1. Startseite
  2. Offenbach

Offenbacher Boxclub-Halle wird abgerissen - Gründer erinnern sich an Anfänge

Erstellt:

Von: Frank Sommer

Kommentare

Die Boxclub-Gründer Wolfgang Malik (links) und Bernd Hackfort in der Halle, die seit 14 Jahren Anlaufstelle für Jugendarbeit ist.
Die Boxclub-Gründer Wolfgang Malik (links) und Bernd Hackfort in der Halle in Offenbach, die seit 14 Jahren Anlaufstelle für Jugendarbeit ist. © Sommer

Die Boxclub-Halle in Offenbach wird abgerissen. Der Verein bekommt neue Räumlichkeiten. Die Gründer erinnern sich an die Anfänge.

Offenbach – Beim Boxclub im Offenbacher Nordend stehen Veränderungen an: In wenigen Wochen wird die Halle abgerissen, die seit 14 Jahren als Domizil des Vereins dient. Zeit für die beiden Gründer Wolfgang Malik und Bernd Hackfort, Erinnerungen an die Anfänge Revue passieren zu lassen und sich auf die neuen Räumlichkeiten zu freuen.

Der Hochring ist bereits abgebaut, auf den Trainingsmatten in der Hallenmitte gibt es nur noch ein Provisorium. An den Wänden stehen die Trainingsgeräte, an der Wand auf der Empore sind Fotos der 2019 verstorbenen Boxerin vom BC Nordend Offenbach, Karolina Delmaczynska, angebracht. „Sie ist im Alter von 18 Jahren gestorben“, sagt Wolfgang Malik. „Natürlich werden wir die Bilder auch in unserem neuen Domizil aufhängen.“

Boxclub-Halle in Offenbach wird abgerissen: Verein zieht in neue Räumlichkeiten um

Zusammen mit Bernd Hackfort hat Malik den Boxclub gegründet, zunächst als Projekt im Jugendzentrum Nordend, später wurde ein eigener Verein daraus. Doch nun steht eine große Veränderung an: Wenn Ende April eine provisorische Trainingshalle auf dem Gelände Hafenallee 59 – früher Hafen 19 – errichtet ist, rücken die Bagger an, denn die ehemalige Reparaturhalle, die dem Boxclub als Domizil dient, wird abgerissen.

„Seit 14 Jahren können wir hier trainieren“, sagt Hackfort, „das wird eine große Veränderung“. Der großzügige Raum mit der hohen Decke und den freiliegenden Heißluftrohren habe Charakter, sagt Malik, „wir haben hier so eine Art Rocky-Atmosphäre – die Halle ist schon eine Legende“. Der Abschied schmerze, viele Erinnerungen hingen an dem Ort. „Wir gehen mit einem weinenden und einem lachenden Auge“, sagt Hackfort, „denn wir können hier im Neubau ja wieder trainieren, und das wird richtig schön“. Der Boxclub kann ins Erdgeschoss des künftigen Bürogebäudes einziehen. „Das ist eine Riesenchance für uns“, sagt Hackfort.

Begonnen hatte alles recht bescheiden: Bei einem Straßenfest vor rund 20 Jahren kamen Malik und Hackfort ins Gespräch über Jugendarbeit und Boxen. Ob Sport eine Möglichkeit wäre, Jugendliche, die von normaler Sozialarbeit nicht angesprochen würden, zu erreichen. Am Ende kamen beide überein, ein Boxprojekt in Maliks Jugendzentrum zu starten. „Aber gleich mit einem lizenzierten Trainer, damit der Sport ernst genommen wird“, sagt Hackfort. „Anfangs gab es viel Skepsis, auch von der etablierten Sozialarbeit“, erinnert sich Hackfort. Etwa deshalb, weil das Boxprojekt zwecks Gewaltprävention mit der Polizei zusammenarbeitete. „Das wurde von einigen sehr kritisch gesehen“, sagt Malik, „aber ich habe auch meine Vorgesetzten vor vollendete Tatsachen gestellt und bekam immer Rückendeckung“.

Neubau für den Boxclub in Offenbach: Alte Halle wird abgerissen

Die Regeln, die 2002 zu Projektbeginn aufgestellt wurden, gelten noch immer: „Wer Noten schlechter als eine Drei hat, bekommt bei uns Nachhilfe“, sagt Hackfort. „Und wer sich draußen prügelt, fliegt raus – da wird nicht diskutiert.“ Auf Respekt und Disziplin setzt das Boxprojekt – mit Erfolg: Schon zu Beginn gelang es, auffällig gewordene junge Männer von der Straße zu holen. „Die wurden durchs Boxen angesprochen, wollten mitmachen und hatten sich dann unseren Regeln zu unterwerfen“, sagt Hackfort. Auf Augenhöhe sei man ihnen begegnet, was sicher den Erfolg ausgemacht habe.

„Wir sind keine Therapieeinrichtung“, sagt Malik, „aber wir zeigen Jugendlichen einen Weg auf, damit sie der Gesellschaft nicht auf den Sack gehen.“ Dafür brauche es authentische Personen, die verstünden, was die Jugendlichen bewegt.

Veränderungen bei der Boxclub-Halle in Offenbach: International unterwegs

Mit dem Erfolg wurde das Boxprojekt bekannt: Politiker sämtlicher Couleur besuchten zwischenzeitlich das Training, mit der Industriehalle am Hafen gab es einen festen Standort, der Boxclub wurde zum bundesweiten Aushängeschild für Offenbach. Auch sportlich ist der Boxclub bekannt geworden, inzwischen ganz besonders im Bereich des Mädchen- und Frauenboxens. „Wir sind inzwischen international unterwegs, demnächst bin ich mit zwei unserer Boxerinnen in Rumänien zu Gast“, sagt Hackfort.

Auch während der Bauarbeiten bleibt der Club aktiv, Hausaufgabenhilfe und Training gibt es weiter. „Allen Jugendlichen kann man sicher nicht helfen, aber wenn einige ihren Schulabschluss machen und dann eine Ausbildung, das ist ein Erfolg“, sagt Malik. Ohne die Unterstützung von Stadt und Stadtwerken sei das aber nicht denkbar: „Es ist schließlich keine Selbstverständlichkeit für eine Kommune, ein Boxprojekt zu fördern“, sagt Hackfort. (Frank Sommer)

Der Boxclub

Aus einem Projekt des Jugendzentrums in der Johannes-Morhart-Straße entwickelte sich der Boxclub Nordend Offenbach, der Mitglied im hessischen Amateurboxverband ist. Sozialarbeit und sportliches Training sind dort eng miteinander verwoben. Für seine Arbeit ist der Boxclub mit mehr als 20 Preisen ausgezeichnet worden, etwa mit den „Sternen des Sports“ oder dem Preis des Bündnisses für Demokratie und Toleranz. Sportlich verzeichnet der Verein ebenfalls Erfolge, gerade im Bereich Mädchen- und Frauenboxen gibt es dort mehrfache Deutsche Meisterinnen oder Vizemeisterinnen. Weitere Informationen zum Angebot des Vereins gibt es unter boxclub-offenbach.de.

Durch Corona wurde der Boxclub in Offenbach ordentlich ausgebremst. Die Pandemie hatte das Angebot und die Möglichkeiten des Vereins eingeschränkt.

Auch interessant

Kommentare