Ärger über Bienen auf Friedhof

Pietätlos oder naturbewusst?

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Die Imker Markus Morley (links) und Hakan Erdogan zeigen Friedhofschefin Gabriele Schreiber eine Honigwabe aus den Bienenstöcken des Alten Friedhofs.  

Offenbach - Leises Summen erfüllt die Luft. Um die Holzkästen schwirren Bienen, kehren pollenbepackt in ihre Stöcke zurück oder machen sich auf zum nächsten Flug. Um sie herum sind jedoch keine einsamen Wiesen oder Wälder, sondern Gräber, Gruften und Friedhofsbesucher. Von Veronika Schade 

Wie Klaus Dröll. Der ist seit Wochen richtig sauer, wendet sich an unsere Zeitung. „Auf einem Friedhof haben Bienenstöcke nichts verloren“, sagt er vehement. Seit April stehen auf dem Alten Friedhof drei Bienenstöcke mit ihren Ablegern. Dröll, der regelmäßig zur Grabpflege auf den Friedhof geht, empfindet dies als „Unverschämtheit“. Schließlich sollten Trauernde und Besucher durch nichts gestört werden. Auch nicht durch Imker mit ihren weißen Masken, deren Anblick nach Ansicht des 74-Jährigen erschreckend wirken könnte: „Ich habe diese Vorstellung, dass gerade ein Trauerzug Richtung Grab marschiert. Dann kommen ihm die Imker in voller Montur entgegen. Das geht nicht, das ist pietätlos.“

Der ehemalige Stadtverordnete fragt sich, ob die Stadt auf diese Weise ihre klamme Kasse aufbessern wolle. „Soll dann Friedhofshonig verkauft werden? Und als nächstes könnte man noch Champignons in den Gruften züchten“, fügt er sarkastisch hinzu. „So etwas gibt es nur in Offenbach.“ Eine Vermutung, die Gabriele Schreiber, Leiterin der städtischen Friedhöfe, entkräftet: „In vielen Städten sind Bienenstöcke auf Friedhöfen üblich, zum Beispiel in Ludwigsburg oder Wien.“ Es sei eine normale und legitime Nutzung von Flächen im Sinne des Naturschutzes. „Schließlich sind Bienen vom Aussterben bedroht.“

Wichtiger Lebensraum für Bienen

Dies bekräftigt Oliver Gaksch von der Dienstleistungsgesellschaft ESO, die für die Friedhofspflege zuständig ist. „Wir folgen einem Trend, haben das Rad nicht neu erfunden. Bienen passen wunderbar auf den Friedhof.“ Die emsigen Tiere fänden dort eine ideale Umgebung: „Irgendwas blüht immer. Und Wasserquellen sind auch stets vorhanden.“ Eine Gefahr für Friedhofsbesucher seien die Brummer nicht. „Sie interessieren sich nicht für Passanten, reagieren nur bei Bedrohung“, so Gaksch.

Die Idee initiiert und umgesetzt hat das Projekt Starthaus, das eng mit der Friedhofsverwaltung zusammenarbeitet. Starthaus-Mitarbeiter Hakan Erdogan ist Hobby-Imker und Mitglied des Offenbacher Imkervereins, der für die Betreuung der Bienenstöcke zuständig ist. Von den Friedhofsbesuchern habe er bisher nur positive Resonanz bekommen, erzählt er.

Gaksch betont, dass es sich um kein Profitgeschäft handele: „Die Imker arbeiten im Kleinen. Die Honigmengen, die dort erzeugt werden, sind nicht nennenswert.“ Vielmehr gehe es darum, einen Lebensraum für die immer seltener werdenden Bienen zu schaffen. Diese würden dort bisher „prächtig gedeihen“. Dass ein Trauerzug auf Imker treffe, wie Dröll es befürchtet, sei ausgeschlossen: „Bevor die Imker an die Arbeit gehen, stimmen sie sich mit der Friedhofsverwaltung ab. So viel Pietät haben wir.“

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