Handwerkspräsident kritisiert in Offenbach Schwarz-Rot

Ruf nach Abbau des „Bürokratiewahnsinns“

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Offenbach - Mit der Politik der schwarz-roten Bundesregierung ist der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks aus Berlin, Hans Peter Wollseifer, hart ins Gericht gegangen und hat bessere Rahmenbedingungen angemahnt. Von Marc Kuhn 

Im vergangenen Jahr sei es zu viel um das Verteilen von sozialpolitischen Wohltaten und zu wenig um Standortpolitik gegangen, sagte Wollseifer gestern beim 18. Handwerkerfrühstück der Kreishandwerkerschaft Offenbach. Er forderte den „Abbau des Bürokratiewahnsinns“. Als Beispiel nannte Wollseifer die Dokumentationspflichten von Arbeitszeiten, die die Bundesregierung mit dem Mindestlohn von 8,50 Euro eingeführt hatte. „Ich setze darauf, dass endlich Korrekturen kommen“, erklärte der Handwerkspräsident.

Er klagte zudem über Belastungen für die Betriebe durch die Rente mit 63. Viele Mitarbeiter gehen den Unternehmen nach seinen Worten auf diese Weise verloren. Darüber hinaus ruiniere die Politik die Sozialsysteme. Auch die Pläne von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) für eine Reform der Erbschaftsssteuer sind den Handwerkern ein Dorn im Auge. Wollseifer verlangte Ausnahmen von der Besteuerung für kleine und mittelgroße Firmen. Diese sollten sich nicht am Unternehmenswert, sondern an der Zahl der Mitarbeiter orientieren.

Wollseifer berichtete weiter, mit Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) sei ein „Masterplan Handwerk“ angestoßen worden. Dabei gehe es unter anderem um die Sicherung der Fachkräfte und die Anerkennung der positiven Rolle des Handwerks. Zudem sollten die „Betriebe auf dem Weg in die Digitalisierung“ begleitet werden, erläuterte Wollseifer. „Schnelle Datennetze in Gewerbegebieten sind genauso wichtig wie Strom und Gas.“ Deshalb bestehe dringender Handlungsbedarf. Auch der Offenbacher Kreishandwerksmeister Wolfgang Kramwinkel sagte: „Die Bereitstellung einer flächendeckenden Breitbandversorgung drängt - sonst sind wettbewerbsintensive Betriebe vom Wachstum ausgeschlossen.“ Kramwinkel forderte: „Für die innovationsgetriebenen und wachstumsorientierten Handwerksbetriebe brauchen wir eine mittelstandsgerechte Digitalisierungsstrategie in Stadt und Kreis Offenbach.“

Wollseifer und Kramwinkel machten sich darüber hinaus für den Steuerbonus stark, mit dem Handwerker-leistungen abgesetzt werden können. Er sei unverzichtbar, erklärte der Handwerkspräsident. „Mit Sorge betrachten wir, dass offenbar die steuerliche Sanierungsförderung und der Steuerbonus für Handwerksleistungen gegeneinander ausgespielt werden sollen“, erklärte Kramwinkel unter Verweis auf den Koalitionsausschuss. „Wer die energetische Gebäudesanierung will, darf nicht mit dem Steuerbonus gegenfinanzieren.“ Nach Einschätzung von Wollseifer und Kramwinkel ist er ein Mittel zur Bekämpfung von Schwarzarbeit. Wollseifer und der Präsident der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, Bernd Ehinger, sprachen sich darüber hinaus für die duale Ausbildung und gegen den Trend zum Studium bei Schulabgängern aus. Beide sprachen von einem Irrweg. „Da müssen wir gegensteuern“, sagte Ehinger.

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