Abwechslung im Heimalltag

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Wenn Bettina Mansia (links) und Shaza El-Lawindy zu Besuch sind,finden sich an die 18 Bewohner am langen Tisch zum Bingo-Spiel ein.

Offenbach - Die alten Herrschaften sind traurig, wenn Ferien sind. Dann kommen die beiden Sonnenscheinchen nicht. Sonst aber freuen sich die Bewohner des Elisabeth-Maas-Hauses sehr auf den Montagnachmittag. Von Simone Weil

Im Alten- und Pflegeheim an der Andréstraße wird regelmäßig Bingo gespielt: Wenn Bettina Mansia und Shaza El-Lawindy zu Besuch sind, finden sich an die 18 Bewohner am langen Tisch ein. Die beiden elfjährigen Mädchen, die die Klasse 6c der Schillerschule in der Nachbarschaft besuchen, bereichern seit mehr als einem Vierteljahr den Heimalltag. Ihr regelmäßiges Erscheinen ist „sehr erfrischend“, findet auch Heimleiterin Dagmar Trippmacker. „Sie werden regelrecht erwartet“, weiß sie.

Seit Jahren gibt es Besuche von der Gesamtschule. Damit hat man im Altenheim gute Erfahrungen gemacht. Aber auch in der Schule werden die Ausflüge ins Elisabeth-Maas-Haus unterstützt. Schließlich profitieren alle Beteiligten von dieser Begegnung. Deswegen hat Musik- und Russischlehrerin Gabriele Scholz auch in ihrer Klasse gefragt, ob sich Freiwillige für solch regelmäßigen Visiten fänden. Von einer Kollegin hat sie den Kontakt geerbt: Früher waren es kleine musikalische Einlagen, mit denen die Schillerschüler sich im Pflegeheim beliebt machten.

Die beiden Freundinnen, deren Familien aus dem Kongo und Ägypten stammen, meldeten sich freiwillig. Zwar haben die Mädchen reichlich Hobbys und nehmen auch noch an einigen Kreativ-Angeboten der Schule teil. Doch neben Tanzen, Nähen, Tennis und Karate widmen sie den Senioren etwas von ihrer Freizeit. „Ich finde es gut, dass es so etwas gibt“, meint Shaza El-Lawindy. Allerdings würden sich die beiden wünschen, dass die Besuche im Altenheim Nachahmer unter den Mitschülern fänden.

Bettina und Shaza spüren, dass sich die Heimbewohner freuen, wenn sie kommen. Das ist ein schöner Lohn für die freiwillig geopferte Freizeit. Manchmal gibt es auch Schokolade oder ein kleines Geschenk an Weihnachten. Auch die Eltern unterstützen das ehrenamtliche Engagement der beiden. Bettina Mansias Eltern hoffen, dass ihre Tochter von der Aktion profitieren kann und ein wenig selbstbewusster wird. Übrigens gibt es auch Erwachsene, die sich freiwillig an der Schillerschule engagieren: Sie helfen Schülern bei ihren Hausaufgaben. Derzeit sind es etwa fünf Ruheständler, die einige Schützlinge von Gabriele Scholz unterstützen und mit ihnen üben. „Meist fehlt es in Deutsch oder in Mathematik“, sagt die Lehrerin.

Die Pädagogin wäre froh, es würden sich mehr aktive Senioren finden, die bereit wären, den Schülern zu helfen. Dabei geht es (je nach Klasse) nicht unbedingt um spezifische Fachkenntnisse, sondern darum, dass gemeinsam Hausaufgaben erledigt werden. Weil die eigenen Eltern oft überfordert sind, ist bei einigen Schülern Hilfe beim Abfragen von Vokabeln oder Üben für eine anstehende Arbeit mit ihren Mentoren bitter nötig. „Man muss kein Lehrer sein, um hier eine Aufgabe zu finden“, wirbt Gabriele Scholz um weitere Unterstützung. Interessenten wenden sich ans Sekretariat der Schule unter 069 8065- 2245.

Nach einigen Anlaufschwierigkeiten hat sich die Zusammenarbeit bewährt: Manche der Schüler mussten erst einmal lernen, regelmäßig und pünktlich zu erscheinen oder ihrem Betreuer abzusagen, wenn sie krank waren. Doch die verbindliche Kommunikation funktioniert inzwischen. Weil der gute Kontakt zu den Ehrenamtlern aber auch ein wenig gepflegt sein will, hat Gabriele Scholz sich erst in der vergangenen Woche mit einem kleinen Treffen im Klingspormuseum bei ihnen bedankt.

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