Abschleppdienste sauer auf Polizei

Offenbach - Verärgert erheben drei ADAC-Partner aus Hanau, Offenbach und Rodgau Vorwürfe gegen einzelne Polizisten: Sie sollen sich bei Abschleppaufträgen nicht an die Vorgaben des hessischen Innenministeriums gehalten und so unter anderem lange Staus provoziert haben. Von Fabian El Cheikh 

Christoph Renicke, Inhaber und Geschäftsführer des Abschleppdienstes Offenbach, ist richtig sauer. Für ihn steht seit geraumer Zeit fest: „Hier läuft etwas nicht richtig.“ In Verdacht haben er und seine Kollegen aus Rodgau und Hanau, Thomas Murmann und Jürgen Voigt, einzelne Beamte im Bezirk des Polizeipräsidiums Südosthessen, die sich über einen Erlass des hessischen Innenministeriums zum Abschleppen hinwegsetzen sollen.

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Dieser sieht vor, dass „ein nicht fahrbereites Fahrzeug unverzüglich aus dem öffentlichen Verkehrsraum entfernt“ werden muss. Damit das Pannen- oder verunglückte Kfz den Verkehr nicht gefährdet oder erheblich behindert, muss demnach ein Abschleppdienst beauftragt werden, der den polizeilichen Auftrag „schnellstmöglich“ ausführen kann. Der Preis spielt nur eine untergeordnete Rolle. Doch anstatt etwa den Offenbacher Abschleppdienst zu einem Unfallort bei Offenbach zu rufen, sollen diverse Beamte stets einen weit entfernten Abschlepp- und Bergungsdienst bevorzugen, der aus Sicht von Renicke und Co. schon aufgrund seiner Entfernung die Voraussetzungen für eine Auftragsvergabe nicht erfüllt. Das verursache nicht nur wirtschaftlichen Schaden für die drei Unternehmer, sondern habe auch Folgen für die Allgemeinheit: „Die Polizei hat in Kauf genommen, dass unnötig lange Staus auf Autobahnen entstanden.“

Keine Anhaltspunkte für Fehlverhalten

Zudem würden Fahrer – so ein weiterer Vorwurf – nach einer Panne oder einem Unfall von den betreffenden Polizisten gedrängt, ihr Fahrzeug entgegen eigener Wünsche oder einer Clubmitgliedschaft von dem bevorzugten Unternehmen abschleppen zu lassen. Offenbacher etwa hätten in Folge mehr als 30 Kilometer weit reisen müssen, um ihr Auto abzuholen.

Für Renicke, Murmann und Voigt ein Skandal, gegen den sie bereits vor einiger Zeit Beschwerde beim zuständigen Polizeipräsidium eingelegt haben. „Auf unsere Anfragen hin hat man jedoch stets darauf verwiesen, dass diese Firma günstiger als andere sei. Das aber dürfte laut Erlass kein Kriterium sein.“ Nun wollen sie erneut dagegen vorgehen und eine Fachaufsichtsbeschwerde beim zuständigen Innenministerium in Wiesbaden einreichen.

Auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt Polizeisprecher Rudi Neu, dass es bereits in der Vergangenheit „einzelne Beschwerden“ gegeben habe. „Alle Vorwürfe wurden überprüft mit dem Ergebnis, dass in allen Fällen gemäß dem Erlass vorgegangen wurde.“ Es gebe keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten.

Doch auch der Verband der Bergungs- und Abschleppunternehmen (VBA) registriert immer wieder Beanstandungen. In der jüngsten Mitgliederpublikation kritisiert der neutrale Verband die im Gegensatz zu anderen Bundesländern „mangelhafte Kontrolle der Behörden“ in Hessen. Hauptproblem sei die nicht klar und eindeutig formulierte Erlasslage, wodurch viele Betriebe wirtschaftliche Einbußen erlitten.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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