Allstar Band im Wiener Hof

Seit 13 Jahren ausverkauft

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Die WHAB mischt auf der Bühne aktuelle Radiolieblinge mit großen Klassikern.  

Offenbach - Sie lehnen an einem Tisch am Saalende. Bei einem Glas Bier warten Mike Pfeiffer und Fulvio Pianucci darauf, dass die Wiener Hof Allstar Band (WHAB) ihr 15. Jahresabschlusskonzert anstimmt. Von Katharina Hempel

„Wir waren schon öfter hier. Die Akustik ist gut, und leider findet man immer seltener Live-Locations“, erzählen die beiden Männer, die selbst Musiker sind. Am Abend vor Silvester steht für sie das Vergnügen im Vordergrund. „Wir sind nicht von der Musikpolizei, die jeden Fehler der Band notiert. Solche Leute sitzen meist in der ersten Reihe“, stellt der Offenbacher Mike Pfeiffer klar und grinst. Vor Reihe eins erwacht währenddessen langsam die Bühne zum Leben. „Die Nummer zwei bitte etwas lauter“, fordert Sängerin Christa über ihr Mikrofon. Gitarrist Robert Palm macht sich warm und zieht seine Kapuzenjacke aus. Für das WHAB-Gründungsmitglied machen die musikalische Vielfalt und die verschiedenen Stilrichtungen den Reiz des Jahresabschlusskonzerts aus. „Der Abend ist seit 13 Jahren ausverkauft. Die Semi-Profis sind mit uns gewachsen. Einer lernt vom anderen“, erläutert der Profimusiker, der unter der Woche sein Geld als Gitarrelehrer verdient.

„Wir haben einen 17-jährigen Pianisten in der Band, Jacob, und Schlagzeuger Christoph ist erst 18 – es ist toll, solche Entwicklungen mit fördern und beobachten zu können“, fügt Reinhard „Blacky“ Prekel hinzu, der als Saxofonist mit auf der Bühne steht. Bandkollegin und Sängerin Birgit nickt zustimmend: „Das kann ich so unterschreiben.“ Als Chef des Wiener Hofs und Veranstalter des Abends ist Prekel schon vor der ersten Zugabe zufrieden. 180 Eintrittskarten hat er drucken lassen, jede einzelne ist schon seit Wochen verkauft. 20 Musiker, vier Stunden Musik von Pop über Rock bis zu Soul und Jazz, bis die Saiten glühen, die Ventile qualmen, die Hälse kratzen.

„Wer aus Bieber kommt, für den gehört dieser Termin zum Pflichtprogramm“, findet Sängerin Birgit. „Früher war ich immer zum Zuhören da. Jetzt stehe ich vielleicht zum siebten Mal auf der Bühne. Ich singe unter anderem einen Song von Slash, der im Original von Chris Cornell stammt, einem meiner Idole“, erzählt sie. Doch zunächst sind andere Idole an der Reihe. Zum Beispiel Robert Palmer. Mit seinem größten Hit „Addicted To Love“ wärmt Sängerin Christa, weiteres Gründungsmitglied der Allstar Band, das Publikum auf. Wenig später verraten die typischen Klavierakkorde, dass Madness’ „Our House“ folgt. Die Zuhörer im vollen Saal wippen mit: mehr Hüfte, mehr Knie.

Dass die Kapelle nicht nur explosive Proben hinlegt, sondern auch auf der Bühne kracht – logisch: Sie mischt aktuelle Radiolieblinge von Amy Macdonald oder Corinne Bailey Ray zwischen große Klassiker wie „You Can’t Always Get What You Want“ von den Rolling Stones oder Led Zeppelins „The Ocean“. Den Blues bringt Harold Costa am vorletzten Abend des Jahres auf die Bühne. Der Sänger sorgt etwa mit Keb’ Mo’s „More Than One Way Home“ für Tiefgang. Bei Birgits Gassenhauer „So Lonely“ von Police grölen schließlich alle mit, springen von ihren Stühlen. Es gibt in Bieber wohl keine schönere Gelegenheit, den letzten Tag des alten Jahres zu begrüßen. Das finden auch Mike Pfeiffer und Fulvio Pianucci, die zuschauenden und mitwippenden Musiker aus der letzten Reihe.

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