Neues Team der Agentur für Arbeit Offenbach

Langfristige Perspektive als Ziel

Christina Bonifer von der Agentur für Arbeit Offenbach unterstützt mit ihrem Team junge Erwachsene, die eine Lehrstelle suchen.

Offenbach - Junge Leute bis 35 fit machen für den Arbeitsmarkt, sie ausbilden und als Fachkräfte qualifizieren – das ist das Ziel eines neuen Teams, das die Agentur für Arbeit Offenbach eingerichtet hat.

Über den Service sprach Projektleiterin Christina Bonifer mit unserem Redaktionsmitglied Marc Kuhn.

Frau Bonifer, warum hat die Agentur für Arbeit Offenbach ein Team eingerichtet, das sich speziell um junge Erwachsene bis 35 kümmern soll, die ohne Ausbildung sind?

Wir haben schon immer die Zielsetzung, junge Menschen langfristig und mit dauerhafter Perspektive in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Das geht am besten, wenn sie gut qualifiziert sind. Um die Anstrengungen noch besser bündeln zu können, wurde das neue Team installiert.

Warum gibt es junge Leute, die keine Ausbildung haben? Sind die den Anforderungen an eine Ausbildung nicht gewachsen?

Das ist nicht der Grund. Viele haben einfach den richtigen Zeitpunkt verpasst und sich dann mit einem Job arrangiert, für den sie keine formale Qualifikation brauchen und in dem sie vielleicht sogar recht gut verdienen.

Aber warum sollen sie nicht auf Dauer in Helferberufen arbeiten, wenn sie damit zufrieden sind und ausreichend verdienen?

Zu uns kommen in der Regel diejenigen, die arbeitslos sind oder es demnächst werden. Oft hangeln sich die jungen Leute auch von einem befristeten Arbeitsverhältnis zum nächsten. Unser Ziel als Arbeitsagentur ist es, Menschen langfristig in Arbeit bringen – und das geht nur, wenn sie qualifiziert sind. Wer in Helferberufen arbeitet, ist viel eher von Arbeitslosigkeit bedroht als ausgebildete Kollegen. Er verdient auch schlechter und hat weniger Aufstiegschancen.

Heißt das im Umkehrschluss, dass nur derjenige eine Ausbildung machen kann, der arbeitslos ist oder von Arbeitslosigkeit bedroht ist?

Nein, keineswegs. Auch Beschäftigte, die in Arbeit sind, können sich mit Hilfe der Arbeitsagentur qualifizieren, seit Jahren schon. Darüber informieren die Kollegen des Arbeitgeber-Service.

Und wer kommt zu Ihnen?

Frauen und Männer, die unter 35 Jahre alt sind und keine oder eine veraltete Ausbildung haben. Wir sind mit fünf Kolleginnen und Kollegen – übrigens an allen unseren Standorten – darauf spezialisiert, gemeinsam mit dem Kunden herauszufinden, was der richtige Weg ist, um ihn oder sie dauerhaft am Arbeitsmarkt zu platzieren. Das kann manchmal ein anstrengender Weg sein, aber wir wollen die Leute motivieren.

Gibt es den typischen jungen Mann oder die typische junge Frau, die erwachsen sind, und keine Ausbildung haben?

Nein, es gibt eine Fülle von möglichen Gründen. Zum einen gibt es Leute, die studieren, dann merken, dass es nichts für sie ist und irgendwie in einen Job hineinschlüpfen, mit dem sie ein Auskommen haben. Bei anderen kann es der unvorbereitete Start in eine Ausbildung sein, in der sie so frustriert waren, dass sie alles hingeworfen haben. Meistens sind es Brüche in den Berufswegen, die man sehr gut nachvollziehen kann. Wenn sie dann arbeitslos werden, haben sie es schwerer als andere, wieder einen Job zu finden.

Wie wollen Sie solche Leute für eine Ausbildung motivieren?

In dem wir ihnen klar machen, dass sie noch viele Jahre im Arbeitsleben stehen werden und es sich in der Zukunft rechnet, wenn sie die Zähne zusammenbeißen und eine Ausbildung machen. Und mit der finanziellen Unterstützung, die wir bieten.

Wie sieht die konkret aus?

Wer eine Ausbildung nachholt, kann seine Ausbildungszeit um ein Drittel verkürzen, wenn er schon Berufserfahrung hat. Dauert eine normale Berufsausbildung drei Jahre, wird eine Umschulung nur zwei Jahre dauern. In der gesamten Zeit zahlen wir das Arbeitslosengeld I, wenn ein Anspruch hierauf besteht. Dazu erstatten wir die Fahrtkosten und gegebenenfalls Kinderbetreuungskosten. Ist der Ausbildungsbetrieb bereit, eine Ausbildungsvergütung zu zahlen, wird diese bis zum Betrag von 400 Euro nicht angerechnet.

Das heißt, im günstigsten Fall kommt ein ordentlicher Betrag zusammen - aber im ungünstigen Fall muss jemand während der Ausbildung mit deutlich weniger Geld auskommen, als er in einem Helferjob auf der Baustelle verdienen würde.

Ja, aber dann ist die Gefahr groß, in naher Zukunft wieder arbeitslos zu werden und nach dem nächsten Helferjob suchen zu müssen. Aus der Nummer kommt er vielleicht sein Leben lang nicht mehr raus. Wenn er aber bereit ist, vorübergehend zwei Jahre mit weniger Geld auszukommen und zu lernen, damit er den Abschluss schafft, steigt er unmittelbar danach mit einem viel höheren Gehalt ein, hat einen sichereren Job und verdient lebenslang deutlich besser. Das hat Auswirkungen bis hin zur Rente.

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Sind denn Ausbildungsbetriebe bereit, ältere Azubis anzunehmen?

Das neue Team ist eng mit dem Arbeitgeber-Service verzahnt. Wir müssen auch Arbeitgeber motivieren, die manchmal Vorbehalte haben. Übrigens zu Unrecht, wie auch hier die Erfahrung zeigt. Wer sich als Erwachsener für eine Ausbildung entscheidet, ist hoch motiviert und mit ganzem Herzen bei der Sache. Ausbildungsbetriebe, die einmal einen Erwachsenen ausgebildet haben, würden das in der Regel immer wieder tun.

Viele Ausbildungsbetriebe wünschen sich eine besser Schulbildung und höhere soziale Kompetenzen bei den Auszubildenden.

Gerade diese Betriebe sollten es mal mit jungen Erwachsenen probieren. Denn wer schon im Berufsleben stand, weiß wie das Arbeitsleben funktioniert - und was dort geht oder nicht geht. Arbeitgeber profitieren auf ganzer Linie von erwachsenen Azubis. Und sie sichern sich damit ihren Bedarf an Fachkräften. Der Fachkräftebedarf wird sich in den nächsten Jahren noch deutlicher zeigen, da ist die Ausbildung junger Erwachsener ein Baustein, um dem entgegenzuwirken. Wir können uns in Zukunft keine schlecht oder gar nicht ausgebildeten Menschen mehr leisten – und sollten das auch nicht tun.

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