Den Abgang beleuchten

+
Alte Glühbirnen erwünscht: Ulrike Bellmann, Lutz Jahnke und Julia Diehl (von links) sammeln für ein Denkmal in Form eines Alpengletschers. Den bringen die Leuchtkörper zum Schmelzen, weil nur ein Fünftel der Energie in Licht umgewandelt wird, der Rest verpufft als Wärme.

Offenbach ‐ Mit einem 75 bis 100 Meter langen Gebilde in Form eines Alpengletschers soll auf dem Aliceplatz ein Denkmal für die Glühbirne entstehen. Die Idee für diese Würdigung stammt im Wesentlichen von Lutz Jahnke und Julia Diehl. Von Simone Weil

Die beiden Absolventen der Offenbacher Hochschule für Gestaltung haben inzwischen einen Unterstützer-Kreis gefunden, der sich aus Studenten, Freunden und Sympathisanten zusammensetzt.

Aus etwa 15.000 durchgebrannten Glühbirnen wollen sie ein etwa 1,80 Meter hohes und drei Meter breites Objekt bauen, das vom 1. bis zum 20. April auf dem Platz im Herzen der Stadt zu sehen ist. Gleichzeitig ist das Kunstwerk, das von unten mit Energiesparlampen beleuchtet wird, in die Luminale eingebunden, die vom 11. bis zum 16. April Lichtkultur unterschiedlichster Art präsentiert.

Dass Glühlampenverbot sorgt stückchenweise dafür, dass die Erfindung von Thomas Alva Edison aus dem Jahre 1880 aus unserem Leben verschwindet. In diesem Jahr werden Lampen von 75 bis 100 Watt vom Markt genommen und im Jahre darauf Lampen mit 60 Watt. Das Verbot der Glühbirne sei ein zwiespältiges Thema und ein entscheidender Einschnitt in unseren Alltag, schreiben die Denkmal-Initiatoren auf ihrer Homepage: „Deshalb hat nach unserer Meinung der Abgang der Glühbirne mit all seinen Hintergründen und Konsequenzen Aufmerksamkeit verdient.“ Die Ansammlung ausgedienter Glaskörper sei nicht als nostalgische Huldigung zu verstehen, sagt Lutz Jahnke.

Einfach und kommunikativ

Jeder, der möchte, kann seiner Birne die letzte Ehre erweisen, schließlich hat sie über Jahrzehnte das gesellschaftliche Leben beleuchtet. Unter dem Untertitel „Benutze Deine Birne“ wollen die Aktivisten möglichst viele Menschen dazu bewegen, sich mit den verschiedenen Fragen rund um das Verschwinden der Leuchtkörper sowie den Themen Natur und Nachhaltigkeit zu beschäftigen. Deswegen stellen sie auch provokante Fragen: „Wird unsere Gesellschaft im kalten Licht der Energiesparbirnen verrohen?“

Man kann nur mit lustigen Ideen Leute ansprechen“, ist Designer Lutz Jahnke überzeugt. Einfach und kommunikativ müssten Initiativen sein, um gesellschaftliche Veränderungen anzustoßen. So können Interessenten via Homepage mit den Initiatoren der Aktion diskutieren oder am Birnenquiz teilnehmen. Parallel entsteht ein virtuelles Denkmal im Internet, wenn Teilnehmer der Aktion ihren Glaskolben fotografieren, mit einer Signatur versehen, das Foto abschicken und einen Text dazu schreiben. Darüber hinaus soll es unterhaltsame Aktionen auf dem Aliceplatz geben. Während der Luminale wird ein großer Ballon in Form einer Glühbirne über dem Platz schweben.

Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite zum Birnendenkmal.

Doch zunächst einmal bitten die Denkmal-Macher um ausgediente Glasobjekte in allen Formen und Größen, die unter anderem gesammelt werden am Rudolf-Koch-Gymnasium an der Schlossstraße sowie an der Humboldtschule an der Humboldstraße. Gesucht werden außerdem Geldgeber und Unterstützer, die sich eventuell auch praktisch einbringen wollen.

Kommentare