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Ärztlicher Bereitschaftsdienst: Die vergessene Anlaufstelle

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Von: Steffen Müller

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Die Räumlichkeiten des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes liegen nur rund 80 Meter von der Notaufnahme des Klinikums entfernt.
Die Räumlichkeiten des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes liegen nur rund 80 Meter von der Notaufnahme des Klinikums entfernt. © Müller

Offenbach - Die Notaufnahme am Sana-Klinikum platzt aus allen Nähten, was immer wieder für Ärger sorgt. Dabei ist nur 80 Meter entfernt der Ärztliche Bereitschaftsdienst (ÄBD) untergebracht. Hier könnten viele der Patienten aus der Notaufnahme behandelt werden. Doch es hapert an der Kooperation zwischen Sana und ÄBD. Von Steffen Müller

Die einzige Infotafel am Sana-Klinikum steht am Ausgang des Parkhauses. Ganz oben, prominent platziert, in roter Schrift und dicker als alle anderen Einträge, wird die Richtung zur Zentralen Notaufnahme (ZNA) angezeigt. Darunter, deutlich unauffälliger, folgt die Wegbeschreibung zum Ärztlichen Bereitschaftsdienst. Mehr Hinweise auf dieses ambulante Behandlungsangebot sucht man auf dem Klinikgelände vergebens. Und das, obwohl die ÄBD-Räume nur rund 80 Meter vom Sana-Hauptgebäude entfernt sind.

Dabei wäre eine ausführlichere Beschilderung auch von Seiten des Sana-Klinikums wünschenswert. ZNA-Leiter Dr. Daniel Kiefl würde es begrüßen, wenn mehr Patienten zum Ärztlichen Bereitschaftsdienst gehen würden – sofern es der Gesundheitszustand zulässt. „Hilfesuchende sollten sich bei leichteren Erkrankungen oder Unfällen überlegen, ob sie nicht besser den ÄBD aufsuchen.“ Doch viele Offenbacher wissen gar nichts von der Notarztpraxis, die täglich geöffnet hat. Montags, dienstags und donnerstags von 19 bis 1 Uhr, mittwochs und freitags von 14 bis 1 Uhr sowie durchgängig am Wochenende ab Samstag, 8 Uhr. Finanziert und betrieben wird der ÄBD durch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen.

Im ehemaligen Pförtnergebäude – an der Einfahrt zum Klinikum-Areal vom Starkenburgring kommend – hat der Ärztliche Bereitschaftsdienst seine Räumlichkeiten. Von der Ausstattung ähnelt der ÄBD einer Hausarztpraxis. Beschwerden wie Grippe, Kopfschmerzen aber auch Prellungen oder Nasenbluten können von den Medizinern problemlos behandelt und diagnostiziert werden.

Auf der Infotafel am Sana-Klinikum ist der Weg in die Notaufnahme prominent ausgeschildert. Auf den Ärztlichen Notdienst wird darunter in wesentlich kleinerer Schrift hingewiesen. Viele Patienten wissen nicht, dass dieser auch auf dem Klinik-Gelände angesiedelt ist.   J Fotos: Müller
Auf der Infotafel am Sana-Klinikum ist der Weg in die Notaufnahme prominent ausgeschildert. Auf den Ärztlichen Notdienst wird darunter in wesentlich kleinerer Schrift hingewiesen. Viele Patienten wissen nicht, dass dieser auch auf dem Klinik-Gelände angesiedelt ist. © Müller

„Die meisten Patienten laufen an uns vorbei und gehen direkt in die Notaufnahme“, schildert Dr. Peter Mantz das Verhalten der Kranken. Mantz erstellt die Dienstpläne für die Bereitschaftsärzte und kennt sich mit der Auslastung im ÄBD bestens aus. „Wir haben auf jeden Fall die Kapazitäten für mehr Patienten. Es kann zwar mal vorkommen, dass fünf bis zehn Leute vor einem sitzen, aber von den Wartezeiten in der Notfallaufnahme sind wir weit entfernt.“ Dort müssen die Erkrankten wegen des hohen Andrangs teilweise bis zu fünf Stunden und länger ausharren, obwohl sich viele von ihnen mit ihren Beschwerden auch von einem Mediziner im ÄBD behandeln lassen könnten und deutlich früher untersucht werden würden.

Ein Arzt ist direkt in der Praxis, ein weiterer hat Rufbereitschaft. Als der ÄBD 1974 vom damaligen Vorsitzenden des Offenbacher Ärztevereins, Dr. Hermann Pirch, initiiert wurde, schulterten zunächst hauptsächlich niedergelassene Hausärzte die Arbeit. Mittlerweile kann Dienstplan-Ersteller Mantz kaum noch auf Hausärzte zurückgreifen. Der Pneumologe schöpft aus einem Pool sogenannter „ÄBD-Profis“, Ärzte, die auf Notfallpraxen spezialisiert sind und überall in der Region eingesetzt werden. Patienten, die zum ÄBD kommen, müssten also keine Bedenken haben, dass der behandelnde Doktor einen Notfall nicht erkennt. „Wenn es etwas Ernstes ist, schicken wir sie rüber in die Notaufnahme“, erklärt Mantz.

Dass in der ZNA in ähnlicher Konsequenz gehandelt wird, bezweifelt Mantz. Schließlich darf dort niemand abgewiesen werden und jeder hat das Recht auf eine Behandlung. Mantz befürchtet, dass am Klinikum juristische Bedenken herrschen, Patienten an den ÄBD zu verweisen. Dies wird von Seiten des Sana-Klinikums allerdings bestritten. „Nach einer ersten Sichtung durch einen Arzt oder eine Pflegekraft in der Notaufnahme werden Patienten mit leichteren Erkrankungen auch an den ÄBD weitergeleitet“, versichert Kiefl. Ob diese dann aber den 80 Meter langen Weg zum ÄBD einschlagen, kann das Klinikum nicht beeinflussen.

Auf die Frage, ob ein besserer Patientenaustausch zwischen den beiden Notfallanlaufstellen möglich wäre, wenn sie nicht räumlich getrennt wären, reagiert man bei Sana reserviert und scheint wenig gesprächsbereit. Kiefl verweist lediglich darauf, dass Organisation, Öffnungszeiten und die Finanzierung des ÄBD der KV Hessen obliegen.

Derzeit wird mit dem ÄBD lediglich darüber gesprochen, inwieweit eine andere Ausschilderung sinnvoll ist. Außerdem will Kiefl die Aufklärungsarbeit verbessern. Darüber, wie das aussehen soll, äußert er sich jedoch nicht.

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