Agent hilft beim Betrug

Offenbach - „Phishing“-Attacken auf die Computer von Online-Bankkunden in Echtzeit - ein 38-jähriger Offenbacher ist jetzt Opfer dieser relativ neuen Masche internationaler Gangster geworden.  Von Ralf Enders

Zum Glück für ihn konnte die Polizei eingreifen, bevor der Mittelsmann aus Rheinland-Pfalz, der „Finanzagent“, das Geld an die Auftraggeber in Russland weiterüberweisen konnte.

Die Rolle der „Finanzagenten“ ist in der Regel die eines Strohmannes. Die leichtgläubigen Menschen sind auf unseriöse Jobangebote im Internet hereingefallen. Wie das Landeskriminalamt gestern mitteilte, lauten die Texte etwa: „Wir bieten Ihnen einfache Arbeit an (...) Mit uns können sie leicht 5 000 - 6 000 Euro pro Monate verdienen.“ Das LKA: „Was sich zu schön anhört, um wahr zu sein, ist meist auch nicht wahr!“

Die „Finanzagenten“ nehmen über das eigene Konto Zahlungen aus kriminellen Online-Manipulationen entgegen und leiten diese umgehend weiter - um die Spuren zu den Auftraggebern zu verwischen als Bargeldversand, als wiederaufladbare Geldkarte oder auf ein anonymes Treuhandkonto. Der Agent erhält eine Provision. 500 von den 8 000 Euro durfte der 49-jährige Rheinland-Pfälzer für sich behalten, auf dessen Konto das Geld des Offenbacher Opfers gelandet war.

Weiterführende Links:

http://www.polizei-beratung.de

http://www.bsi-fuer-buerger.de

Ob ahnunglos oder nicht: Die Agenten können sich der Geldwäsche schuldig machen, so das LKA. Zudem könnten die Opfer, von denen die Beträge stammen, zivilrechtliche Schritte gegen die Mittelsmänner einleiten. Henry Faltin, Pressesprecher der Polizei in Offenbach, bestätigt: „Die Mittelsmänner sind relativ schnell ‘verbrannt‘, deswegen sollen sie auch das Geld so rasch weiterleiten.“

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Miese Attacken auf Computer von Bankkunden

Ein anderer Aspekt der Betrugsform ist für die Polizei relativ neu: die Echtzeit-Attacken auf die PCs der Bankkunden. Jörn Franz vom Kommissariat für Internetkriminalität des Präsidiums Südosthessen: „Bislang haben die Betrüger die Online-Zugangsseiten der Banken imitiert und (...) TAN-Nummern des Kunden ergaunert. Nun verfügen die Täter über eine Software, die es ihnen ermöglicht, während einer aktuellen Überweisung die Daten zu ändern.“

Wehrlos sind die Bankkunden aber nicht: Faltin zufolge bieten für einen geringen Preis erhältliche Kartenlesegeräte - die Verfahren heißen chip-TAN oder HBCI - „nahezu 100-prozentige Sicherheit“. Faltin rät den Kunden, sich bei ihrer Bank gezielt nach den neuen Verfahren zu erkundigen.

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