Sanel M. verurteilt - Eklat bei Mahnwache

Aggressionen und Spuckattacke beim Tugce-Prozess

Darmstadt/Offenbach - Nach dem Urteil im Tugce-Prozess soll es bei einer Mahnwache für die tote Studentin zu Aggressionen gekommen sein. Dabei soll auch auf ein Foto der toten Studentin gespuckt worden sein.

Mehrere Frauen hätten auf die Plakate mit Tugces Foto gespuckt und Beleidigungen ausgesprochen, berichteten Verwandte von Tugce. Wie die „Bild“-Zeitung berichtete, soll es sich dabei unter anderem um die Mutter von Sanel M. gehandelt haben. Verwandte hatten am Dienstag vor dem Gerichtsgebäude in Darmstadt mit Kerzen, Fotos und schwarzen Blumen an die 22-Jährige erinnert (Bilder in der Galerie unten), während Richter Jens Aßling im Gerichtssaal das Urteil gegen Sanel M. begründete. Der 18-Jährige wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu drei Jahren Jugendhaft verurteilt. Laut Polizei gab es keine besonderen Auffälligkeiten. Bereits vor dem Urteil war es im Gerichtsgebäude unter den wartenden Zuschauern zu einem Tumult gekommen. Es gab Beleidigungen und Rangeleien.

Die Albayraks sind in den vergangenen Wochen immer wieder mit den Einzelheiten des Todes ihrer Tochter konfrontiert worden. Und wie sieht die Familie das Strafmaß für den 18 Jahre alten Angeklagten? Sie selbst äußert sich nicht. Ihr Anwalt sagt: „Jetzt besteht die Chance, eine Zäsur in seinem Leben zu setzen. Sein Leben kann man noch retten. Das von Tugce nicht mehr.“ Richter Aßling wendete sich gleich zu Beginn seiner Urteilsbegründung an Tugces Familie. Die Albayraks hätten einige Fragen während der Verhandlung vielleicht als despektierlich empfunden. Es sei aber nicht die Absicht des Gerichts gewesen, Tugce „herabzusetzen oder gar zu demontieren“, betonte Aßling. „Es geht allein darum herauszufinden, was passiert ist.“ Dabei sei dem Gericht bewusst: „Dieser Verlust ist durch kein Urteil dieser Welt wieder auszugleichen. Damit müssen Sie leben, so schwer es fällt.“

Bilder zum Tugce-Prozess in Darmstadt

Auch während seiner Begründung der Höhe des Strafmaßes sprach Aßling die Albayraks an. Es sei sicher schwer, für sie zu ertragen, dass nun über die Zukunft des Angeklagten gesprochen werde. Dieser sei von einer Vorverurteilungskampagne „in großem Umfang gebrandmarkt“ und spüre dies auch im Gefängnis. Gegen Sanel spreche, dass er die Warnschüsse von drei Jugendarresten - den letzten zwei Monate vor der Tat - nicht verstanden habe. Auch nach seinem verhängnisvollen Schlag „hätte man sich gewünscht, dass er mehr Empathie und Mitempfinden mit dem Opfer hat“, sagt Aßling. Daran müsse er nun in der Jugendhaft arbeiten. „Wir fürchten, wenn er jetzt einfach so wieder in Freiheit kommt, dass er relativ schnell in alte Verhaltensmuster und seinen Freundeskreis zurückfällt, der sich hier nicht unbedingt rühmlich gezeigt hat.“

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dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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