Magistrat beschließt Zukunftskonzept für die Innenstadt

Das Abrutschen verhindern

So könnte eines der ersten Projekte aussehen: Der Polizeipavillon auf dem Stadthof soll künftig gastronomisch genutzt werden. Skizze: urbanista

Offenbach – Zwei Jahre wurde darüber in unzähligen Gesprächsrunden, Workshops und Bürgerbeteiligungs-Veranstaltungen gebrütet – jetzt hat die Stadtregierung das Zukunftskonzept Innenstadt auf den Weg gebracht, das die vom Niedergang bedrohte City retten soll. VON MATTHIAS DAHMER

Ähnlich dem Masterplan ist es als Richtschnur für die Innenstadtentwicklung in den nächsten zehn Jahren gedacht. Das Konzept, das noch von der Stadtverordnetenversammlung abgesegnet werden muss, enthält Schlüssel- und Impulsprojekte „zur langfristigen Stärkung und Belebung“ der City, wie es gestern bei der Vorstellung hieß. Angestoßen wurde es von der Stadt zusammen mit dem IHK-Verein „Offenbach offensiv“, mit der Ausarbeitung war seit Mai 2018 das Hamurger Planungsbüro „urbanista“ betraut.

Oberbürgermeister Felix Schwenke erläutert die Motivation zur Erstellung des Konzepts: „Die Offenbacher Innenstadt ist besser als ihr Ruf, aber auch deutlich entfernt von dem, was wünschenswert wäre. Deshalb müssen wir anpacken.“ Die Stadt sei weder Hausbesitzer, noch könne sie Online-Handel verbieten. Schwenke: „Wir packen an, um ein Abrutschen zu verhindern und einen ordentlichen Zustand zu sichern. Mehr kann keiner versprechen – aber zumindest das zu erreichen, ist unser festes Ziel.“

Baudezernent Paul-Gerhard Weiß betont: „Die Stadt selbst kann nur in begrenztem Maße auf die Innenstadt einwirken. Wenn wir Gewerbetreibende und gute Angebote unterstützen wollen, sind wir auf diejenigen angewiesen, die solche Angebote machen können sowie auf verantwortungsvolle und engagierte Hauseigentümer, die bereit sind, den dafür notwendigen Raum zu fairen Preisen bereitstellen.“

Zu den Projekten, die die Stadt im Zuge des Zukunftskonzepts Innenstadt selbst anstoßen möchte, gehört als Schlüsselprojekt die „Station Mitte“, die eine Neuausrichtung der Stadtbibliothek mit Wissenshaus, öffentlichem Wohnzimmer und Kulturzentrum vorsieht. Als weiteres Schlüsselprojekt ist das „Kaufhaus Kosmopolis“ genannt, das als öffentlich-privates Partnerschaftsmodell belebende Wirkung entfalten soll. Auch die Umnutzung und Umgestaltung des „Polizeipavillons“ auf dem Stadthof sowie ein neues Feste-Programm stehen im Fokus.

Umnutzung des Polizeipavillons

Mit dem Pilotprojekt 1 soll der Polizeipavillon nach dem Umzug des Polizeiladens ins Stadthaus gastronomisch genutzt werden. Dazu gehört auch die Nutzung und Begrünung des Flachdachs. Ob die Rathaus-Kantine im Pavillon ihr neues Domizil findet, ist laut OB Schwenke noch nicht entscheiden.

Neues Feste-Programm

Pilotprojekt 2 sieht ein neues Feste-Programm für den Bereich von Aliceplatz bis Stadthof vor: „Auch hierfür haben wir mit den Planungen begonnen“, berichtet der Oberbürgermeister. Er deutet an, dass bereits interessante Formate vorliegen.

,„Grünes Band“

Das Pilotprojekt 3 nennt sich „Temporäre Interventionen und Grünes Band“. Es sieht neben zusätzlichen Pflanzungen eine Aufwertung der Innenstadt durch relativ einfache Mittel vor – zum Beispiel durch besonderes Stadtraum-Mobiliar oder temporäres Grün. Ein Modellprojekt könnte die Dachbegrünung des Neubaus der Bushaltestelle Marktplatz sein. Umfassendere Aufwertungen des Stadtgrüns sind zudem für den Platz der Deutschen Einheit geplant.

Station Mitte

Als eines von zwei eher langfristigen, weil mit erheblichen Kosten verbundene Schlüsselprojekten wird die Stadt via 200 000 Euro teurer Machbarkeitsstudie die Umsetzung der „Station Mitte“ prüfen. Sie wird von „urbanista“ als neuer zentraler Treffpunkt für die Stadtgesellschaft beschrieben. Sie ist als öffentlicher Raum für Bildung und soziales Miteinander rund um Bücher, digitale Medien und Kultur vorgesehen. Weiterhin könnten Vereine oder Bildungsträger und Initiativen den Raum für unterschiedliche Aktivitäten und Angebote nutzen. Als Standort wird eine Immobilie im Kernbereich der City favorisiert. Man habe einige Objekte im Blick, entschieden sei aber noch nichts, sagt Schwenke. Dezernent Weiß ergänzt: „Die Verlagerung der Stadtbibliothek ist damit noch nicht beschlossen.“

Kaufhaus Kosmopolis

Geprüft werden soll auch das Projekt „Kaufhaus Kosmopolis“ als ebenfalls sozialer und kultureller Treffpunkt. Die Agentur „urbanista“ beschreibt diesen Ort als Schaufenster, Laden, Bühne und kulinarische Oase mit Produkten aus Offenbach und der Region.. Abgerundet wird das Konzept mit einem begleitenden Kulturprogramm, Kochkursen und Vorträgen. Eine Machbarkeitsstudie, die weniger als 200 000 Euro kosten wird, soll unter anderem klären, ob dieses Projekt in öffentlich-privater Partnerschaft möglich ist und welche Flächen und Nutzungen denkbar sind ohne eine Konkurrenz zum Einzelhandel und zum Wochenmarkt zu schaffen.

„Agentur Mitte“

Die Umsetzung der Projekte aus dem Zukunftskonzept soll eine „Agentur Mitte“ steuern, die bei der Wirtschaftsförderung angesiedelt ist. Dafür werde eine Vollzeitstelle geschaffen, so Schwenke. Aufgabe der Agentur ist es auch, private Akteure für weitere Basisprojekte des Konzeptes zu gewinnen.

Frank Achenbach, Geschäftsführer von „Offenbach offensiv“, betont: „Nicht erst seit der Pandemie stehen unsere Innenstädte vor einem großen Strukturwandel. Doch Corona wird sich als Transformations-Turbo erweisen. “ Zugleich ist er sich sicher: „Mit dem Zukunftskonzept für die Offenbacher Innenstadt haben wir Antworten auf viele Fragen, die sich stellen.“

Infos im Internet

Das gesamte Zukunftkonzept ist zu finden unter: https://ocl.offenbach.de/index.php/s/fK6QLfzj38QLYYr

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