„Weil sie mir besser steht...“

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Die Kette, die der OB gestern trug, hätte sie sich gern selbst umgehängt: Birgit Simon hat Offenbach als Bürgermeisterin verlassen, um Beigeordnete des Regionalverbands zu werden.

Offenbach - Die Schlange der Abschiednehmenden war lang, der Rathaussaal 2 fast zu klein, alle zu fassen, die der seit 1. März ehemaligen Bürgermeisterin gestern noch einmal offiziell die Hand schütteln wollten. Von Thomas Kirstein

Birgit Simon, nunmehr Erste Beigeordnete des Regionalverbands Frankfurt RheinMain, genießt sichtlich Wertschätzung und den ihr bereiteten sprichwörtlichen Großen Bahnhof.

Im März vor neun Jahren ist die gebürtige Freiburgerin des Jahrgangs 1957 zur Sozial- und Umweltdezernentin in Offenbach gewählt worden. Sie kam aus dem Wetteraukreis, wo sie die Stabsstelle „Zentrale Steuerungsunterstützung“ des Kreisausschusses geleitet hatte. 2006 wählte sie die Stadtverordnetenversammlung zur Bürgermeisterin. Zur ersten in Offenbach, wie die Grüne gern stolz betont.

Sehr harmonische gemeinsame Anfangszeit

Der Oberbürgermeister erinnert sich an eine sehr harmonische gemeinsame Anfangszeit im Magistrat, an gemeinsam Erreichtes und mit- oder gegeneinander durchgestandene Konflikte. SPD-Mann Horst Schneider ist zur Feier des Tages mit der schweren goldenen Amtskette erschienen.

Sie wird ihm auch zum Symbol für Simons Oberbürgermeister-Kandidatur, was die Harmonie zwischen ihm und der Kollegin zeitweilig trübte: „Was ich bis heute nicht bis ins letzte verstanden habe, ist, warum du diese Kette unbedingt haben wolltest.“ Birgit Simon wartet mit dem Konter bis zu ihren abschließenden Dankensworten, dann sitzt er aber: „Weil sie mir besser steht als dir.“ Zuvor lässt sie sich gern vom OB zu einem Abendessen einladen. Das bereits ausgeguckte Restaurant heißt „Fleischeslust“.

„Immer nah am Menschen“

Grünen-Vorsitzender Wolfgang Malik fasst knapp zusammen, was Birgit Simons Offenbacher Arbeit („Immer nah am Menschen“) für die Partei bedeutete: „Du hast dafür gesorgt, dass wir Grünen nicht nur dafür bekannt sind, dass wir gern Frösche hätten, sondern auch gute Sozialpolitiker sind.“ Fraktionschef Peter Schneider, seit gestern Abend der designierte grüne Nachrücker in den Profi-Magistrat, bejubelt Simons „einzigartige Kommunikation“, ihre Offenheit, ihre „auf der Sachebene hervorragende Präzision“.

Simon selbst erinnert sich an einen Anfang in Offenbach, der sich schwieriger gestaltet habe als gedacht, und an die Rolle als einzige Frau im Magistrat, die’s mit lauter Männern nicht immer einfach gehabt habe: „Die Männer haben’s aber auch nicht leicht gehabt. Manchen fällt es schwer, eine mit Macht ausgestattete Frau neben sich zu haben.“ Dankesworte der ehemaligen Bürgermeisterin gelten allen Mitarbeitern, namentlich Sekretärin Ute Lauer, die ihr zum Regionalverband folgte, und ihrem persönlichen Referenten Matthias Trümner-Friese, der jetzt dem OB in gleicher Funktion dient. Und sie würdigt die Leistung ihres Lebensgefährten Karl-Michael Stöppler für die Stadt: Der sorgte durch stete Bereitschaft zum Zuhören offenbar dafür, dass Offenbach in ihr eine meist gut gelaunte Bürgermeisterin hatte.

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