„Afrika nicht vergessen“

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Angeregte Unterhaltung: Prinz Asfa-Wossen Asserate und Oberbürgermeister Horst Schneider im Bieberer Pfarrheim.

Offenbach - „Es kommt in der Welt vor allem auf die Helfer an.“ Was schon Albert Schweitzer wusste, ist von ungebrochener Aktualität. Der Rotaract-Club, eine vom Rotary-Club geförderte Vereinigung junger Menschen, hat eindrucksvoll bewiesen, wie aktives Helfen heute aussehen kann: Beim Afrika-Abend im Gemeindesaal St. Nikolaus wurde der schwarze Kontinent in den Fokus gerückt. Von Veronika Szeherova

Der Erlös kommt der Bundessozialaktion der Rotaract- Clubs Deutschland zugute, die es sich zum primären Ziel gesetzt hat, die Kinder- und Säuglingssterblichkeit in Nigeria zu senken. Die Haupttodesursache in vielen afrikanischen Ländern ist nicht etwa Aids, sondern Malaria. Dabei ließe sich diese Erkrankung leicht und relativ kostengünstig vorbeugen: durch Impfung und das Verteilen von Moskitonetzen. „Wir wollen nicht, dass Afrika ein vergessener Kontinent wird“, so Philipp Ulrich, Präsident des Rotaract-Clubs Offenbach. Oberbürgermeister Horst Schneider übernahm die Schirmherrschaft für den Abend und betonte die generationsübergreifende Verantwortung, „die wir jetzt übernehmen müssen, gerade auch für andere Nationen. Nur so können wir die eigene Zukunft sichern“. Für seine Rede bekam er viel Applaus.

Spannende Vorträge gab es zu hören, die sich mit unterschiedlichen Aspekten des Engagements für Afrika befassten: medizinische Hilfe, soziale Hilfe, freiwilliger Aufenthalt vor Ort, Zukunft des Kontinents.

Dr. Hans-Georg Jester aus den Asklepios-Kliniken fuhr im April 2008 mit Hilfe der Rotarier nach Ghana, um in einem Krankenhaus freiwillig zu arbeiten. Fünf Wochen lang war das St. Dominic’s Hospital in Akwatia sein Wirkungsort. Schon allein die statistischen Zahlen des Hospitals erstaunen: Es umfasst ein Einzugsgebiet von gut 200 000 Menschen in 320 Ortschaften. Es gibt statistisch 0,8 Ärzte für 10 000 Menschen, in Deutschland sind es 38,8. Entsprechend sind die Arbeitsbedingungen. „Man muss psychisch und physisch in einem guten Zustand sein, um all diese Eindrücke verarbeiten zu können“, befand der Arzt. Es mangelt an Untersuchungsgeräten und sauberem Wasser bis hin zur Privatsphäre für die Patienten. Doch gleichzeitig zeigte er sich beeindruckt von der Liebenswürdigkeit und dem Arbeitseifer der Menschen.

Diese Erfahrungen konnte auch Dr. Michael Schöfer vom Rotary-Club Dreieich bestätigen. Erst vor drei Wochen ist er aus Ghana zurückgekehrt, wo er in unterschiedlichen Krankenhäusern tätig war. Auch er zeigte sich von der Willenskraft und raschen Lernfähigkeit der Schwestern, Pfleger, Hebammen und Ärzte beeindruckt.

Nora Ronellenfitsch, Studentin des Online-Journalismus, berichtete von ihrem viermonatigen Aufenthalt in Ghana. „Mein Entschluss, nach Afrika zu gehen, war eine Mischung aus Heimatüberdruss und Abenteuerlust“, erzählt sie. Sie unterrichtete Englisch an einer Dorfschule und lebte bei einer ghanaischen Familie unter einfachsten Bedingungen ohne fließendes Wasser oder Telefon. Einen weiteren Monat befand sie sich auf Reisen und lernte das Land und Leute kennen und lieben.

Den letzten Vortrag „Afrika wohin“ hielt ein besonderer Ehrengast des Abends, seine Hoheit Prinz Asfa-Wossen Asserate. Der Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers Haile Selassie hat in Deutschland Jura, Volkswirtschaft und Geschichte studiert und stand mit seinem Buch „Manieren“ im Jahr 2003 wochenlang auf den Bestsellerlisten. In Bieber referierte er über die wirtschaftliche Situation des Kontinents früher und heute, die benötigten Hilfe und die Abhängigkeit von großen Industrienationen. Gleichzeitig wies er auf den unschätzbaren Reichtum Afrikas hin: „Kein anderer Kontinent ist so reich an Menschen, Kulturen, Religionen und Gedanken.“ Es sei dringend notwendig, dem Land mehr Beachtung zu schenken. Natürlich war auch für das leibliche Wohl und Unterhaltung gesorgt: Es gab ein Buffet mit afrikanischen Spezialitäten und Musik mit afrikanischen Trommeln.

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