Marie Friedrich ist mit 81 Jahren die wahrscheinlich älteste aktive Friseurmeisterin der Stadt

Als heiße Dauerwellen plagten

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Zusammen mit ihrer Tochter Anita Kleinheider frisiert Marie Friedrich (sitzend) in der Bieberer Straße. Sie ist seit fast 70 Jahren im Geschäft.

Offenbach - Waschen. Schneiden. Legen. Seit mehr als einem halben Jahrhundert hat Marie Friedrich diese Handgriffe für diese Tätigkeiten verinnerlicht. Sie gehören zum Leben der wahrscheinlich ältesten noch aktiven Friseurmeisterin Offenbachs. Von Katharina Hempel

In der Bieberer Straße betreibt sie ihren gleichnamigen Salon. Dort frisiert die 81-Jährige seit knapp dreißig Jahren ihre Kundinnen.

Die Dame mit den silberblonden Locken und dem roséfarbenem Lippenstift erinnert optisch an Rose aus der Fernsehserie „Golden Girls“. Noch immer steht sie jeden Tag von acht bis 16 Uhr im Laden. Außer sonntags und montags. Dann ist Ruhetag. „Es macht mir noch Freude, täglich hierher zu kommen“, erklärt sie ihre Passion.

Im Februar feiert Marie Friedrich ihren 82. Geburtstag. Das „Haare machen“ will sie trotzdem nicht aufgeben –es ist ihre Welt. Zwischen Trockenhauben, Lockenwicklern, Spiegeln und drei gelben Waschbecken fühlt sie sich zuhause. Für den nötigen Schwung bei der Arbeit sorgt Musik aus dem Radio.

Die Karriere der Friseurmeisterin, Jahrgang 1930, beginnt in dem Jahr, in dem der Krieg endet: „Erst musste ich mein Pflichtjahr machen, wie alle damals. 1945 ging ich dann in die Lehre. Drei Jahre später habe ich meine Gesellenprüfung abgelegt“, erinnert sich Marie Friedrich.

Haare zusammengefegt und Locken gelöst

Friseurin zu werden, das war schon als Kind ihr Wunsch. „Ich bin in Bürgel aufgewachsen und war immer beim Herrn Schwindt, dem ich in seinem Salon geholfen habe. Ich habe Haare zusammengefegt, Locken gelöst.“

Die Lehre macht die gebürtige Bürgelerin allerdings nicht bei ihm, sondern auf dem Wilhelmsplatz. „Beim Friseur Dietrich. Aber den gibt’s auch schon lange nicht mehr.“ Dann verschlägt es sie beruflich in die Nachbarstadt Frankfurt, nach Sachsenhausen. Nach einem Zwischenstopp im Offenbacher Starkenburgring kommt Marie Friedrich 1955 schließlich in die Bieberer Straße.

Den Laden in der Hausnummer 70, an der Ecke zur Gerberstraße, wollte sie eigentlich nie alleine betreiben. Berufliche Selbstständigkeit war nie ihr Ziel. Doch dann verstirbt der Chef. Da Frisiererin Friedrich die älteste unter den Angestellten ist, flehen diese sie an, den Laden zu übernehmen: „Du willst doch nicht, dass wir unsere Arbeit verlieren.“ So legt sie 1973 ihre Meisterprüfung ab und gründet den Salon Marie.

„Zum Ondulieren hat man früher Kraft gebraucht“

Mittlerweile hat ihre Tochter die Kollegen von damals ersetzt. Anita Kleinheider frisiert und schneidet Seite an Seite mit ihrer Mutter. Dabei war diese streng dagegen, dass die Tochter in ihre Fußstapfen tritt. „Weil ich gewusst habe, dass dieser Beruf nervenaufreibend ist. Es war eine Arbeit, bei der es früher keinen Feierabend gab. Ich wollte für meine Tochter etwas Einfacheres.“

Alles andere als leicht machbar war beispielsweise auch die „heiße Dauerwelle“: „Die Bolzen mussten erst heiß gemacht werden, bevor sie in die Haare kamen.“ Locken mit der Brennschere zu formen, war ebenfalls harte Arbeit für den Friseur. „Zum Ondulieren hat man damals Kraft gebraucht, es war ja nicht in Ordnung, sobald man einmal dran war“, weiß Marie Friedrich.

Im Vergleich zu früher sei der Beruf in den letzten Jahrzehnten jedoch viel leichter geworden. „Ondulieren ist ja gar nicht mehr. Heute ist es mehr das Föhnen, damals hat man noch eingelegt oder Hochfrisuren gemacht. Aber auch das ist nicht mehr in.“

Trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – würde Marie Friedrich immer wieder die gleiche Berufswahl treffen. „Alles macht mir noch Spaß.“ Und das merken auch ihre Kunden, die laut Tochter Anita Kleinheider nur zur Mutter wollen. „Selbst wenn die Welt untergehen würde.“ Bis dahin, aber auf jeden Fall solange die Gesundheit mitspielt, will die 81-jährige Friseurmeisterin weiter in ihrem Laden waschen, schneiden und legen.

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