Abschiebegefängnis als Studentenwohnheim

Traum vom Wohnen im Knast ist geplatzt

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Offenbach - Das Studentenwerk Frankfurt hat Pläne beerdigt, wonach das ehemalige Abschiebegefängnis an der Luisenstraße in ein Studentenwohnheim umgebaut werden sollte. Von Matthias Dahmer

Das Land Hessen will das denkmalgeschützte Gebäude auf der Rückseite des Amtsgerichts nun auf dem freien Markt anbieten.

Dem Studentenwerk, das 24 Einzelzimmer und eine Dachgeschosswohnung im ehemaligen Gefängnis geplant hatte, war das Projekt am Ende zu teuer. Die Umbaukosten hätten mit rund 1,3 Millionen Euro etwa 30 Prozent über dem selbst gesteckten Limit gelegen, begründet Eric Erdmann, Architekt und Leiter der Wohnheim-Abteilung beim Studentenwerk, den Rückzug. Noch im Februar hatte er sich bei Vorstellung des Vorhabens optimistisch gezeigt, den Umbau stemmen zu können. Die Wohnungen seien voraussichtlich im Oktober bezugsfertig, hieß es damals.

Umbau in Wohnungen für Studenten geplatzt

Was die Zukunft des zum Teil maroden Baus angeht, sieht das Hessische Immobilienmanagement, an den das Gebäude nach Rückabwicklung des Überlassungsvertrags zurückfällt, nicht unbedingt schwarz: „Das Abschiebegefängnis wird für eine Vermarktung auf dem freien Markt vorbereitet und anschließend dort angeboten. Dies wird einige Zeit in Anspruch nehmen“, erläutert Ate Plies, Sprecherin des Immobilienmanagements, die nächsten Schritte. Grundsätzlich sei es schwierig, alte Gefängnisse einer neuen Nutzung zuzuführen, räumt sie ein. Zumal sie häufig unter Denkmalschutz stünden und der Erwerber in seinen Nutzungsmöglichkeiten damit eingeschränkt sei. Das Beispiel der ehemaligen Justizvollzugsanstalt Kassel III, die ein privater Investor erworben und zu einem Hotel umgebaut hat, sowie das Interesse an der JVA Höchst, die in der Vermarktung ist, belegen für die Sprecherin aber, dass die Besonderheiten solcher Immobilien auch als Chance angesehen werden könnten, etwas nicht Alltägliches am Markt anzubieten.

Das Abschiebegefängnis das einzige seiner Art in Hessen, war Ende 2010 geschlossen worden. In ihm war Platz für bis zu 44 Häftlinge.

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