Bahnüberführung an der Wilhelmstraße

Oben hui, unten pfui...

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... so kurz lässt sich die Situation an der Bahnüberführung Wilhelmstraße zusammenfassen. Das nervt Offenbacher seit nahezu zwei Jahren. Die Bahn spricht von Verzögerungen bei der Planung.

Offenbach - Der Mann ist sauer, ergeht sich aber letztlich in Sarkasmus: „Das ist unser Flughafen Berlin.“ Klar, der Vergleich hinkt: In der Hauptstadt ist’s ein neuer Airport, in Offenbach eine neue Bahnüberführung. Und an der Wilhelmstraße fährt wenigstens die Bahn. Von Martin Kuhn 

Ansonsten passt’s: Beiderorts gibt’s zeitliche Verzögerungen, die das übliche Maß sprengen. Die Anlieger rund um den künstliche geschaffenen Fußgängerschlupf sind sich sicher: „Da arbeitet seit Monaten keiner mehr.“ Eine Frau, die regelmäßig ihren Hund ausführt: „Erst waren die Arbeiter weg, dann alle Maschinen.“ Als die Bahn im Oktober 2012 die Arbeiten zur Erneuerung der maroden Überführung anpackte, wurde die Bauzeit mit 15 Monate veranschlagt. Inzwischen fahren Züge über erneuerter Brücke auf neuen Gleisen – drunter ist’s katastrophal: Fußwege, Bordsteine und ein Großteil der Fahrbahn sind weggebrochen. Der Schlupf für Fußgänger und Radler ist holprig, aufgefüllt mit Schotter und Sand; staubig bei Sonne, matschig bei Regen.

„Für die Bahn ist’s in Ordnung. Für uns nicht“, meckert eine Offenbacherin, die wie alle anderen nicht namentlich zitiert sein möchte. Das ergänzt ein anderer: „Die Bahn macht ohnehin, was sie will. Das merken wir immer wieder – etwa bei Schleifarbeiten um zwei Uhr nachts. Aber: Es ist ja Hohheitsgebiet der Bahn...“ Seine Einschätzung: Dem Verkehrsunternehmen mit Sitz in Berlin sei Offenbach egal. Und er fordert endlich Klarheit von der Bahn in Sachen Wilhelmstraße: „Wann wird’s was mit der Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands?“

Ein Bahnsprecher ist bemüht, die Wogen zu glätten: „Uns ist daran gelegen, dass alles in Ordnung kommt. Wir bedauern das alles, sind ebenfalls verärgert über diese zeitliche Verzögerung.“ Die ist nicht ohne. Aus der ehemals angesetzten Bauphase bis Dezember 2013 wurde irgendwann Juli 2014. Mittlerweile hofft die Bahn, „dass die Maßnahme kurzfristig abgeschlossen werden kann“. Und widerspricht vehement der Befürchtung eines Anliegers, der sagt: „Albern, das wird nichts mehr.“

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Zur Begründung heißt es aus der Pressestelle: „Leider ist die Ausführungsplanung, die eine externe Firma erstellt, noch nicht freigegeben. Für die nächsten Tagen ist ein weiteres Abstimmungsgespräch terminiert.“ Die Erklärung: Da die alte Überführung nicht eins zu eins wiederhergestellt wurde, muss es auch unter der Brücke anders werden, „ist alles an die neuen Gegebenheiten anzupassen“. Zu beachten ist etwa der Verlauf der vorhandenen Versorgungsleitungen. Und das habe die beauftragte Firma nicht „regelkonform vorgelegt und muss nun nachbessern“. Das neue Bauwerk ist ungefähr halb so breit wie die ehemalige Brücke, nur noch drei der ursprünglich sechs Bahngleise sind in Betrieb. Das Gewölbe ist einem Rahmenbauwerk mit senkrechten Wänden gewichen, die Öffnung dieser zentralen Verbindung zum Wilhelmsplatz vergrößert.

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