Gesund genießen statt Crash-Diät

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Wer abnehmen möchte, findet im Frühling ideale Bedingungen.

Offenbach - Hoch „Harry“ sei Dank: Viele Offenbacher Frauen haben in den vergangenen Tagen das Sommerkleid aus den hinteren Ecken des Kleiderschranks befreit. Von Benedikt Müller

Aber nicht jeder traut sich damit schon aus dem Haus – obwohl der blaue Himmel und stabile 20 Grad auch in den kommenden Tagen dazu einladen.

Wer an seiner Bikinifigur noch etwas arbeiten möchte, greift gern auf Diät-Tipps zurück. „Doch oft sind die in kurzer Zeit verlorenen Pfunde schnell wieder auf den Hüften“, berichtet Raymond Möbs, Chef der DAK Krankenkasse Offenbach, „dann folgt die nächste Diät.“ Wer langfristig schlank bleiben möchte, sollte seine Lebens- und Essgewohnheiten umstellen, raten Gesundheitsexperten.

„Das Frühjahr ist die ideale Jahreszeit dafür“, findet Dr. Dieter Klein. Der Oberarzt des Offenbacher Klinikums berät seine Patienten seit Jahren in Ernährungsfragen. „Kein Mensch muss Diät halten, sondern sich ausgewogen ernähren“, lautet Kleins Credo. Der Diabetologe wirbt für eine mediterrane Mischkost mit viel Obst und Gemüse. Gerade im Frühjahr gebe es viel frischen Salat und Rohkost wie Tomaten, Paprika und Gurken zu relativ günstigen Preisen. „Wenn das schön angerichtet wird, kann man Rohkost auch abends vor dem Fernseher als Snack essen.“ Aufpassen sollte man nur mit dem Öl, mit dem man den Salat anmacht. Zwar seien Oliven- und Rapsöl für den Körper gesünder als billige Pendants. Der Energiegehalt ist allerdings gleich, betont der Oberarzt: „Öl bleibt Öl. Und Öl ist Fett.“

Einseitige Ernährung ist schlecht

Während ein Gramm Kohlenhydrate oder Eiweiß jeweils vier Kilokalorien enthalten, hat ein Gramm Fett einen Brennwert von neun Kilokalorien. „Trotzdem braucht der Körper alles“, erläutert Klein, „einseitige Ernährung ist schlecht.“ Während Eiweiße essenzielle Aminosäuren enthalten, die der Körper nicht selbst herstellen kann, helfen Fette dem Köper unter anderem bei der Vitaminaufnahme.

Kern jeder Diät sei, auf die Energiebilanz des Körpers zu achten: Wie viel Kalorien führe ich dem Körper durch Essen und Trinken zu? Wie viel Energie verbrauche ich aufgrund meiner körperlichen Arbeit und durch den Grundumsatz des Körpers? Dieser variiert je nach Geschlecht und Alter. „Der Körper verbraucht im Lauf des Alters immer weniger Energie für den täglichen Betrieb“, erklärt Klein. Deshalb reiche es nicht, wenn ein älterer Mensch einfach genauso viel esse wie früher.

Der Diabetologe und die DAK Offenbach stehen Crash-Diäten skeptisch gegenüber. Zum Beispiel greife der Körper bei „FdH“ (Friss die Hälfte) zwar zwischendurch auf Fettreserven zurück, man nehme ab. „Doch wird wieder normal gegessen, werden die leeren Fettzellen schnell wieder gefüllt“, gibt die DAK bekannt. Schließlich bereite sich der Körper auf die nächste Hungerperiode vor – der sprichwörtliche Jojo-Effekt tritt ein.

Gesamtmenge ist entscheidend

Auch das Trennkost-Modell ist unter Experten umstritten, berichtet Klein. Dabei isst man eiweißreiches Fleisch und sättigende Beilagen zu anderen Zeiten. „Biochemisch ist bestimmt was dran“, meint der Diabetologe, „aber letztlich kommt es auf die Menge an.“ Mit dem gleichen Argument rät die Krankenkasse von Diäten ab, die die Aufteilung der Mahlzeiten in den Vordergrund rücken. Ob fünf kleine oder drei große Mahlzeiten am Tag besser sind, hänge von der Gesamtmenge ab. „Wir schummeln gern bei der Größe der Portionen“, wissen die DAK-Experten.

„Bei den meisten Mahlzeiten kann man mehr als die Hälfte der Kalorien sparen“, ist Klein überzeugt (siehe Hintergrund). Und wer bei der Energiezufuhr wenig zu opfern bereit ist, dem bleibt noch, den Energieverbrauch zu erhöhen: Schließlich lädt der Frühling zum Sport ein.

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