„Ältere sind hochmotiviert“

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Thomas-Oliver Petzold

Offenbach (ku) - Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften wächst auch in Stadt und Kreis Offenbach. Dennoch haben Menschen, die das fünfzigste Lebensjahr bereits überschritten haben, häufig Schwierigkeiten, einen Arbeitsplatz zu finden.

Dabei sind sie häufig gut qualifiziert und verfügen über eine lange Berufserfahrung. Die Arbeitslosenquote der über 50-Jährigen sei in der Region überdurchschnittlich hoch, sagte Thomas-Oliver Petzold, Vermittler im Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit in der Geschäftsstelle Rodgau, unserer Zeitung.

Wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt in der Region Offenbach?

Mit einer Arbeitslosenquote von 7,7 Prozent steht der Agenturbezirk Offenbach gut da, auch wenn wir deutlich über dem hessischen Durchschnitt liegen.

Wie ist die Entwicklung bei älteren Arbeitslosen?

Seit Februar gehen die Zahlen der über 50-Jährigen im Agenturbezirk kontinuierlich zurück. Im Juli gab es einen Rückgang um 0,5 Prozent gegenüber dem Vormonat und von 4,4 Prozent gegenüber Juli 2010. Dennoch war die Arbeitslosenquote der über 50-Jährigen mit 7,9 Prozent überdurchschnittlich hoch.

In welchen Berufen sind besonders viele Ältere arbeitslos?

Viele Ältere sind in technischen und Fertigungsberufen sowie in Dienstleistungsberufen arbeitslos gemeldet. Gerade im technischen Bereich werden andererseits Fachkräfte gesucht. Insgesamt ist das Berufsspektrum breit gefächert. Es sind häufig Menschen mit langjähriger qualifizierter Berufserfahrung, die das entsprechende Know-how mitbringen. Auf sie können wir angesichts des Fachkräftebedarfs nicht verzichten.

Stellen Arbeitgeber ungern Ältere ein?

Arbeitgeber haben immer noch Bedenken, dass ältere Arbeitnehmer nicht mehr leistungsstark sind. Wir machen da andere Erfahrungen. Gerade Ältere sind hochmotiviert, einen neuen Job zu finden, bringen Berufs- und Lebenserfahrung mit. Was viele nicht wissen: Um die Eingliederungschancen Älterer zu steigern, gibt es für Arbeitgeber finanzielle Anreize.

Welche?

Zum Beispiel den Eingliederungsgutschein. Arbeitgeber, die einen Arbeitslosen mit Eingliederungsgutschein einstellen, erhalten von der Arbeitsagentur für ein Jahr zwischen 30 und 50 Prozent des Arbeitsentgelts.

Wer bekommt den Eingliederungsgutschein?

Arbeitslose ab dem 50. Lebensjahr mit einem Anspruch auf Arbeitslosengeld von mehr als zwölf Monaten können den Eingliederungsgutschein erhalten. Dauert die Arbeitslosigkeit bereits ein Jahr, besteht ein Rechtsanspruch auf den Gutschein. Mit Aushändigung des Dokuments verpflichtet sich die Agentur für Arbeit, einen Eingliederungszuschuss an einen Arbeitgeber zu zahlen, der den oder die ältere Arbeitslose einstellt. Voraussetzung ist, dass das Beschäftigungsverhältnis mindestens 15 Wochenstunden dauert, sozialversicherungspflichtig ist und für mindestens ein Jahr geschlossen wird.

Ältere Arbeitslose haben oft längere Zeit bei einem Unternehmen gearbeitet und sich damit ein hohes Gehalt erwirtschaftet. Kann das ein Einstellungshemmnis sein?

Ja, und um das zu überwinden, gibt es die Entgeltsicherung für Ältere. Damit werden Einkommensdifferenzen bei Älteren durch die Arbeitsagentur ausgeglichen. Die Arbeitsagentur zahlt im ersten Jahr 50 Prozent und im zweiten Jahr 30 Prozent der Differenz zwischen dem bisherigen und einem neuen niedrigeren Nettoentgelt. Auch die Sozialversicherungsbeiträge werden aufgestockt. Damit wollen wir Arbeitnehmer ermuntern, auch einen geringer bezahlten Job anzunehmen.

Werden durch diese Leistungen Arbeitgeber tatsächlich ermuntert, Ältere einzustellen?

Durchaus. Arbeitgeber sind damit eher bereit, eventuelle Vorbehalte zu überwinden. Ein Highlight war es, als kürzlich ein 61-jähriger Fliesenleger mit Hilfe des Eingliederungszuschusses wieder eingestellt wurde. Der Arbeitgeber hat sich bewusst für jemanden mit ausgiebiger Berufserfahrung entschieden und ist begeistert von seinem neuen Mitarbeiter und seinen Kenntnissen.

Wo erhalten Arbeitgeber weitere Informationen über finanzielle Hilfen bei der Einstellung älterer Menschen?

Bei meinen Kolleginnen und Kollegen im Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur. Arbeitgeber sollten ihren persönlichen Arbeitsvermittler ansprechen. Oder rufen Sie mich an: Unter Telefon 06106/844963 bin ich für sie da.

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