Facebook-Flucht: „Freunde“ sauer auf Oberbürgermeister

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Im Internet fallen alle Hüllen. Wohl kein Medium ist schneller und direkter. Egal ob Firmen, Privatpersonen oder Politiker – wer in den Tiefen des Netzes unterwegs ist, kann ein großes Publikum erreichen. Doch wer sich dort unbeliebt macht, erhält vor allem eines: knallhartes Feedback der Nutzer. Jetzt hat’s auch den Oberbürgermeister erwischt.

Offenbach - „Ohne Worte“, „eine unschöne Entscheidung“, „sehr unglücklich“, „Transparenz fängt schon im Kleinen an“. Die Reaktion der Offenbacher Internetgemeinde hat nicht lange auf sich warten lassen. Von Fabian El Cheikh

Kaum hatte Oberbürgermeister Horst Schneider auf Facebook seine Entscheidung bekannt gegeben, war er bereits in Ungnade gefallen. Innerhalb von zwölf Stunden prasselten mehr als 30 Kommentare auf das Stadtoberhaupt nieder. Fast alle waren negativ.

Was war geschehen? Kurz vor Mitternacht des 10. Januars, gibt Schneider in dem sozialen Netzwerk an, dass er sein im OB-Wahlkampf gestartetes Profil, das mit Freude und Wohlwollen seiner internetaffinen Wähler begrüßt worden war, abschalten werde. Wann genau, lässt er offen. Er bittet um Verständnis, da „ich in meinem normalen Arbeitsalltag nicht in der Lage bin, die Erwartungen der Kommunikation in den sozialen Netzwerken zu erfüllen“. Ohnehin seien seine Facebook-Aktivitäten seit seiner Wiederwahl „komplett gegen null gegangen“. Schnell ist den Facebook-Nutzern, die sich mit Schneiders Profil verlinkt haben, klar: Nach seinem Wahlerfolg hat der OB seinen Bürgern, respektive seinen „Freunden“ auf Facebook anscheinend nichts mehr zu sagen.

„Immer ein offenes Ohr“ für die Offenbacher

Ein Eindruck, den Schneider, der als Arbeitsplatz „118 Tsd. Bürger und Bürgerinnen meiner Heimatstadt Offenbach“ angibt, gar nicht erst aufkommen lassen will. So betont er im gleichen Atemzug, weiterhin bürgernah zu sein und „immer ein offenes Ohr“ für die Offenbacher zu haben. Regelmäßig sei er als „OB vor Ort“ oder „on tour“ und bietet eine Mailadresse an, auf der ihn jeder anschreiben könne. „Ich freue mich auf Ihre Zuschriften!“

Vermutlich jedoch nicht über alle, zumindest nicht über manche enttäuschte und Wahlkampfhascherei witternde Zuschrift auf Facebook. Anil Mirchandani etwa schreibt: „So etwas Bescheuertes habe ich noch nie gehört! Ist die Arroganz und der Ruf der Politiker denn noch nicht schlecht genug?“ Atish Starcke kritisiert: „(...) Lächerlich ist da gar kein passender Ausdruck mehr! (...) Als Jungwähler schämt man sich, wählen gegangen zu sein. Facebook ist nicht zu unterschätzen, es beeinträchtigt in jedem Fall die Wählergunst. (...)“

„Wenn wieder Wahlen sind, ist man wieder da“

Birgit Scheuermann zeigt sich „(...) enttäuscht von Ihnen“, Bernd Apel wirft dem OB vor, „dass Sie genauso sind wie alle Politiker, und wenn wieder Wahlen sind, ist man wieder da.“ Sandra Fanfarona ist überzeugt: „(...) es verärgert den gemeinen Bürger wohl... und das zu Recht!“ Und Christine Kirchhoff fragt: „Wie lange müssen Sie auf dem Marktplatz stehen und Leute bekochen, damit Sie 1300 Leuten Ihre Ansichten vermitteln?“ In die selbe Kerbe schlägt Manfred Scheuermann: „Über Facebook erreichen Sie in kurzer Zeit mehr Leute als unterwegs in der Stadt on tour.“

Auch bei unserer Zeitung melden sich gestern telefonisch Leser. Frank Schwarzhaupt beispielsweise urteilt: „Der OB tritt die Imagepflege und Kommunikation der Stadt mit Füßen.“ Nicht alle gehen allerdings so hart mit dem Gescholtenen ins Gericht. Eine Facebook-Nutzerin mit dem Namen „Lena Ichbuchstabiere“ relativiert: „Er möchte doch nur aus Facebook raus und nicht aus Offenbach wegziehen!“ Und Alexander Lühn zeigt Verständnis: „Wahrscheinlich fehlt es einfach an Kapazität, die Flut an Informationen über Facebook zu bewältigen.“ Doch hierfür hat der Nutzer einen Vorschlag parat: „Seite online lassen und einen Facebook-Sprecher beauftragen.“ Man könne ja auch die Kommentarfunktion einschränken. „Aber da sein sollte der OB schon.“

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