Lärmbelästigung durch Autoposer hat manchmal nicht die erste Priorität

Ärger in Offenbach: Polizei angerufen und keiner kommt

Handy-Notruf
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Wer den Notruf wählt, erwartet, dass ihm geholfen wird - doch dem ist nicht immer so...

Geht es um Sicherheit und Ordnung, steht zwangsläufig kaum eine andere Berufsgruppe so im Blickpunkt der Öffentlichkeit wie die Polizei. Wählt der Bürger „110“ (Landespolizei) oder „8065-2123“ (Stadtpolizei), erwartet er Beistand. Umgehend. Funktioniert das nicht, sitzt der Frust tief, fühlt er sich alleingelassen.

Offenbach - So ist einem Offenbacher am frühen Mittwochabend (3. März) ergangen: Der Anrufer schildert der Redaktion glaubhaft seinen vergeblichen Versuch, die Ordnungshüter nahe der Stadthalle zum Einschreiten zu bewegen. Er berichtet von mehreren jungen Männern und Damen, die sich in der Fritz-Remy-Straße mit ihren Autos getroffen hatten: „Partymachen, mit dröhnenden Motoren und wummernden Bässen.“ Er beklagt Ruhestörung, Auto-Posen (also das Angeben mit dem Fahrzeug), Missachtung von Corona-Regeln. „Ein Unding, im Sommer wird’s sicher noch wilder“, befürchtet er. Ob er die Polizei gerufen habe? „Ja, aber die unternehmen ja sowieso nichts...“

Die Verallgemeinerung will eine Polizeisprecherin so nicht stehen lassen. Sie weist aber auf Zuständigkeiten hin. Denn der Vorwurf der Ruhestörung sei zunächst einmal ein Fall für die Stadtpolizei. Tatsächlich sind für diesen Abend gegen 17.30 Uhr bei der Landespolizei zwei Telefonate registriert.

Ein Anrufer spricht von 20 bis 30 Leuten, meldet „Personen auf einem Garagendach“ und „Party“; ein anderer erhöht die Zahl auf 50 und berichtet von einem „Videodreh“. Ein Fall nur für die Stadtpolizei?

Da diese zu diesem Zeitpunkt durch Corona-Kontrollen gebunden ist, wäre der Auflauf nahe der Waldstraße gewiss eine Aufgabe für die Landespolizei. Aber: „Wir hatten zu diesem Zeitpunkt mit Festnahmen zu tun“, heißt es. Als später dann doch eine Streife in die Fritz-Remy-Straße fährt, hat sich alles aufgelöst.

Bei Polizei-Pressestelle ist der Unmut der Bürger nachvollziehbar. „Die Leute sehen natürlich nicht, welche Einsätze gerade laufen – das ist eine Frage der Priorität“, erläutert die Sprecherin. Und zu diesem Zeitpunkt muss wohl eine Ruhestörung nicht unbedingt an erster Stelle rangiert haben. Details, was die Streifen vom Ort des Geschehens fernhielt, werden nicht verraten.

Kann man sich den Griff zum Telefonhörer künftig sparen, wenn’s draußen zu laut wird? „Auf keinen Fall!“, widerspricht die Beamtin. Die Polizei sei auf solche Hinweise angewiesen – gerade beim Auto-Posing, das mittlerweile deutschlandweit ein Problem darstelle. Lärmbelästigung und unnötiges Fahren im Kreis seien nicht nur eine Zumutung, sondern auch verboten. Da gehe es schnell um Straftatbestände und eine Menge (Buß-) Geld. Und dem Bürger sei versichert, dass die Polizei für ihn da sei – auch wenn momentane Umstände das manchmal anders erscheinen ließen.

Von Martin Kuhn

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