Abschreckung muss reichen

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Der Mathildenplatz ist verkehrsberuhigter Bereich, darf also in Schrittgeschwindigkeit befahren werden. Als Parkplatz ist das Karree aber keinesfalls zu missbrauchen – was viele vor allem nachts und an Wochenenden ignorieren.

Offenbach ‐ Es gibt Worte, die der Duden nicht kennt, Offenbachs Ordnungsamtschef Peter Weigand aber umso besser. Von Marcus Reinsch

Gäbe es beispielsweise das „Abpollern“ nicht, wären die Bürgersprechstunden, mit denen Weigand und Kollegen im Gefolge von Oberbürgermeister Horst Schneider durch Wohnquartiere touren, oft recht unbefriedigend für alle Beteiligten.Über das Abpollern – also das Aufstellen von Pfosten zwecks strikter Trennung von Verkehrsteilnehmern gegensätzlicher Interessenslagen – denken die Rathäusler ganz gern laut nach.

„Mathildenplatz zum Parkplatz verkommen“

Vor allem, wenn sich Fußgänger oder Menschen auf maximal zwei von welchen auf mindestens vier Rädern bedrängt fühlen. Wie am Mathildenplatz. „Seit März ist der zu einem Parkplatz verkommen“, klagte eine Anwohnerin beim jüngsten „OB vor Ort“-Gastspiel im Mariensaal.

Das Problem: Von der Bieberer und der Berliner Straße aus ist der Weg aufs Karree zwar seit langem mit Pfosten versperrt. Doch „hintenrum“, durch einen Schlenker der Krafftstraße, gibt es eine Zufahrt. Und diese Lücke in der Verteidigungslinie entdeckt der störrische Autofahrer auf der Suche nach einem Parkplatz für gewöhnlich schneller, als ein Stadtpolizist Knöllchen schreiben kann.

Also Prinzip Abschreckung?

Die Anwohnerin hat schon vor geraumer Zeit fotografisch festgehalten, was sich durchaus nicht nur in später Nacht und an Wochenenden ausgerechnet dort tue, wo sie und Nachbarn eigentlich immer gern auf Bänken unter den Bäumen gesessen haben, bevor alles zugestellt war. Die Beweisbilder von 13 Autos lieferte sie Bürgermeisterin Birgit Simon. Die bemühte den Ordnungsamtschef Weigand. Und der bekam Hilfe von der staatlichen Ordnungsmacht – weil die Stadtpolizei mangels Personal ausgerechnet dann in den Feierabend muss, wenn die als Hauptproblem ausgemachten Gäste einer Bar ihre Karossen am Mathildenplatz abstellen.

Die Beamten des 1. Polizeireviers am Mathildenplatz mussten nur ein paar mal kurz vor die Tür, um alle Parksünder in sogenannte Sammellisten einzutragen. Und die dürften mittlerweile für viele Strafbescheide gesorgt haben.

Also Prinzip Abschreckung? Der Betreiber der Bar, informierte Georg Grebner als Leiter des 1. Reviers nicht unzufrieden, habe sich schon beschwert, dass er so häufig Besuch von der Polizei bekomme. Mutmaßungen von Quartiersbewohnern allerdings, dass Kneipe und Klientel noch viel mehr beichten müssten als die Missachtung eines Parkverbots, seien eben noch keine Beweise. So oder so darf sich die Kundschaft der – vor wenigen Tagen angeblich wegen Renovierung geschlossenen Bar – auch künftig nicht zu sicher fühlen.

Stadtpolizei aufgestockt

Eher im Gegenteil. Denn die bisher spätestens um 22 Uhr zurückgepfiffene Stadtpolizei wird zum Jahreswechsel personell aufgestockt, wie Weigand und sein Stellvertreter Frank Weber betonen. Dann sind statt zwei Schichten drei möglich, und Schluss mit der Wachsamkeit ist erst um Mitternacht. Eine Verlängerung, die der Präsenz von Stadtpolizei und der von verdächtigem Volk zumindest eine zeitliche Schnittmenge verschafft.

Zum kompletten Abpollern des Mathildenplatzes wird es aber wohl auch dann nicht kommen, wenn kommunale oder staatliche Polizei nun regelmäßig den Abschleppdienst rufen. Denn auch die Krafftstraße abzuschneiden, hieße, einigen Anwohnern die Zufahrt zu ihren Höfen zu verwehren. Und das wäre dann ohne Zweifel wieder eine Beschwerde beim „OB vor Ort“ wert.

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