Neusalzer Straße 77

Offenbach: Ärger um Aufzüge in Hochhaus – Symptom eines Sanierungsstaus

Mit 313 Wohnungen das größte Wohnhochhaus der Stadt Offenbach: die Liegenschaft der GBO an der Neusalzer Straße 77.
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Mit 313 Wohnungen das größte Wohnhochhaus der Stadt: die Liegenschaft an der Neusalzer Straße 77.

In Hochhaus an der Neusalzer Straße in Offenbach gibt es Ärger. Der Grund sind die Aufzüge im Gebäude der GBO. Die sind aber nur Teil eines größeren Problems.

  • Im Hochhaus an der Neusalzer Straße 77 in Offenbach gibt es Ärger.
  • Die Sanierung der Aufzüge zieht sich lange hin.
  • Die Gemeinnützige Baugesellschaft (GBO) berichtet von einem Sanierungsstau.

Offenbach – Vor etwa zwei Jahrzehnten galt es als einer der schlimmsten sozialen Brennpunkte der gesamten Region und wurde mit dem Lohwald, dem Frankfurter Ben-Gurion-Ring oder Dietzenbachs Spessartviertel in einem Atemzug genannt: das Hochhaus in der Neusalzer Straße 77.

Doch wie die Lohwald-Siedlung mittlerweile Geschichte ist, hat sich auch die Situation im Hochhaus am Waldrand im Offenbacher Süden entspannt. Was nicht heißt, dass dort alles reibungslos läuft – in dem in den 1970er Jahren errichteten Gebäude herrscht großer Sanierungsstau. Seit mehreren Monaten werden die Aufzüge erneuert, eine Situation, die für Ärger unter den Bewohnern sorgt.

Hochhaus im Süden Offenbachs: Alle Aufzüge ausgefallen - Nachfragen bei GBO

Symptomatisch für die aktuelle Lage sei ein Ereignis von Mitte Dezember geschildert: Da erreichte unsere Zeitung der Hilferuf einer schwerbehinderten Mieterin aus einer der oberen Etagen des 21-stöckigen Hauses. An diesem Tag waren alle Aufzüge, die ihr Stockwerk anfahren, ausgefallen oder wegen Reparatur außer Betrieb, auch der sogenannte Lastenaufzug versagte den Dienst. Nur unter größten Mühen konnte sich die Mieterin die Treppen hinauf begeben, allerdings löste die Anstrengung bei ihr einen Asthma-Anfall aus.

Ihre Anfrage beim Pförtner, wann die Aufzüge wieder funktionieren, wurde unfreundlich beantwortet, die Anfrage bei der Gemeinnützigen Baugesellschaft (GBO), die für die Hausverwaltung und somit auch die Reparaturen zuständig ist, blieb ohne Antwort. Als unsere Zeitung nachfragte, war das Problem jedoch wieder behoben, zumindest ein Fahrstuhl fuhr ihre Etage wieder an.

Allerdings klagt nicht nur diese Mieterin, dass sich die Reparatur der Aufzüge deutlich verzögert: „Das schleppt sich schon seit Monaten dahin, ständig ist ein Fahrstuhl gesperrt und wir erfahren nicht, wann er wieder fährt“, ärgert sich eine weitere Bewohnerin. Gefühlt werde seit Anfang 2020 an den Aufzügen gearbeitet.

Offenbach: Sanierungsstau im Hochhaus der GBO in der Neusalzer Straße

Ganz so ist es zwar nicht, wie die GBO auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilt – dass die Beantwortung aber selbst eine fürstliche Zeitspanne für sich beanspruchte, zeigt, wie kompliziert die Lage an der Neusalzer Straße offenkundig ist. Seit dem Spätsommer werden die drei Aufzugsanlagen saniert, zuvor mussten bereits Tiefgarage, Müllabstellplätze und Parkplatzdeck erneuert werden. Ein Problem sei zudem, dass für sämtliche Arbeiten die Zustimmung aller Eigentümer einzuholen sei. Außerdem habe sich in den vergangenen Jahren ein Sanierungsstau gebildet, da sich die Kosten für die Arbeiten nur schwer aus den Mieten für geförderten Wohnraum decken ließen, betont die GBO.

Was die Fahrstuhl-Sanierung so kompliziert macht: Nicht alle Aufzüge fahren sämtliche Stockwerke an. So fährt der linke Aufzug nur bis zum zehnten, der rechte vom elften bis 21. Stockwerk. Der mittlere und der sogenannte Lastenaufzug (ein Feuerwehrlift) fahren dagegen sämtliche Etagen an.

Sanierungsstau im Hochhaus der GBO in Offenbach: Schrittweise Sanierung der Aufzüge

Bei der Sanierung werde darauf geachtet, dass alle Mieter ihre Etagen erreichen könnten, heißt es bei der GBO – der Vorfall Mitte Dezember, an dem das nicht möglich war, wird jedoch nicht kommentiert.

Ein Fahrstuhl ist bereits seit Ende Oktober modernisiert, an einem weiteren wird aktuell noch immer gearbeitet. Momentan sei man in der „Finishing-Montage“, alle mechanischen Arbeiten seien abgeschlossen und die elektronische Steueranlage müsse noch in Betrieb genommen und vom TÜV überprüft werden. Die GBO geht davon aus, dass dies bis Ende Januar passiert.

Danach wird der mittlere Aufzug, der sämtliche Etagen ansteuert, modernisiert, was für die Erreichbarkeit der Etagen noch einmal herausfordernd werden kann, sollte einer der übrigen Lifte in dieser Zeit ausfallen. Ende Februar soll dann auch dieser Fahrstuhl fertiggestellt sein.

Große Sanierung kommt auf Mieter zu: Wasserleitungen im Hochhaus in der Neusalzer Straße werden saniert

Danach wartet schon das nächste Großprojekt auf die Bewohner: Die Wasser- und Abwasserleitungen müssen erneuert werden. „Dafür hat ein Ingenieurbüro bereits einen Plan erstellt, die Arbeiten werden Anfang des Jahres ausgeschrieben. Wenn dann Angebote eingegangen sind und die Kosten feststehen, müssen die Eigentümer der Sanierung zustimmen“, schreibt die GBO.

Die Arbeiten sollen in mehrere Abschnitte unterteilt werden – und sie werden mehrere Jahre andauern. Nur so sei die Sanierung finanziell zu stemmen. „Im ersten Abschnitt werden die horizontalen Leitungen im Erdgeschoss und 21. Stockwerk erneuert. Allein dieser Abschnitt wird wohl einen sechsstelligen Betrag kosten“, so die GBO. (Von Frank Sommer)

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