben Minuten, für die Monika Fritzsche nun 283 Euro zahlen soll. „Klar hab ich im Halteverbot gestanden“, sagt Monika Fritzsche. „Aber nur, weil ich zuvor 15 Minuten nach einem Parkplatz gesucht habe, den meine Mutter auch nur ansatzweise erreichen kann, ohne zusammenzuklappen.

Aber so was gibt es im Sana-Klinikum in Offenbach nicht ausreichend.“ Weil ihre 83-jährige Mutter, die frisch am Bein operiert worden ist, schon mit ihrem Koffer vor dem Haupteingang auf Abholung wartet, beschließt Fritzsche, ihr Auto in einer Haltebucht vor der Adipositas-Klinik abzustellen. „Da haben noch mehr Leute gehalten und im Auto gesessen“, berichtet sie.

Parken am Sana-Klinikum in Offenbach: „Da ist mir fast das Herz stehen geblieben“

Der Haupteingang ist von diesem Punkt ungefähr 250 Meter entfernt. Fritzsche eilt zu ihrer wartenden Mutter, stützt sie auf dem Rückweg. „Sie hätte das auf keinen Fall ohne meine Hilfe geschafft“, sagt Fritzsche. Nach nur wenigen Minuten ist sie wieder in Sichtweite ihres Autos. „Da ist mir fast das Herz stehen geblieben“, erinnert sie sich. Ein Abschlepper hat neben ihrem Wagen Halt gemacht und will damit beginnen, ihr Auto aufzuladen.

„Ich habe gerufen und gebeten zu stoppen“, berichtet die Erzieherin. Der Fahrer des Abschleppwagens bricht das Manöver daraufhin ab und nimmt die Daten von Fritzsche auf. Die Rechnung bekommt sie dann wenig später per Post: Darauf eine Forderung von 283 Euro. Monika Fritzsche kann das nicht fassen. „Ich war definitiv nicht mehr als sieben Minuten vom Auto weg“, versichert sie. Wie der Abschleppwagen so schnell vor Ort sein konnte, kann sie sich beim besten Willen nicht erklären.

Sana-Klinikum in Offenbach schleppt rigoros ab

Das Sana-Klinikum hingegen schon. Laut Geschäftsführer Sascha John hat das Klinikum die Friedrichsdorfer Firma ABC Abschleppservice beauftragt, Fahrzeuge abzuschleppen, die auf dem Klinikgelände widerrechtlich abgestellt sind. Die Kosten würden, sofern das Parken rechtswidrig gewesen sei, den Fahrzeughaltern in Rechnung gestellt. Ziel sei es, sagt der Klinik-Chef, den Zu- und Ausgang sowie die ungehinderte Zu- und Ausfahrt für Rettungs- und Feuerwehrfahrzeuge zum Klinikgelände sicherzustellen und die Fluchtwege für einen Katastrophenfall freizuhalten.

Darüber hinaus müssten jederzeit auch alle Bereiche zugänglich bleiben, die für die Aufrechterhaltung der Krankenhauslogistik unentbehrlich seien, wie etwa Mülltonnenstandplätze. John: „In all diesen Bereichen sind Behinderungen durch widerrechtlich parkende Fahrzeuge grundsätzlich nicht hinnehmbar.“

Sana-Klinikum in Offenbach: „Wenn sich der Sachverhalt bestätigt, stornieren wir die Rechnung“

Bei der Firma ABC Abschleppservice bestätigt Christian Roemer den Vorgang. Er ist Mitglied der Geschäftsleitung und Justiziar des Unternehmens, das auch mit zahlreichen Wohnungsgesellschaften und anderen Krankenhäusern zusammenarbeitet. „Wir haben einen Rahmenvertrag mit dem Sana-Klinikum, der vorsieht, dass wir sofort abschleppen dürfen, wenn im absoluten Halteverbot geparkt wird“, stellt er klar.

„Allerdings bin ich Mensch und habe Verständnis für solche Notsituationen.“ Immer wieder komme es vor, dass etwa ein werdender Vater sein Auto im Halteverbot parke, weil die Frau mit Wehen in die Klinik müsse. „Wenn die Betroffenen mir einen entsprechenden Nachweis erbringen können, dann stornieren oder erstatten wir die Rechnungen ganz oder anteilig“, sagt Roemer. Er habe mittlerweile einen ganzen Aktenordner voll mit Fällen, bei denen sein Unternehmen aufgrund der jeweiligen Situation eingelenkt habe. „Wir handeln da immer mit Augenmaß.“

Im aktuellen Fall sieht Christian Roemer die Situation ähnlich gelagert. Er will nun die Schilderung von Monika Fritzsche beim Sana-Klinikum überprüfen. „Wenn sich der Sachverhalt bestätigt, stornieren wir die Rechnung“, verspricht er. (Christian Reinartz)

Am Sana-Klinikum ist die Parkplatzsituation schwierig. Im Stadtgebiet Offenbach sollen aber die Anwohnerparkplätze ausgeweitet werden. Was Anwohner erfreut, wird jedoch für Pendler problematisch.

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