ADFC will Miteinander stärken

Initiative für mehr Rücksichtnahme im Straßenverkehr 

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Initiatoren und Multiplikatoren der Aktion „Offenbach fährt fair“ (von links): Wolfgang Christian, Detlev Dieckhöfer, Manfred Bernard, Anita Lotz und Ulrich Lemke.

Offenbach - Geisterradler und Blinkmuffel, Türöffner und Rotgänger. Es ist ein Kreuz mit jenen, die den innerstädtischen Verkehrsfluss behindern. Auf der Strecke bleiben Rücksichtnahme und Gelassenheit. Von Martin Kuhn

„Das muss nicht sein“, sagt der lokale Fahrradclub und startet die Aktion „Offenbach fährt fair“. Es sind gegenseitige Vorwürfe, die schnell zu Gemeinplätzen werden und sich verfestigen: Radfahrer sind immer ohne Beleuchtung unterwegs! Immer wieder missachten Autofahrer die Vorfahrt von Radlern! „Wir beobachten auf den Straßen ein ständiges Gegeneinander“, sagt Wolfgang Christian, der dem Vorstand des lokalen ADFC angehört. Nicht allein in Offenbach, sondern quer durch die Republik, betont er. Das würde er gern ändern mit einer Initiative die den simplen Slogan „Offenbach fährt fair“ trägt. Wie soll das gelingen in einer automobil-geprägten Gesellschaft, die sich ständig auf der Überholspur befindet? Mit viel Geduld. „Und einem Lächeln“, ergänzt Vorsitzender Detlev Dieckhöfer.

Wenn das so simpel wäre. Es ist für Wolfgang Christian Tiefsitzendes, was an Ampeln, Kreuzungen oder in der Einbahnstraße explodiert - meist verbal, mitunter körperlich. Auf der einen Seite der Kraftfahrer, dessen (mächtiger) Karosse der Radler imWeg ist, ihn am schnellen Vorankommen hindert. Dort der unterlegene Radfahrer (weil langsam und ungeschützt), der sich allerdings als moralisch wertvollerer Mensch erachtet.

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Das  gegenseitige Verständnis hält sich in Grenzen. „Es ist schwierig, aus diesem Trott rauszukommen“, weiß Dieckhöfer. Das versucht der ADFC mit geringsten Mitteln und wenig Aufwand für diejenigen, die mitmachen möchten. „Ich bedanke mich mit einem Handzeichen, wenn mir ein Autofahrer mein Vorfahrtsrecht nicht nimmt, in der Regel reagiert er mit freundlicher Miene“, hat sein Vorstandkollege Christian im persönlichen Feldversuch ermittelt.

Das scheint alles primär auf Radfahrer gemünzt? „Nein!“, wehren beide ab. Das gesamte Klima auf Offenbachs Straßen soll mehr Gelassenheit und Freundlichkeit statt Ärger und Stress vermitteln. Dazu könnte gehören: Der Fußgänger hat Vorgang, winkt aber den nahenden Radler vorbei. Der bedankt sich mit Handzeichen! Die Radfahrerin hat Vorfahrt, lässt aber den Autofahrer durch. Als Dank gibt’s Handzeichen und Lächeln. Dabei ist das beileibe kein Alleingang des ADFC. Unterstützung erfährt das etwa durch Fuß e.V. mit Manfred Bernard, jüngst in den Bundesvorstand des Fachverbandes gewählt, der Verkehrswacht Offenbach oder kommunalen Organisationen wie die Stadtwerke Holding.

Noch wichtiger Teil für „Offenbach fährt fair“ sind 20 sogenannte Multiplikatoren, die das Thema in die Öffentlichkeit transportieren. Das sind die hauptamtlichen Magistrate Horst und Peter Schneider, aber auch Anika Lotz, die in Offenbach eine Praxis für Logopädie betreibt. Für Hausbesuche hält sie Diensträder vor, die ihre Mitarbeiter kräftig nutzen. Für sie hat die Initiative einen positiven Grundgedanken: „Erst muss ich mich und mein Verhalten ändern. Das ist das Gute an der Sache.“ Sie gehört zur größten Gruppe, die auf Straßen unterwegs ist – autofahrende Radler. Das heißt: Man wechselt wie selbstverständlich das Steuer, aber ungern das Verhalten.

Die Initiative passt ins Offenbacher Leitbild: Aus wenig viel machen. Auf die Frage, was sich denn der lokale ADFC für seine Klientel wünsche, heißt es betont zurückhaltend und verständnisvoll: Die Stadt habe ja kein Geld... Etwas klarer ist da Ulrich Lemke, der vielen aus dem Herzen spricht: „Für einen sicheren Radweg würde ich sogar einen Umweg in Kauf nehmen.“ So lange wird gelächelt...

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