Ältere haben heute wieder deutliche bessere Chancen

Offenbach - Wie steht die regionale Wirtschaft heute zu älteren Arbeitnehmern? Im Auftrag der Main-Arbeit GmbH befragte das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) von Dezember bis Februar hierzu insgesamt 1 500 Unternehmen aus Stadt und Kreis Offenbach sowie aus Frankfurt.

Die aus einer Anzahl repräsentativ ausgewählter Betriebe erhobenen Daten wurden auf eine Grundgesamtheit von 31 500 Unternehmen im angenommenen Verbreitungsgebiet hochgerechnet. Gestern wurden die teilweise erstaunlichen Ergebnisse präsentiert: Die Einstellung von Arbeitgebern in der Region zur Beschäftigung Älterer hat sich deutlich zum Positiven gewandelt: „Ältere haben erheblich bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt als noch vor dem Beschäftigungspakt Chance 50 plus, der Ende 2005 ins Leben gerufen wurde“, freut sich so auch der Geschäftsführer der Main-Arbeit, Dr. Matthias Schulze-Böing.

Für die IWAK untermauerte die wissenschaftliche Mitarbeiterin Birgit Wagner die positive Entwicklung. Zählten vor fünf Jahren über 50-Jährige noch zum alten Eisen, so habe sich das Bild vom kränkelnden Mitarbeiter zum erfahrenen und loyalen gewandelt. Man lebte in der Zeit des Jugendwahns und der Vorruhestandsregelungen.

In 19 Prozent der Unternehmen wurden aktuell über 50-Jährige eingestellt, 2006 seien es nur zwei Prozent gewesen, 2007 dann sechs Prozent. Darüber hinaus wurden in jedem zehnten Betrieb offene Stellen für Arbeitskräfte ab 50 Jahren geschaffen (2006 waren dies zwei Prozent, ein Jahr später bereits doppelt so viele). Bemühungen, die älteren Mitarbeiter länger im Betrieb zu halten, habe man bei 27 Prozent der Betriebe feststellen können, sagt Wagner, vor drei Jahren lag dieser Prozentsatz noch bei zwei: „Rund 2900 Betriebe sind folglich bemüht, ältere Mitarbeiter länger bei sich zu halten.“

Die Einstellung gegenüber Mitarbeitern ab 50 habe sich äußerst positiv verändert, will Schulze-Böing aus dem Zahlenwerk herauslesen. Knapp die Hälfte der Betriebe seien der Ansicht, dass Arbeitskräfte über 50 uneingeschränkt einsetzbar seien. Lediglich neun Prozent der Arbeitgeber würden Ältere nur dann einstellen, wenn keine jüngeren Arbeitskräfte zur Verfügung stünden.

„Derzeit gibt es in der untersuchten Region rund 13 000 offene Stellen. Hochgerechnet sind 88 Prozent der Firmen bereit, diese mit über 50-jährigen zu besetzen“, sagt Schulze-Böing. In der Stadt Offenbach stieg diese Bereitschaft von 77 Prozent im Jahr 2006 gar auf heute 94 Prozent an.

Die Verhaltensänderungen bei den Arbeitgebern bezeichnet Dr. Christa Larsen, Geschäftsführerin der IWAK, als „Quantensprung“. Die Werte älterer Mitarbeiter würden heute ungleich höher eingeschätzt als noch 2005. Und Schulze-Böing sekundiert: „Der grundlegende Wandel der Ansichten ist drastisch.“

Immer mehr Arbeitgeber würden die Vorteile des Alters erkennen, sagt Schulze-Böing. Zu einem großen Kaufhaus in Offenbachs Innenstadt könne er beispielsweise nicht mit einer jungen Verkäuferin ankommen, die zwar eine hervorragende Ausbildung mit bestem Abschluss hat, aber bauchfrei und Piercings trägt. „Es gibt Modehäuser, da ist die Qualifikation einer Beraterin eben erst mit 45 gegeben“, weiß der Chef der Arbeitsvermittler.

Auch wenn erst kürzlich der 1000. Arbeitslose über 50 Jahre vom Pakt Chance 50 plus in den ersten Arbeitsmarkt zurück vermittelt werden konnte, so ist die Zahl der älteren Arbeitslosen immer noch sehr hoch, im Untersuchungsraum rund 23 000. Grund für alle Beteiligten, weiter möglichst engagiert um Stellen zu kämpfen. Ein neues Projekt geht jetzt Chance 50 plus mit der Kreishandwerkerschaft an. Gemeinsam wollen sie in Seminaren und Praktika über 50-Jährige fit machen für den Arbeitsmarkt.

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