Rechtspopulismus

AfD in Offenbach: Björn Höcke muss Auftritt absagen - „Los sind wir ihn noch nicht“

Die Kundgebung vor dem Offenbacher Rathaus war gut besucht, auf Einhaltung der Corona-Regeln wurde auf einem Schild hingewiesen.
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Die Kundgebung war gut besucht, auf Einhaltung der Corona-Regeln wurde auf einem Schild hingewiesen.

Auch wenn Björn Höcke seinen Besuch bei der AfD in Offenbach absagt, findet die Gegendemonstration statt. Viele Bündnisse gegen Rechts treten zusammen auf.

Offenbach - Auf fruchtbaren Boden stoßen hochrangige Vertreter der AfD in Offenbach nicht. Schon im August 2018, als Parteichef Alexander Gauland in der Stadt auftreten wollte, musste er vor der Masse und Lautstärke der Gegendemonstranten kapitulieren. „Und Höcke ist heute gar nicht erst gekommen“, jubiliert Hibba Kauser, Sprecherin der „Black Lives Matter“-Bewegung in Offenbach.

Eigentlich hatte sich Rechtsaußen Björn Höcke für den gestrigen Nachmittag zu einem Auftritt vor dem Rathaus angekündigt. „Unverschämterweise wurden die Plakate dafür ausgerechnet am 27. Januar aufgehängt, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“, betont Kauser. Und dass er seine Populisten-Rede ausgerechnet in Nähe der Flammenskulptur halten will, die an jene erinnert, die unter dem Nazi-Terror gelitten haben, betrachten viele als unerträglich und blanken Hohn.

Schnell formiert sich eine breite Front gegen den Auftritt. So planen unter anderem der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), die Grünen und das Bündnis „Bunt statt braun“ Gegendemonstrationen. Keine 48 Stunden vor dem geplanten Höcke-Besuch teilt die Offenbacher AfD-Fraktion mit, dass dieser abgesagt sei und zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werde. Der harte Winter in Thüringen wird als Begründung angegeben. Ob es stimmt, bleibt Gegenstand von Mutmaßungen.

Keine Chance für Hass und rechte Hetze: Banner, auch auf dem Rathaus, bezogen Position gegen Faschismus.

Gegendemonstration in Offenbach: Unter Einhaltung der Corona-Regeln gegen Rechts und AfD

Aufatmen und Freude bei vielen Offenbachern – für „Bunt statt braun“ jedoch kein Grund, auf seine Gegenkundgebung zu verzichten. „Sie ist richtig und wichtig“, sagt Ayhan Hishis vom Freundschaftsverein Türkei in Offenbach und Umgebung in seinem Redebeitrag. „Die AfD wird uns nicht den Takt vorgeben. Und gegen Rassismus, Hass und Hetze kann man nicht oft genug auf die Straße gehen.“ Zustimmender Applaus von den Teilnehmern, die trotz Höcke-Absage und Eiseskälte in großer Zahl vorm Rathaus erschienen sind, viele mit Bannern, Schildern und Fahnen. Darunter Vertreter von SPD, FDP und den Grünen, aber auch IG Metall und den „Omas gegen Rechts“. Mit Masken und Abstand wird der Corona-Situation so gut es geht Rechnung getragen. Am Rande ist eine Ausstellung aufgebaut, die mittels Schautafeln die AfD, ihre Politik und Machenschaften kritisch auseinander nimmt.

Das tun auch die sechs Redebeiträge, die klar machen, dass Offenbach für Toleranz und Vielfalt steht – eine Position, die auch der städtische Banner über dem Rathaus-Eingang bezieht. DGB-Sekretär Florian Kaufmann sagt, Höcke tue alles, um die Gesellschaft zu spalten, säe Gewalt und ermutige Gewalttäter. „Es ist ein Erfolg unserer Arbeit, dass wir hier heute ohne ihn stehen.“

Offenbach demonstriert gegen die AfD: Rassismus ist „ein Verbrechen“

Henryk Friedman, Vorstand der jüdischen Gemeinde Offenbach, zeigt sich überrascht, dass Höcke überhaupt herkommen wollte: „Die AfD muss doch wissen, dass es für sie nicht ratsam ist, in Offenbach aufzutreten.“ Dass sich bei den Pöbeleien gegen den Rabbiner die Nachbarschaft sofort gegen den Täter erhob, zeige, wie vorbildlich in Offenbach multikulturelles, friedliches Miteinander funktioniere: „Das ist Courage.“

„Heute strahlt die Sonne aus Offenbach in alle anderen Gemeinden“, sieht auch Ayhan Hishis die Stadt gestern in einer Vorbildfunktion. Doch er ist sich, genau wie Sybille Schäfer von „Bunt statt braun“, und Rudolf Ostermann vom Verein für multinationale Verständigung Rodgau bewusst, dass es immer noch zu viele Menschen gibt, „die sich von den Rattenfängern einfangen lassen“. Dabei sei Rassismus keine Meinung, „sondern ein Verbrechen“. Rosi Steffens von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes ist ebenfalls froh, dass Offenbach Höckes Auftritt vorerst erspart blieb: „Aber los sind wir ihn noch nicht.“ (Veronika Schade)

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