Mit Qualifikation in neuen Job

Offenach - Mit Investitionen in Qualifikationsmaßnahmen bekämpft die Agentur für Arbeit Offenbach die Erwerbslosigkeit in der Region.

„Es gibt einen Fachkräftebedarf im Gesundheitswesen und bei Erziehern“, sagte Rainer Kupka, Teamleiter für Arbeitsvermittlung und Beauftragter für die sogenannte Bildungszielplanung, im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Marc Kuhn.

Herr Kupka, was steckt hinter dem Begriff „Bildungszielplanung“?

Jede Agentur plant für das laufende Jahr, wofür sie ihre Mittel im Bereich Weiterbildung ausgeben will und welche Bildungsziele sie mit den vorhandenen Geldern erreichen will. Deswegen setzen wir uns in einem Experten-Team im Herbst zusammen, analysieren die Marktgegebenheiten und planen die Bildungsmaßnahmen, die im kommenden Jahr angeboten werden sollen.

Von welcher Summe sprechen wir?

Im letzten Jahr hat die Arbeitsagentur Offenbach rund 4,5 Millionen Euro für Bildungsmaßnahmen ausgegeben. Auf dieser Basis haben wir unsere Planungen für 2012 gemacht. Manchmal kommt es vor, dass im Jahresverlauf zusätzliche Programme aufgestellt werden, für die weitere Mittel verwendet werden können.

Welche Bildungsziele haben Sie festgelegt?

Es gibt einen Fachkräftebedarf im Gesundheitswesen und bei Erziehern. Folglich haben wir auf die Qualifikation in diesen Berufen einen Schwerpunkt gesetzt. Weitere Schwerpunkte sind gewerbliche Qualifizierungen, zum Beispiel in der Frachtabfertigung. Auch im kaufmännischen Bereich ist eine Zusatzqualifikation oft mehr als das i-Tüpfelchen. Kenntnisse in SAP, Rechnungswesen oder Business English helfen, Hürden zu überwinden. Weiterbildungen im Bereich Logistik bilden einen weiteren Schwerpunkt. Ein Gabelstaplerführerschein kann ausschlaggebend dafür sein, ob ein Bewerber eine Stelle erhält oder nicht.

Warum veröffentlichen Sie Ihre Planung?

Wir führen die Bildungsmaßnahmen nicht selbst durch. Das machen Weiterbildungsträger. Denen wollen wir die Möglichkeit geben, sich rechtzeitig auf unsere Anforderungen einzustellen und ihre eigenen Planungen danach auszurichten. Wenn wir wie in diesem Jahr einen Schwerpunkt setzen auf Gesundheitsberufe, dann ist das für viele Träger eine Anlass, in diesem Bereich Qualifizierungsmaßnahmen anzubieten. Diese müssen aber zertifiziert sein, bevor wir unsere Kundinnen und Kunden zu ihnen schicken.

Wie geht das genau vor sich?

Grundsätzlich ist es so, dass Kunden, die arbeitslos oder arbeitsuchend sind, einen „Bildungsgutschein“ erhalten können, wenn ohne eine Qualifizierung keine oder nur geringe Integrationschancen bestehen. Jeder Arbeitsvermittler klärt das im Einzelfall ab und vergibt dann einen Bildungsgutschein oder eine Zusage der Kostenübernahme für ein bestimmtes Bildungsziel. Der Kunde muss sich dann selbst auf die Suche nach einem Träger machen, weil es uns aus Neutralitätsgründen nicht gestattet ist, direkt auf Bildungsträger hinzuweisen. Hierfür stellen wir die Informationsplattform Kursnet (www.kursnet.arbeitsagentur.de) zur Verfügung, in der jeder Bildungsträger die Möglichkeit hat, sein Bildungsangebot zu veröffentlichen. Qualifizierung kann übrigens auch direkt in Betrieben durchgeführt werden. In solchen Fällen prüfen wir, inwieweit wir Arbeitgebern, die Arbeitslose einstellen und qualifizieren, Zuschüsse zu Lohnkosten zahlen können.

Kann auch jemand, der noch gar nicht arbeitslos ist, sondern es erst in Zukunft sein wird, einen Bildungsgutschein bekommen?

In der Tat. Auch jemand, der arbeitsuchend ist, kann einen Bildungsgutschein bekommen.

Nach welchen Kriterien planen Sie die Bildungsziele?

Wir planen so, dass wir damit dem Fachkräftebedarf in unserem Agenturbezirk entgegenwirken. Wir schauen uns die offenen Stellen, die Arbeitgeber bei uns melden, genau an. Außerdem beobachten wir stetig die Entwicklung der Berufe und Branchen und schätzen die Bedarfe und Potenziale der Kunden ein. Desweiteren stehen wir in regelmäßigen Kontakt zu Institutionen vor Ort, wie zum Beispiel der Industrie- und Handelskammer und der Handwerkskammer.

Gibt es Personengruppen, die Sie besonders berücksichtigen?

Ja, in 2012 sind das Berufsrückkehrer, denn hier gibt es viele Menschen mit Potenzial, die wir mit relativ geringen Mitteln gut integrieren können. Übrigens können unsere Bildungsziele sowohl in Vollzeit wie in Teilzeit erreicht werden.

Was ist, wenn sich etwas verändert auf dem Arbeitsmarkt, zum Beispiel wie jetzt durch die Ereignisse bei Manroland?

Grundsätzlich gilt, dass die Planung angepasst werden kann, wenn sich die Arbeitslosenstruktur verändert oder wenn sich kurzfristig die Qualifikationsanforderungen der Betriebe verändern.

Und wenn jemand kommt, der eine Qualifizierung in etwas völlig anderem braucht, als Sie vorgesehen haben. Muss der dann warten bis zum nächsten Jahr?

Nein, auf gar keinen Fall. Wenn die individuellen Voraussetzungen geprüft wurden und sich daraus ergibt, dass ein Bewerber mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Stelle bekommt, wenn er eine bestimmte Weiterbildung gemacht hat, wird das wie bisher auch weiterhin möglich sein.

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