Ämter statt Ledertaschen

Teile der Stadtverwaltung mieten neue Räume an

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Umweltamt, Stadtschulamt und eine Abteilung des Amts für Arbeitsförderung werden im September neue Räume im „K39“ beziehen.

Offenbach - In der Offenbacher Stadtverwaltung werden die Umzugskisten gepackt: Gleich drei Ämter ziehen im September in neue Räume des Gebäudekomplexes „K39“ an der Kaiserstraße, im Oktober folgt das Bürgerbüro. Von Veronika Schade 

Die Räume sind – wie viele weitere – von der Stadt angemietet, denn längst reichen die Kapazitäten des Rathauses nicht mehr aus. Die Zeiten liegen lange zurück, als für den Bürger, der ein städtisches Amt aufsuchen musste, klar war, ins Rathaus zu gehen. Als das Gebäude an der Berliner Straße im Jahr 1971 eröffnet wurde, war die Stadtverwaltung stolz auf den für damalige Verhältnisse großzügigen Bau, in dem sie problemlos Platz hatte. Daneben gab es das Technische Rathaus, das die Stadt jedoch Mitte der 90er-Jahre verkaufte. An dessen Stelle errichtete ein Investor das Haus der Wirtschaft. Mit dem Wachstum Offenbachs wurde auch die Stadtverwaltung größer, ihre Aufgaben komplexer. In den vergangenen Jahren kamen Standorte hinzu wie das Stadthaus, der Bernardbau, die Gebäude der Volkshochschule und der Mainarbeit. Sie alle sind angemietet. Fast 400.000 Euro kostet das die Stadt im Jahr.

Nun folgt eine weitere Liegenschaft: In der ehemaligen Fabrik des 2008 in die Insolvenz gegangenen Lederwarenherstellers Goldpfeil an der Kaiserstraße 39 werden im September das Umweltamt, das Stadtschulamt und die Abteilung Soziale Stadtentwicklung des Amts für Arbeitsförderung, Statistik und Integration ihre neuen Räume beziehen. In der ehemaligen Messehalle des aus vier Gebäuden bestehenden Komplexes wird ab Oktober das Bürgerbüro untergebracht, die Bauarbeiten sind derzeit in vollem Gange.

Das Stadtschulamt freut sich insbesondere über diesen großzügigen EDV-Schulungsraum.

„Wir platzen in unseren bisherigen Liegenschaften aus allen Nähten“, sagt Stadtsprecher Fabian El Cheikh. Zwar habe Offenbach als kleinste hessische Großstadt auch die kleinste Verwaltung, dennoch gebe es leichte Stellenzuwächse. Die bisherigen beengten räumlichen Verhältnisse verhinderten optimales Arbeiten. Daher seien neue Räume zwingend notwendig, was jedoch kein leichtes Unterfangen darstelle: „Geld spielt eine große Rolle. Was kann die Stadt sich leisten, was ist angemessen?“ Darüber hinaus sei die zentrale Lage ein Hauptkriterium, um gute Erreichbarkeit zu gewährleisten. „Leider verfügt die Stadt über keine entsprechenden, eigenen Liegenschaften“, so El Cheikh. Für den Kauf eines Gebäudes fehle das Geld, außerdem ermöglichten Anmietungen eine größere Flexibilität.

Insgesamt 1582 Quadratmeter Büro- und Gemeinschaftsflächen stehen den Ämtern zur Verfügung, die Mietkosten belaufen sich auf 10,50 Euro monatlich pro Quadratmeter. Zuzüglich der Nebenkosten ergibt sich ab 2019 eine Gesamtmiete von zirka 300.000 Euro jährlich.

Vermieter ist die Firma „Kaiser Quartier II Offenbach“, die das Goldpfeil-Gebäude 2016 erwarb und es seitdem sukzessive aufwertet und vermietet. Unter den Mietern sind beispielsweise Anwälte, Ärzte, eine IT-Firma sowie ein Outlet für Lederwaren. Für Umweltamtsleiterin Heike Hollerbach ist dies in ihrer Verwaltungslaufbahn schon der 14. Umzug – doch die Vorfreude ist ihr anzumerken. „Das sind die hochwertigsten Büros, in denen ich bisher arbeiten durfte. Nur schade, dass die Vitrinen mit den Ledertaschen nicht mehr hier sind“, spielt sie augenzwinkernd auf die Vergangenheit des Baus an. Das Umweltamt verfügt im Parterre über zwölf Büros mit bis zu 27 Arbeitsplätzen, die beiden anderen Ämter teilen sich das erste Obergeschoss mit 13 Büros und 28 Arbeitsplätzen.

Bürgermeister und Landräte aus der Region

Das 1913 errichtete Gebäude ist ein Kulturdenkmal, seine Fassade an der Kaiserstraße darf nicht verändert werden. Das Innere konnte jedoch völlig an die künftige Nutzung angepasst werden. Erhalten blieben der alte Parkettboden, die großen Fenster und die abgehängten Decken. Der Innenhof, über den der Zugang erfolgt, besticht durch moderne Verglasung. Derzeit wird mit dem Einkaufscenter KOMM über einen Durchgang verhandelt, der Mitarbeitern und Kunden den Weg verkürzen soll. „Da gibt es leider noch Abstimmungsbedarf hinsichtlich der Barrierefreiheit“, bedauern Mathias Köhlhofer und Horst Maurer von der Organisationsabteilung des Hauptamts, die den Umzug koordinieren. Die frei werdenden Büros in Rat- und Stadthaus nutzen künftig andere Ämter.

Übrigens: Das Erdgeschoss des Bernardbaus, wo sich derzeit noch das Bürgerbüro befindet, wird nach dessen Umzug einer „kulturellen Nutzung zugeführt“, während die Räume darüber weiterhin als Amtsbüros dienen.

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