Abgefahrener Gummimüll

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Offenbach -  Ein Umweltfrevler hat seine abgefahrenen Altreifen an einem Waldweg nahe der Dietzenbacher Straße bei Offenbach entsorgt.

Ordentlich gestapelt präsentieren sich die 18 Altreifen verschiedenster Konfektion in vier aufgesetzten Häufchen - allerdings an gänzlich falscher Stelle: Ein Umweltfrevler entsorgte sich seiner abgefahrenen Schlappen in der Dietzenbacher Straße an einem Waldweg kurz vor der Brücke über die A 3. „Ein Unding“, sagt Christian Loose vom Stadtdienstleister ESO, „schließlich nimmt unser Wertstoffhof in der Daimlerstraße Altreifen kostenlos an.“ Allerdings nur satzweise, also vier Stück pro Person.

Im Jahr werden rund 5200 Altreifen von privat beim ESO abgegeben. Hinzu kommen 1300 Altreifen, die von uneinsichtigen Umweltsündern im Stadtgebiet wild entsorgt wurden.

Für die Beseitigung dieses abgefahrenen Gummimülls muss die Stadt 7500 Euro aufwenden, wobei die 1300 einzusammelnden Karkassen freilich teurer zu Buche schlagen, rechnet man den Stundenlohn der städtischen Bediensteten mit ein, die sie vom wilden Müllplatz zum Wertstoffhof bringen.

Rund 600 000 Tonnen Altreifen, die bei einem seriösen Betrieb entsorgt werden müssen, fallen laut Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV) jährlich in Deutschland an. Für den Autofahrer sind dies in der Regel die Reifenhändler, die Kfz-Werkstatt oder in Offenbach der ESO.

Doch wer nimmt diesen Unternehmen die gesammelten Altreifenberge ab und führt sie einer legalen Verwertung zu? Vor 17 Jahren rief der BRV die Initiative „Zertifizierte Altreifenentsorgung“ ins Leben, der mittlerweile viele Betriebe angehören. Sie alle müssen sich Prüfungen unterziehen, die Pneus wirklich umweltfreundlich zu entsorgen.

Rund die Hälfte des jährlichen Altreifenaufkommens in Deutschland wird nach Angaben der Gesellschaft für Altgummi-Verwertungssysteme (GAVS) einer energetischen Verwertung zugeführt, größtenteils als Brennstoff in der Zementherstellung. In eine solche Zementfabrik bei Kahl gelangen auch die 6500 Altreifen, die beim ESO alljährlich anfallen.

Etwa 130 000 Tonnen werden bundesweit zu Granulaten oder Gummimehl verarbeitet, 50 000 Tonnen Altreifen werden für die Runderneuerung genutzt. Etwa 20 000 Tonnen erfahren laut GAVS eine Wiederverwendung im Inland zu diversen Zwecken (Landwirte nutzen sie zur Abdeckung ihrer Mieten), rund 40 000 Tonnen Altreifen werden ins Ausland exportiert und in osteuropäischen oder afrikanischen Ländern schließlich wieder an Autos montiert.

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