Ärger in der Fußgängerzone

Die rücksichtslosen Zonen-Radler

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Mit eigenem Aufsteller will die Interessengemeinschaft Kleiner Biergrund/Salzgässchen an das Radfahrverbot erinnern.

Offenbach - Eigentlich ist die Regelung eindeutig: Die Frankfurter Straße ist zwischen Kaiserstraße und Marktplatz für Radfahrer tagsüber tabu. Eigentlich. Denn es halten sich längst nicht alle daran. Von Jenny Bieniek

Der Konflikt zwischen Fußgängern und uneinsichtigen Radlern auf der kleinen Offenbacher Einkaufsmeile ist nicht neu. Jetzt meldet sich auch die Interessengemeinschaft Kleiner Biergrund zu Wort, wo Zweiradfahrer ebenfalls oft für Ärger sorgen. Osman Göverin hat die Nase voll. Der Inhaber des Stop&Go-Cafés in der Fußgängerzone im Kleinen Biergrund ist die rücksichtslosen und unverschämten Radfahrer leid, die das Fahrverbot vor seinem Café ignorieren.

„Hier ist oft viel los. Kinderwagen, ältere Menschen, und trotzdem glauben einige Radfahrer offensichtlich, dass sie hier alleine sind“, so der gebürtige Offenbacher.

„Als Passant ist das oft sehr ärgerlich“

Auch Regina Noe, die gegenüber das Tee- und Kaffeehaus „Nummer 15“ betreibt, kennt die gefährlichen Situationen zuhauf, die sich regelmäßig vor ihrem Laden ergeben. „Als Passant ist das oft sehr ärgerlich. Wenn man unvermittelt kurz stehenbleibt, hat man gleich den Reifen in der Ferse“, erzählt Noe. Auch von ihrer Kundschaft höre sie öfter Klagen. „Aber wenn man dann was sagt und sich beschwert, wird man sofort angepöbelt.“ Entschuldigungen jedenfalls habe sie noch nie gehört. „Sich mit denen anzulegen bringt einfach nichts, man wird nur beschimpft.“

Tatsächlich genügt ein kurzer Aufenthalt vor Göverins Café, um Zeuge diverser Verstöße zu werden: Autos, die gegen die Einbahnstraße fahren und Radfahrer, deren Tempo von Schrittgeschwindigkeit weit entfernt ist. Vor allem an Wochenmarkttagen sei das Chaos groß. „Da wird’s richtig lustig. So oft, wie’s hier schon gekracht hat, ist es eigentlich verwunderlich, dass noch nichts Schlimmeres passiert ist“, erzählt Noe.

Schild steht nicht an allen Zufahrtswegen

„Dann fahren die Leute hier mit vollgehängten Lenkern durch und streifen andere Passanten mit ihren Einkäufen“, hat Osman Göverin beobachtet. „Und denen ist es egal, ob die Fußgänger am Arm verletzt sind oder nicht.“ Das Problem dabei: Das Schild, das Radfahrer auf die Fußgängerzone hinweist, steht nicht an allen Zufahrtswegen. Vom Marktplatz kommend ist es nicht zu übersehen, vom Wilhelmsplatz aus fehlt es dagegen an entsprechender Beschilderung. „Die Pfosten an den Zugängen signalisieren ganz klar, dass das hier kein Radweg ist“, findet dagegen der Café-Besitzer. Doch auch Motorroller und Motorräder seien im Salzgässchen keine Seltenheit. „Die Leute sind eben bequem“, ist man auch bei Schirm-Schäfer überzeugt. Dabei sei es durchaus zumutbar, für das kurze Stück abzusteigen und zu schieben.

Für Göverin, der zusammen mit Regina Noe den Vorstand der Interessengemeinschaft Kleiner Biergrund und Salzgässchen bildet, ist die Sache klar: „Das ist Offenbach pur.“ Die Vorwürfe, die er indes gegen das Ordnungsamt erhebt, wiegen schwer. „Die kommen zwar immer mal vorbei, unternehmen aber nichts“, ärgert er sich.

„Da werden definitv Unterschiede gemacht“

„Wenn sie überhaupt mal was tun, holen sie immer nur ältere Leute vom Rad – die wehren sich nicht“, glaubt Göverin. Bei Jüngeren, so seine Vermutung, hätten die Ordnungshüter wohl Angst, „von denen schlicht ignoriert oder angegriffen zu werden. Da werden definitv Unterschiede gemacht.“

Mehrmals habe er die Beamten bereits auf ihr selektives Verhalten angesprochen, eine Antwort habe er jedoch nie erhalten. „Die drehen sich einfach um und verschwinden kommentarlos“, schildert Göverin. „Oder es kommt der Standardspruch: ,Wir können ja nicht überall sein’.“

In ihrer Not haben die Ladenbesitzer kurzerhand ein eigenes selbstgemaltes Schild aufgestellt – mit Erfolg. „Beim Anblick des Schilds steigen einige Radfahrer ab“, haben sie beobachtet. „Die wissen ja, dass sie hier eigentlich nicht dürfen.“ Dennoch seien immer noch etliche zu schnell unterwegs. „Ich habe nichts gegen Radfahrer generell“, betont Osman Göverin, „aber diese Rücksichtslosigkeit muss ein Ende haben.“

„Sobald wir weg sind, wird wieder gefahren“

Bei der Stadt sieht man die Sache realistisch: „In der Frankfurter Straße kontrollieren wir täglich, aber ganz in den Griff bekommt man das nie“, gibt sich Stadtrat Paul-Gerhard Weiß keiner Illusion hin. „Sobald wir weg sind, wird wieder gefahren.“ Weil im Salzgässchen jedoch weniger „flaniert“ werde, habe man bislang keinen Bedarf gesehen. Doch auch das Regelbewusstsein unter Radfahrern habe nachgelassen.

Dass Kontrollen unterschiedlich gehandhabt würden, will er nicht glauben. Der ebenfalls patrouillierende Verkehrsdienst habe – anders als die Stadtpolizei – eben keine Befugnis zum Anhalten der Radler. „Die Stadtpolizei hat aber noch andere Aufgaben und kann sich nicht ausschließlich darum kümmern.“ Künftig werde man die Beschwerden jedoch stärker berücksichtigen.

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