Ärger in der SPD Offenbach

„Undemokratische und schmutzige Kampagne“

+
Erich Strübs ehrenamtliches Engagement beschränkt sich nicht auf die Kommunalpolitik. Er führt auch den Förderverein des Tennisclubs Rosenhöhe. Zu dessen Neujahrsempfängen holt er gern Prominenz als Gastredner – wie 2012 den Sparkassenpräsidenten und Ex-Oberbürgermeister Gerhard Grandke.

Offenbach - Der nächsten Offenbacher Stadtverordnetenversammlung wird Erich Strüb nicht mehr angehören: Zunächst heftig gegen die Ausmusterung seitens der Parteispitze kämpfend, will der SPD-Veteran überraschend nicht mehr um einen Platz auf der Kandidatenliste kämpfen.

Er könne eine vom Parteivorsitzenden Felix Schwenke getragene und von der Listenkommission gestützte „undemokratische und schmutzige Kampagne“ nicht mehr ertragen, erklärte der 79-Jährige. Am Donnerstagabend werden die Genossen ihre 71 Bewerber für die Kommunalwahl am 16. März 2016 bestimmen. Es ist nicht anzunehmen, dass die Personalie Strüb keinerlei Niederschlag finden wird.

Zur Wahl 2010 hatte die SPD-Spitze sich des unberechenbaren Querdenkers mittels eines aussichtslosen Platzes entledigen wollen. Strüb schaffte mit einem persönlichen Wahlkampf den Wiedereinzug und bestätigte seinen Ruf, als er gegen den Klinikverkauf stimmte. Parteichef Schwenke warf ihm zudem vor, 2010 mit seiner Privatkampagne die restlichen SPD-Kandidaten diskreditiert zu haben. Strüb hält dem entgegen, dass er nur so und mit Hilfe von Unterstützern habe erfolgreich sein können. In seiner Rückzugserklärung betont Erich Strüb, er habe nur in der Klinikfrage gegen die Mehrheit der Fraktion gestimmt. Dazu stehe er. Schwenkes Vorwurf, er sei nicht teamfähig, weist er hingegen zurück.

Offensichtlich solle die Partei auf eine Richtung getrimmt werden, mutmaßt Strüb: „Was oben befohlen wird, danach hat sich jeder einzuordnen und zu kuschen.“ Für den Alt-Genossen eine „entsetzliche Entwicklung“. Am 29. September habe ihm Schwenke persönlich mitgeteilt, dass er gegen seine Nominierung sei, und habe ihm einen ehrenvollen Abschied angeboten, auch die Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz könne folgen. „Dieses Ansinnen hat mich erschüttert“, schreibt Strüb, „ich war zunächst sprachlos über diese Anmaßung und das Erpressungsangebot des Unterbezirksvorsitzenden und Magistratsmitglieds.“

Politischer Aschermittwoch: Die besten Sprüche

Die aktuelle Kampagne gegen ihn sei von langer Hand vorbereitet gewesen, um ihn „eiskalt abzuschießen und ihn in der Öffentlichkeit zu diskreditieren“, behauptet Strüb. Schon im August sei im SPD-Ortsverein Tempelsee-Lauterborn „mit unhaltbaren Vorwürfen“ versucht worden, seine Kandidatur zu verhindern. Vorsitzender Rainer Türmer habe trotz einstimmigen Votums der Mitglieder in der Setzkommission gegen Strübs Kandidatur gestimmt. (tk)

Affären: Diese Politiker sind NICHT zurückgetreten!

Kommentare