Ärgernis in allen Größen

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Ärgerlich: Hundekot auf der Straße.

Offenbach - Hunde sind spielende Gefährten für Kinder. Hunde sind treue Partner für Erwachsene. Deshalb mögen viele Menschen Hunde. Aber nicht ihre Hinterlassenschaften. Das sorgt für Unmut und Ärger - vor allem bei denen, denen die Verdauungsendprodukte unter den Sohlen kleben. Von Martin Kuhn 

Sichtlich verzweifelt ist die Rumpenheimerin Claudia S.: „Vielleicht können Sie helfen, dass ein familienfreundliches Wohngebiet als solches erhalten bleibt und nicht durch rücksichtslose Hundebesitzer verunstaltet wird.“ Als stark vermintes Gelände hat sie das Neubaugebiet rund um die Ernst-Reuter-Schule ausgemacht.

Die Mutter eines Kleinkindes ist alarmiert trotz einer Wetterlage, bei der man dank Orkantief „Quinten“ sprichwörtlich keinen Hund vor die Tür gejagt hat: „Zwischen Spielplatz in den Lachwiesen und dem rückwärtigen Eingang der Schule reiht sich Hundekot an Hundekot. So etwas haben Sie noch nicht gesehen.“ Da widerspricht sicher kein Rumpenheimer. Etwas skeptisch zeigt sich zunächst Schulleiter Bruno Persichilli, der sich spontan auf Minen-Suche begibt. „Ich hätte es nicht geglaubt. Allein auf dem kurzen Fußweg von der Schule entlang unserer Freifläche und der Gärtnerei liegen 29 Hundehaufen in allen Größen und Farben, noch frisch oder schon zertreten oder vertrocknet. Wahrscheinlich sind es noch mehr, wenn man genauer hinschauen würde...“ Probleme mit eingeschlepptem Hundekot hat er an seiner Grund-, Haupt- und Realschule noch nicht ausgemacht, schränkt aber ein: „Glücklicherweise tragen unsere Kinder in den Klassen Hausschuhe.“

Was andere Offenbacher beobachten und schildern: Leider beseitigen nur die wenigsten Hundebesitzer die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner. Will man nicht versehentlich in einen Hundehaufen treten, muss man auf asphaltierten Wegen bleiben, Grünstreifen sind zu meiden - es sind ohnehin eher Hundekotstreifen. Für viele Hundehalter ist das Problem damit abgegolten, dass sie jährlich Hundesteuer bezahlen. Eine irrige Annahme.

Wer der Minen-Räumpflicht nicht nachkommt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Ordnungsamtsleiter Peter Weigand hat die Gebühren auf Zuruf parat, die fällig werden: pro Tretmine 50 Euro, wird der Haufen auf einem Kinderspielplatz platziert 100 Euro. Nur ist ein Ordnungspolizist eher selten zugegen, wenn am einen Ende der Leine das Ergebnis des Nahrungskonsums den Enddarm verlässt. So fällt Weigands Bilanz magerer aus als so manches Würstchen: „Ein gutes Dutzend Halter wurde im vergangenen Jahr erwischt.“

Auf der städtischen Internet-Präsenz wird daher auch schön geworben: „Bürger, die Herrchen oder Frauchen beobachten, die sich nicht an die Regeln halten, möchten dies direkt ans Ordnungsamt ( 80 65 2594) melden. Wichtig sind die Angaben über die Person sowie Tag, Uhrzeit und genauer Ort. Ebenso ist es notwendig, dass die Anrufer bereit sind, in einem späteren Ordnungswidrigkeitenverfahren als Zeuge auszusagen.“ Aber wer macht das schon...

Daher setzt die Verwaltung eher auf Verständnis: Hundehalter ansprechen, Handzettel verteilen, Tütenspender aufstellen. Weigand weiß: „Das ist eine langfristige Angelegenheit.“ Da es sich um keine spezifisch Offenbacher Unart handelt, ist der Blick auf die Nachbarn erlaubt: So setzten etwa Bürger im österreichischen Graz auf ein „Zuckerl“: Hundebesitzer, die beim Wegräumen beobachtet, beziehungsweise die dafür ausgestattet sind, die Hinterlassenschaften wegzuräumen, wurden mit Hundespielzeug belohnt. Die „Fairnessinitiative“ sammelte innerhalb eines Monats 7 568 Unterschriften und überreichte einen Forderungen-Katalog an die Stadtväter, in Wien kamen 157 631 Signaturen auf ein solches Papier. Aber das ist nicht nur in der Alpenrepublik geduldig...

Kurzfristige Erfolge im täglichen Kampf verspricht in Offenbach daher allein „Rex“, ein Kot-Roller, der seit geraumer Zeit die tierischen Minen aufsaugt. Angeschafft hat das Moped der Stadtbetrieb ESO. Der soll „Rex“ ab sofort in Rumpenheim loslassen. Wobei so mancher unkt, dass nur ein ausgewachsener Tyrannosaurus Rex das Problem lösen könnte.

(Martin Kuhn)

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