Ärger um das Sternchen

Offenbach ‐ Den ersten Tag nach den Herbstferien hätte sich Christoph Dombrowski, Leiter der Leibnizschule, sicher etwas ruhiger und schon gar nicht so öffentlichkeitswirksam gewünscht. Von Matthias Dahmer

Doch der Leiter der Leibnizschule sieht sich mit verärgerten Eltern von Achtklässlern konfrontiert, die er zwar verstehen, aber wegen Vorgaben aus dem hessischen Kultusministerium vermutlich nicht besänftigen kann.

Die Elternbeiräte der achten Klassen des Gymnasiums sind sauer, weil die Jahrgangsstufe von sieben auf sechs Klassen schrumpfen soll. Mit der Folge, dass künftig - mit Ausnahme der 25-köpfigen Lateinklasse - 32 beziehungsweise 33 Schüler in einer Klasse sitzen. Die Nachprüfungen kurz vor den Sommerferien hatten ergeben, dass die Schülerzahl sieben Klassen nicht mehr hergeben. Insgesamt sind es mit 189 Schülern zehn weniger als erforderlich, rechnet man die Lateinklasse heraus, die unangetastet bleiben soll, ist es gar nur noch einer, der fehlt.

„Sensibles Thema Klassenzusammenlegung“

Die Elternbeiräte der betroffenen Klassen halten die angepeilte Zusammlegung, die dazu noch mitten im Halbjahr kommt, angesichts der gestiegenen Anforderungen im Zuge von G 8 für nicht akzeptabel, wie sie in mehreren Schreiben an die Schulleitung und das Staatliche Schulamt zum Ausdruck gebracht haben. Beim „sensiblen Thema Klassenzusammenlegung hätten wird eine andere Vorgehensweise erwartet“, heißt es unter anderem.

Ausdrücklich beziehen sich die Eltern auf Aussagen von Kultusministerin Dorothea Henzler. Die hatte ihrer Regierungerklärung Ende September vollmundig verkündet, die sogenannte Sternchenregelung (in Ausnahmefällen 30 Schüler plus 10 %) entfalle für die Jahrgangsstufen 2, 6 und 8.

Auf Freundschaften wurde Rücksicht genommen

Christoph Dombrowski räumt ein, die Erklärung sei in diesem Punkt missverständlich und habe einen „klitzekleinen Fehler“. Das Entfallen der Sternchenreglung beziehe sich nämlich nicht auf die Gymnasien, wo derzeit nur die Jahrgangsstufen fünf und sechs in den Genuss der Begrenzung auf 30 Schüler kämen. „Wir sind hier mitten in einer politischen Diskussion, die nichts mit einer einzelnen Schule zu tun hat“, bedauert der Schulleiter, dass er sich an die Order aus Wiesbaden halten muss. Gleichzeitig weist er darauf hin, mit diesem Problem hätten andere Gymnasien auch zu kämpfen.

Im Übrigen, sagt Dombrowski, sei die neue Klassenbildung Anfang September mit allen Schülern besprochen worden, um soziale Härten zu vermeiden. So sei bei der Aufteilung etwa auf Freundschaften innerhalb der Klassen Rücksicht genommen worden.

Rubriklistenbild: © dpa

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