Abstriche auch finanzieller Natur

Offenbacher Ärzte zahlen Corona-Tests für Mitarbeiter teilweise aus eigener Tasche

Praxisinhaber Steffen Hellenthal lässt die Gesundheit seiner Mitarbeiter wöchentlich testen.
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Praxisinhaber Steffen Hellenthal lässt die Gesundheit seiner Mitarbeiter wöchentlich testen.

Viele Praxisinhaber in Offenbach müssen die Corona-Tests für ihre Mitarbeiter selbst zahlen. Das bedeutet finanzielle und medizinische Abstriche.

Offenbach – Ärzte und ihre Mitarbeiter sind dieser Tage Risiken ausgesetzt wie kaum eine andere Berufsgruppe. Kita-Beschäftigten und Lehrern gibt das Land Hessen noch bis 15. November die Möglichkeit, sich alle 14 Tage kostenlos auf Corona testen zu lassen. Für Menschen in medizinischen Berufen ist es etwas schwieriger. In Offenbach haben nun mehrere Praxen damit begonnen, ihr Personal eigenständig auf das Virus zu testen. Wie das abläuft und wo derzeit noch Herausforderungen liegen zeigt sich exemplarisch am Zahnforum Bürgel und an der Physiotherapie Hellenthal in Bieber.

Marika Bringewat, Assistentin beim Bürgeler Zahnarzt Moritz Breitenbach: „Wir haben diesen Monat damit angefangen, die Mitarbeiter zu testen. Wir werden den Rhythmus wahrscheinlich von zweiwöchentlich auf einwöchentlich erhöhen, da die Zahlen in Offenbach so explodieren.“ Getestet werden in der Praxis immer alle Team-Mitglieder gleichzeitig, die Abstriche kommen dann in einen gemeinsamen Test-Pool. „Und wenn am Ende herauskommen sollte, dass ein positiver Test dabei ist, werden alle noch mal untersucht um herauszufinden, wer es hat.“ Bislang sei das zum Glück nicht nötig gewesen, die rund 30 Mitarbeiter der Bürgeler Praxis seien derzeit alle gesund.

Finanzieren tun’s die Inhaber aktuell aus eigener Tasche, wie Bringewat erklärt. Eine Möglichkeit zu sparen, ist ihnen dabei bisher offenbar entgangen: Der Corona-Test-Verordnung zufolge, die das Bundesgesundheitsministerium am 14. Oktober veröffentlicht hat, können Arzt- und Zahnarztpraxen mit der Vorlage eines entsprechenden Testkonzepts beantragen, dass die Kassenärztliche Vereinigung (KV) sich an den Sachkosten selbstverantwortlich beschaffter PoC-Antigentests beteiligt. Bis zu sieben Euro können pro Test erstattet werden.

Corona-Test kostet die Praxis in Offenbach zwischen 60 und 65 Euro

„Diese Info habe ich bisher noch gar nicht bekommen“, reagiert Bringewat auf den Hinweis unserer Zeitung. „Wir sind zwar mit der Landeszahnärztekammer und der KV in Verbindung, aber wir wissen leider nicht immer, was die so machen.“

Genau könne sie es nicht beziffern, aber ein normaler Test koste die Praxis im Durchschnitt zwischen 60 und 65 Euro, führt sie aus. „Weil wir diese Pool-Tests machen, bekommen wir es etwas günstiger.“

Auch in der Physiotherapie-Praxis Hellenthal in Bieber wird die Gesundheit der zehn Mitarbeiter bald wöchentlich überprüft. „Ich habe recherchiert, wo man auch als Nicht-Arzt Schnelltests bekommen kann, und gleich welche bestellt“, sagt Inhaber Steffen Hellenthal. Wie ernst er den Schutz vor Corona in seiner Praxis nimmt, zeigen auch die Luftfilter und CO2-Messgeräte, mit denen die Therapieräume ausgestattet sind.

Der Corona-Abstrich ist kein Drama, aber trotzdem unangenehm

Tests zum Preis von sieben Euro seien derzeit aber nicht verfügbar, merkt er an. Also muss auch Hellenthal unweigerlich in die eigene Tasche greifen, wenn er ab kommender Woche mit regelmäßigen Abstrichen zur Sicherheit seiner Mitarbeiter und Patienten beitragen will. Da er kein Arzt ist, darf er die nötigen Nasen-Rachen-Abstriche überdies nicht selbst vornehmen. Sehr wohl aber jemand anderes aus seiner Familie: „Meine Tochter studiert Medizin im achten Semester.“ Von einem Hausarzt habe sie eine Einweisung erhalten, die es ihr nun ermögliche, das Praxis-Team in Bieber ganz offiziell auf Covid-19 zu testen.

Als erste Versuchsperson hat ihr Vater persönlich hergehalten. „Da habe ich am eigenen Leib gemerkt: Das ist eher so semi-angenehm, wenn so ein Abstrich über die Nase bis hinten in den Rachen geht.“ Das sei kein Drama, so Hellenthal, aber auch nicht „drauf gespuckt und fertig“.

Wie auch in der Bürgeler Zahnarztpraxis Breitenbach habe er zunächst vorgehabt, diese Tests alle zwei Wochen zu machen, dies aber angesichts der rapide steigenden Infektionszahlen geändert. (Marian Meidel)

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