Offenbach hessenweit an der Spitze

6003 Kinder nehmen auf Antrag Leistungen für Bildung und Teilhabe wahr

Offenbach - Hessenweit an der Spitze. Das passiert der Stadt sehr selten. Falls doch, oft in wenig schmeichelhaften Kategorien. Daher ist Kämmerer Felix Schwenke hoch erfreut, einmal mit einer tatsächlich positiven Nachricht zu glänzen. Von Martin Kuhn 

Offenbach erreicht prozentual im Hessenland die meisten Kinder, denen Leistungen für Bildung und Teilhabe zustehen. 91 Prozent ist eine Top-Quote. Kritiker könnten nun ein „Kein Wunder“ draufpacken. Getreu dem Credo, dass in Offenbach besonders viele bedürftige Menschen leben. Das trifft es aber in diesem Fall nicht. Die Quote orientiert sich rein an den Kindern und Jugendlichen, die anspruchsberechtigt sind. Und da sticht Offenbach heraus. Das freut Schwenke, zumal der Sozialdemokrat ein beim Amtsantritt 2012 gestecktes Ziel erreicht sieht: „Wir wollten die Leistungen ans Kind bringen. Das ist gelungen.“

Die Freude ist nicht getrübt durch Buchungen zu Lasten Offenbacher Konten. Leistungen für Bildung und Teilhabe (BuT) übernimmt komplett der Bund – in der Summe annähernd zwei Millionen Euro. Kommunale Aufgaben sind Bekanntmachung und Verwaltung – und das möglichst unbürokratisch. Der Arbeitsförderer Matthias Schulze-Böing nutzt gern den Ausdruck „barrierefrei“, also möglichst kurz, möglichst verständlich. Das beinhaltet das intensive Erklären gerade für Menschen mit ausländischen Wurzeln, die sich mit Behördengängen und -sprache ohnehin schwer tun. Das heißt: Mitarbeiter des Jobcenters sprechen offensiv mit den Eltern, weisen auf die Angebote hin.

Die BuT-Leistungen gelten als wichtige Ergänzung für den Unterhalt von Familien und für die Eingliederung Arbeitsuchender in den Arbeitsmarkt. Sie wurden 2011 in das Sozialgesetzbuch II aufgenommen, um die Benachteiligung von Kindern und Jugendlichen aus einkommensschwachen Familien zu verringern. Wichtig: Es handelt sich um Sachleistungen, die vom Jobcenter direkt an Leistungserbringer wie Nachhilfelehrer, Musikschulen, Vereine oder Kindertagesstätten gezahlt werden, „um die Chancen für Bildung sowie soziale und kulturelle Teilhabe zu erhöhen“.

Die harten Fakten, die die Notwendigkeit belegen: In Offenbach fällt jedes dritte Kind unter die SGB-2-Regeln, die Ämter führen 6928 Leistungsberechtigte. Dabei ist Eigeninitiative gefragt: Die Leistungen werden auf Antrag gewährt – Ausnahme: Leistungen für den Schulbedarf. Diese werden zwei Mal im Jahr von Amts wegen an die hilfsbedürftigen Familien ausgezahlt. Das sind in der Summe 4 839 Schüler.

Weitere Zahlen: 2015 wurden für 6003 Kinder und Jugendliche auf Antrag Leistungen erbracht. Aufgeschlüsselt: 464 Schüler wurden durch eine Lernförderung unterstützt, 2958 erhielten Zuschüsse für das Mittagessen in Kindertagesstätten, Horten oder Ganztagsschulen, 1338 Jugendliche wurden bei der sozialen und kulturellen Teilhabe unterstützt. Dabei sind nicht unbedingt alle Hilfen erfasst. So stellen etwa zahlreiche Offenbacher Vereine junge Menschen beitragsfrei. Somit fallen sie aus der kommunalen Statistik raus. Ein wichtiger Posten in der Jahresbilanz ist auch die Förderung von Schulfahrten – in 1 965 Fällen.

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Stadtrat Schwenke ist vor allem die soziale Komponente wichtig: „Es darf nicht passieren, dass ein Kind oder ein Jugendlicher zum Außenseiter wird, weil seine Eltern die Fahrt nicht bezahlen können.“ Wichtig zu wissen sei in diesem Zusammenhang, dass diese Leistung nicht auf SGB II-Empfänger beschränkt ist, sondern auch Wohngeldberechtigte diese Leistungen bekommen können. „Ich halte das für richtig, werden damit doch Menschen unterstützt, die arbeiten gehen, aber nicht viel Geld verdienen – also echte Leistungsträger“, so Schwenke.

Die Abwicklung der Lernförderung, Klassenfahrten sowie der Teilhabeleistungen erfolgt durch die „Bildungskarte Offenbach“, einem internetgestützten, elektronischen Abrechnungs- und Informationssystem. Seit Einführung der Karte wurden bis Ende 2015 4606 Bildungskarten aktiviert – 1348 Karten mehr als am Ende des Vorjahres. Im Jahr 2015 waren monatlich zwischen 1525 und 1897 Karten aktiv.

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