Abriss auf Ex-MAN-Roland-Gelände

Bagger ebnen Areal für Wohnquartier

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So schnell wird’s nicht funktionieren. In der Christian-Pleß-Straße verbildlichen Wohnhäuser, die sich in einer Scheibe spiegeln, den Weg vom einstigen produzierenden Gewerbe zum Wohnquartier. Derweil zerbröseln Bagger nacheinander die Werkhallen. Ehemalige Verbindungstüren führen auf dem Areal des Druckmaschinenherstellers ins Nirgendwo.

Offenbach - Firmen räumen lärmend und rasch das Quartier ab, wo seit 1899 – aus diesem Jahr datieren laut Denkmaltopografie die ältesten Gebäudeteile – aus Faber & Schleicher der Druckmaschinenhersteller MAN Roland gewachsen ist. Von Martin Kuhn

Der Abriss von Werk I steht stellvertretend für den Strukturwandel nicht nur in Offenbach: Wohnen und Dienstleistungen anstelle von produzierendem Gewerbe. Zudem bleibt festzuhalten: Auf die detaillierte Umsetzung hat die Kommune wenig Einfluss.

Das zeigt sich nach einer sogenannten Planungswerkstatt, bei der es um die Gestaltung der vorgesehenen Grünanlage gehen sollte. „Kein einfacher Termin“, resümiert Sigrid Pietzsch. Die Referatskoordinatorin Stadtgrün und -gestaltung sagt, dass viele mit anderen Perspektiven in die Versammlung kamen: „Da gab es viele Emotionen und andere Erwartungen; es ging letztlich um die Zukunft des gesamten Quartiers und nicht allein um den Park.“  Dabei  will und kann die Stadtverwaltung nur über das reden und bestimmen, auf das sie Einfluss nehmen kann. Dies sind 7000 Quadratmeter der gut 3,2 Hektar großen Industriebrache. Das Grün ist als künftiger Treffpunkt für die Nachbarschaft vorgesehen.

Sorgenkind in den Augen der CDU

Ein Sorgenkind in den Augen der CDU und wohl auch einiger Anlieger ist die festgezurrte Wohnbebauung parallel zur Waldstraße. Bekanntlich investiert auf dem Areal die Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft ABG gut 37 Millionen Euro und errichtet etwa 170 Wohnungen – 50 werden mit öffentlichen Landesmitteln errichtet. Es entstehen Ein- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen, die zwischen 40 und 120 Quadratmeter groß sind.

Nun fürchten lokale Christdemokraten, „dass einkommensschwache Bürger aus Frankfurt nach Offenbach übersiedeln werden und damit den Offenbacher Sozialetat zusätzlich belasten“. Oder weniger verklausuliert: Frankfurt schiebt seine schlimmsten Sozialfälle in die östliche Nachbarkommune ab. „Ich will vom Magistrat wissen, welche Vorkehrungen er gegen das weitere Abschieben Frankfurter Probleme nach Offenbach getroffen hat“, formulierte es der stellvertretende CDU-Fraktionschef Roland Walter unlängst.

Befürchtungen „völlig unangebracht“

Derlei Befürchtungen und wohl auch Formulierungen bezeichnet Frank Junker als „völlig unangebracht“. Der Geschäftsführer betont, dass die ABG auf Dauer Eigentümer der Wohnungen im Senefelderquartier bleibt und daher auf einen pfleglichen Umgang mit ihren Immobilien Wert legt: „Dafür stehen wir!“ Der Wohnungs- und Immobilienkonzern der Stadt Frankfurt sorge stets für „sozialverträgliches Klientel und ein harmonisches Zusammenleben“. Daher konzentriert die ABG die Sozialwohnungen nicht in ein Haus, sondern verteilt sich über den gesamten Gebäudekomplex. Junker: „Damit fahren wir in Frankfurt ausgezeichnet.“ Städteübergreifendes Ziel ist es, Wohnraum im niedrigen und mittleren Preissegment anzubieten.

Aber viel lieber stellt der Geschäftsführer das Novum des Projekts heraus: 50 öffentlich geförderte Wohnungen entstehen unter Zusammenarbeit der Städte Frankfurt und Offenbach. Die Belegung obliegt der ABG – in Absprache mit der Stadt Offenbach. Obwohl die Bagger im Akkord ehemalige Werkhallen einebnen, vergehen bis zum Baubeginn noch Monate. „Idealerweise starten wir Ende Mai, Anfang Juni“, hofft der Geschäftsführer. Bezugsfertig sollen die 170 Wohnungen Ende 2015 sein.

Belasteter Untergrund

Die Bagger ebnen den Weg für ein wenig „Stadtreparatur“, wie es OB Horst Schneider nennt.

Geschuldet ist der lange Zeitrahmen dem belasteten Untergrund. Die umfangreiche Beseitigung von Altlasten macht es zudem erforderlich, dass das ehemalige Verwaltungsgebäude an der Christian-Pleß-Straße doch fällt. Es steht beinahe komplett auf kontaminiertem Grund. Dort soll – so sieht es ein Grundsatzbeschluss der Stadtverordnetenversammlung vor – eine Kita errichtet werden. Erhalten bleibt auf dem Gelände, das MAN Roland 2004 verlassen hat, die Sheddachhalle, die in ihrer gesamten Dimension mittlerweile von der Gustav-Adolf-Straße aus zu sehen ist.

Hinter der denkmalgeschützten Fassade, die einige Anwohner als gänzlich unansehnlich und marode erachten, sind künftig vorgesehen: auf 2000 Quadratmeter ein Lebensmittelmarkt, auf 1000 Quadratmeter ergänzende kleinteilige Fachgeschäfte, auf 1500 Quadratmeter Gastronomie, nicht störendes Gewerbe, soziale Einrichtungen, Dienstleister. Wer dort letztlich zum Zuge kommt, ist Sache des Investors. Was nach Meinung einzelner Anwohner allerdings noch nicht zu allgemeiner Zufriedenheit geklärt ist: die Zu- und Abfahrt ins neue Senefelderquartier – gerade bezüglich der neuen Einkaufsmöglichkeiten.

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